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18.01.2011
Es ist so zuverlässig wie seine traditionellen Vorgänger, aber deutlich günstiger: Das neue Befragungssystem equess, das der Lehrstuhl Empirische Bildungsforschung entwickelt hat. Mit der Technik sollen nicht nur Wissenschaftler leichter zu ihren Ergebnissen kommen. Auch Studierenden soll sie das Leben im Hörsaal angenehmer machen.

Vermutlich jeder kennt sie: Markt-, Meinungs- oder Bildungsforscher, die mit einem dicken Stoß Papier unter dem Arm auftreten und ihr Gegenüber nach dessen Meinung fragen. Die Antworten notieren sie mit Kugelschreiber oder Bleistift, für jedes „Ja“ und jedes „Nein“ gibt es ein Kreuzchen in einem Kästchen.

Eine altmodische Art der Datenerhebung, findet der Würzburger Bildungsforscher, Professor Heinz Reinders, die überdies mit einigen Nachteilen behaftet ist: „Solche Paper-&-Pencil-Studien sind wegen der Druckkosten für Fragebögen und der anschließenden Dateneingabe teuer“, sagt Reinders. Überdies sei die Methode auch ziemlich fehleranfällig: „Bei der Übertragung der Daten vom Fragebogen in den PC treten auch bei sorgfältigster Prüfung immer wieder Fehler auf, die mühsam gesucht und behoben werden müssen. Das kostet Zeit und Geld“.

Abhilfe könnte eine neue Methode schaffen, die Reinders und seine Mitarbeiter am Lehrstuhl Empirische Bildungsforschung entwickelt haben: equess – so heißt das neue Befragungssystem, mit dem Umfragen nicht nur besonders zuverlässig, sondern auch deutlich kostengünstiger durchgeführt werden können. Das Akronym equess steht dabei für „e-based questionnaire survey system“; es könnte in Zukunft zu einem wichtigen Standard bei Fragebogenstudien werden.

Eine simple Idee

Die Idee von equess ist dabei ebenso simpel wie überzeugend, findet Reinders: Netbooks ersetzen den Fragebogen auf Papier. An den kleinen Computern können die Interviewer – oder die Interviewten selbst – die Antworten eingeben. Diese werden per gesicherter Übertragung direkt an einen Server geschickt, der die Daten speichert und für eine sofortige Auswertung zur Verfügung stellt.

Technisch basiert equess auf einer Plattform für Online-Befragungen. „Das hat den Vorteil, dass wir equess sowohl mobil auf Netbooks einsetzen, als auch parallel eine Online-Befragung durchführen können“, erläutert Reinders.

Wie das konkret aussieht? Will beispielsweise ein Unternehmen seine Angestellten zu deren Zufriedenheit am Arbeitsplatz befragen, können die Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich, die in der Regel über einen Rechner mit Internetzugang an ihrem Schreibtisch verfügen, die Fragen online am eigenen PC beantworten. Zu den Arbeitern, die am Fließband stehen, hingegen kommt ein Interviewer und sammelt deren Antworten im Netbook.

Für seine eigenen Studien im Bereich der Bildungsforschung hat Reinders equess bereits mit Erfolg eingesetzt. Mit einem ganzen Schwung Netbooks ist sein Team an Schulen gegangen, hat die Geräte dort in den Klassen verteilt und die Schüler die Fragen digital bearbeiten lassen. Finanziert hat die Netbooks die an der Universität Würzburg ansässige Dr. Heribert Brause-Stiftung.

Vom Erfolg seiner neuen Befragungstechnik ist Reinders nach den ersten Studien überzeugt. Er habe damit nicht nur erhebliche Kosten gespart. Wichtiger ist für den Wissenschaftler wohl die Erfahrung, dass mit equess durchgeführte Befragungen genauso zuverlässige Testergebnisse liefern wie Paper- &-Pencil-Studien.

Ein System mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten

Ein weiterer Vorteil von equess sind die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Laut Reinders eignet sich das System ebenso für elektronische Assessments oder Klausuren. Am Lehrstuhl Empirische Bildungsforschung wird equess derzeit auch in der Lehre als Quiz-System eingesetzt. Während einer Vorlesung schickt Reinders den Studierenden Fragen zum behandelten Stoff auf die Netbooks, die zuvor an alle verteilt worden waren. „Beantworten die Studierenden eine Frage nicht richtig, ist das für mich ein wichtiges Signal, die Inhalte zu wiederholen oder in anderer Form zu erklären. Das macht Vorlesungen für beide Seiten viel ertragreicher“, schwärmt Reinders.

In seiner nächsten Vorlesung wird Reinders noch einen Schritt weiter gehen: Dann können die Studierenden Fragen mittels Netbook an ihn schicken. Ein Tutor wird diese thematisch bündeln und anschließend Reinders vorlegen, damit der sie noch während der Vorlesung beantworten kann. „Weil die Fragesteller selbstverständlich anonym bleiben, muss sich niemand mehr vor der Blamage durch eine möglicherweise ‚dumme Frage‘ fürchten“, sagt Reinders.

Der richtige Zeitpunkt für die Zukunft

Schon seit langem wurde am Lehrstuhl Empirische Bildungsforschung an equess gebastelt. Anfangs sollte das System auf PDAs laufen, was sich aber als technisch schwierig erwies. Erst mit der Entwicklung von leichten und stromsparenden Netbooks, auf denen sich das am Lehrstuhl entwickelte Linux-System installieren und flexibel nutzen lässt, waren die Voraussetzungen für eine praktikable Lösung gegeben. „Wir haben jetzt einfach den richtigen Zeitpunkt erwischt“, resümiert Reinders.

Den richtigen Zeitpunkt, um damit anderen Interessierten eine Dienstleistung anbieten zu können. Wer selbst eine Umfrage durchführen möchte, kann dafür Technik und Knowhow des equess-Teams nutzen. Reinders Ziel ist es jedenfalls, mit equess auch Auftragsforschung abzuwickeln.

Gut möglich, dass die Arbeit schon bald nicht mehr mit der Hilfe von Netbooks erledigt wird: „Die zunehmende Verbreitung von Tablet-PCs und Smartphones heißt für uns, dass die Endgeräte noch leichter und mobiler werden, da ist noch eine Menge Potenzial für kreative Lösungen“, sagt Reinders. Sein nächstes Projekt heißt deshalb: equess auf iPad, iPod und Smartphones zum Laufen zu bringen.

Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Reinders, T: (0931) 31-85563,
heinz.reinders@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de
http://www.equess.de

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