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Das Erfinden neu erfinden

08.12.2015

Die Forschungslabore, in denen hinter verschlossenen Türen an den Innovationen des vergangenen Jahrhunderts gearbeitet wurde – sie sind nicht der Ort, an dem die Innovationen des 21. Jahrhunderts entstehen. Wer die Märkte der Zukunft identifizieren und bedienen will, muss vollkommen anders entwickeln und zusammenarbeiten: offen, vielseitig, flexibel.

Jahrzehntelang tauschten Wissenschaftler ihre Ideen in erster Linie auf Kongressen und über Fachpublikationen aus. Industrieforscher waren Teil dieser Netzwerke, und wenn ein Thema, das an Universitäten oder Forschungsinstituten entwickelt wurde, interessant schien, gründete man eine Forschungskooperation.


Siemens hat einen einzigartigen Elektromotor entwickelt, der hohe Leistung mit einem minimalen Gewicht kombiniert. Erreicht wurde dieser Weltrekord beim Leistungsgewicht unter anderem dank digitaler Entwicklungstools – etwa der PLM Software von Siemens.

Diese Netzwerke gibt es zwar weiterhin. Doch nicht zuletzt durch die Globalisierung und die zunehmende digitale Vernetzung hat sich der Austausch von Ideen immens beschleunigt. Entwicklungsprozesse haben sich verändert, Innovationszyklen deutlich verkürzt.

Um weiterhin erfolgreich sein zu können, müssen Unternehmen somit neu erfinden, wie sie erfinden. So auch Siemens, dessen Entwickler sich schon seit Jahren nicht mehr im Elfenbeinturm verbarrikadieren: „Heute sind unsere Innovationsprozesse viel offener.

Statt Ideen hinter verschlossenen Türen auszubrüten, arbeiten wir mit externen Partnern zusammen, einschließlich kleiner Start-ups mit wenig Ressourcen, aber guten Ideen“, erklärt Prof. Siegfried Russwurm, Technikvorstand der Siemens AG. „Das beeinflusst, wie wir Neues entwickeln können.“


Innovationen durch Vernetzung

Open Innovation (OI) lautet somit das Zauberwort, das auch im deutschen Sprachgebrauch bereits zum stehenden Begriff geworden ist. Wissen nur für sich zu behalten ist längst ein Wettbewerbsnachteil. Mit Open Innovation versuchen Unternehmen, einen Innovationsprozess zu gestalten, der offen ist – offen in dem Sinne, dass sowohl eigenes Know-how als auch externes Wissen in den Prozess ganzheitlich integriert werden zu dem Zweck, das eigene Innovationspotenzial zu vergrößern. Siemens hat hier bereits vor Jahren die entsprechenden Weichen gestellt. Forschungskooperationen oder gar strategische Partnerschaften etwa mit Universitäten sind hier nur eine von vielen genutzten Möglichkeiten.

So sind Siemens-Experten heute kaum noch an Wissensgrenzen gebunden – die Community der Forscher und Entwickler ist durch webbasierte Austauschplattformen oder Ideenwettbewerbe weltweit vernetzt. Mitarbeiter des Unternehmens diskutieren gemeinsam Probleme, identifizieren die besten Ideen und bringen diese zur Marktreife. Ein solcher Kommunikationstreffpunkt ist die 1999 gegründete Online-Plattform TechnoWeb, die mittlerweile mehr als 45.000 Mitglieder umfasst. Wer kann eine Radioantenne auf einem Serviceschiff installieren? Wo bekomme ich Stützlager, die Temperaturen von minus 40 Grad Celsius aushalten? Im Schnitt dauert es gerade mal eine halbe Stunde, bis auf TechnoWeb die erste Antwort kommt – irgendwo auf der Welt ist immer ein Siemens-Mitarbeiter wach, der bei einem drängenden Problem weiterhelfen kann.

Start-ups bestimmen die Regeln des Marktes

Zugegeben, Beispiele wie diese harmonieren nicht immer mit traditionellen Innovationsprozessen – aber genau deshalb sind sie heute für Großunternehmen wie Siemens wertvoll. Gleiches gilt für Start-ups, kleine, flexible, auf eine Geschäftsidee konzentrierte Unternehmen, die mit teilweise bahnbrechenden Innovationen die Regeln des Marktes neu definieren und daher heute eine enorme Herausforderung für Konzerne darstellen. So beschreibt es Jerome S. Engel von der University of Berkeley in Kalifornien im Interview: „Innovationen, wie sie Start-ups im Silicon Valley und anderswo entwickeln, fügen sich eher schwer in die relativ rigiden Strukturen großer Firmen ein, weil sie auf ständiges Experimentieren angewiesen sind und mit viel Ungewissheit einhergehen.“

Doch laut dem Innovationsexperten können sich Konzerne und Start-ups mit ihren jeweiligen Stärken auch ergänzen. Denn oft haben Start-ups zwar eine gute Idee und motivierte Mitarbeiter, aber nicht die Ressourcen, die erforderlich wären, um daraus erfolgreiche Produkte zu machen. Da ist es gut, mit einem starken Partner zu arbeiten und eine Situation zu schaffen, die beiden Parteien hilft.

Diesen Vorteil weiß Siemens zu nutzen: „Indem wir solche Firmen unterstützen, bekommen wir im Gegenzug sehr frühzeitig Zugang zu neuen Technologien. Wir gründen aber auch selbst Start-ups, nutzen den Gründergeist externer Manager und holen strategisch interessante Anwendungen später in den Konzern“, sagt Russwurm. Der Konzern kann so Trends und neuartige Geschäftsmodelle schneller erkennen und erhält frühzeitig Zugang zu vielversprechenden Innovationen – und zu den schlauen Köpfen, die schon heute daran tüfteln.


Geschäftsfelder der Zukunft frühzeitig nutzen

Das Beispiel der Start-ups verdeutlicht aber auch: Nicht nur die Innovationsprozesse ändern sich. Neue Technologien bereiten den Boden für überlegene Geschäftsmodelle, die den alten den Garaus machen. Einst war dies die Erfindung der Dampfmaschine oder des automatischen Webstuhls. Heute nutzen wir Internet und Cloud-Lösungen, gewinnen Erkenntnisse durch die intelligente Nutzung von Smart Data und nutzen sie zum Beispiel für die Digitalisierung der Industrie.

Für Siemens ist das eine Riesenchance. Ein Beispiel: Mit sogenannter Product-Lifecycle-Management-(PLM-)Software können Siemens-Kunden ihre eigenen Produkte simulieren, bevor sie sich die Mühe machen müssen, physische Prototypen anzufertigen. Viele der Siemens-Mitarbeiter, die PLM-Software weiterentwickeln, haben selbst einmal bei Start-up-Unternehmen angefangen.

32.100 Siemens-Mitarbeiter forschen und entwickeln an mehr als 170 Standorten in 27 Ländern – mit Schwerpunkten in Deutschland, USA, Indien und China.

Einen weiteren Markt der Zukunft bietet das künftige Stromzeitalter. Die Abkehr von fossilen Energieträgern bis zum Jahr 2100 ist so gut wie beschlossen. Welche Anforderungen dieser revolutionäre Ansatz an unsere Energiesysteme stellt und was dies für die Strommärkte der Zukunft bedeutet, erforschen und simulieren Siemens-Experten mit dem Ziel, künftige Geschäftsfelder für das Unternehmen zu identifizieren und in den Geschäftseinheiten umzusetzen. 

Weltweit am Puls der Zeit

Es gilt daher, solche Trends rechtzeitig zu erkennen, um sie frühzeitig zu besetzen. Und diese können sich mitunter von Region zu Region unterscheiden. Ein Konzern, der so global tätig ist wie Siemens, muss daher in der Forschung immer am Puls der Zeit sein – und das vor Ort. So forschen und entwickeln 32.100 Siemens-Mitarbeiter an mehr als 170 Standorten in 27 Ländern – mit Schwerpunkten in Deutschland, USA, Indien und China.

Die Beispiele zeigen: Crowdsourcing von Ideen gehört bei Siemens zum Alltag, genauso wie die aktive weltweite Forschung und die Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungsgesellschaften und kleinen, wendigen Start-up-Unternehmen. Davon profitiert nicht nur der Weltkonzern: Auch die Partner ziehen Nutzen aus der Erfahrung, den Ressourcen und der globalen Präsenz des Großunternehmens. Dabei war Siemens einst selbst ein Start-up. Mit der Kraft guter Ideen, harter Arbeit und ein wenig Geduld entstand ein Weltkonzern. Einer, der sich immer wieder neu erfindet. Mehr noch: der immer wieder neu erfindet, wie er erfindet.


Sebastian Webel

Redaktion
Sebastian Webel
Dr. Norbert Aschenbrenner
Dr. Johannes von Karczewski


Kontakt für Journalisten
Florian Martini
Tel.: +49 (89) 636-33446

www.siemens.com

Sebastian Webel | Siemens Pictures of the Future

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