Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Closing the gap – Neue Daten zur sozialen Dimension der Hochschulbildung in Europa

25.10.2011
„Gegenwärtig haben drei von zehn Europäern eine Hochschulausbildung absolviert. Gemäß der Bildungsstrategie der Europäischen Union sollen es bis zum Jahr 2020 vier von zehn Europäern sein. Um diese zusätzliche Person erfolgreich in und durch die Hochschulbildung zu bringen, werden mehr Informationen über die heutigen Studierenden in Europa benötigt, wer sie sind und welche Herausforderungen sie zu bewältigen haben.“

Mit diesen Worten erklärte Richard Deiss von der Europäischen Kommission seine Unterstützung für das EUROSTUDENT-Projekt anlässlich einer Veranstaltung in der Ständigen Niederländischen Vertretung bei der EU in Brüssel am 19. Oktober.

Auf dieser Veranstaltung stellte EUROSTUDENT seinen Abschlussbericht mit vergleichenden Daten zur sozialen und wirtschaftlichen Situation von Studierenden in Europa vor. Etwa 70 Mitglieder des Bildungsausschusses des Europäischen Rates und Repräsentant(inn)en verschiedener europäischer Organisationen besuchten die Abendveranstaltung, auf der einige der neuesten Ergebnisse der vierten Projektrunde von EUROSTUDENT präsentiert wurden.

Als Vertreter der polnischen Ratspräsidentschaft der EU beschrieb Bartùomiej Banaszak seine Projektbeteiligung. Vor ungefähr vier Jahren war er noch Vertreter der polnischen Studierenden und arbeitete mit der Regierung zusammen, um Polens Teilnahme an dem europaweiten Projekt sicherzustellen. Nun, als Mitglied des polnischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, erkennt er die Bedeutung des umfangreichen Datensatzes und der Ergebnisse der Analysen für die Entwicklung der Hochschulbildung in Polen. Im Namen der polnischen Ratspräsidentschaft sprach er seine Anerkennung für die erhobenen Daten und die vergleichenden Analysen der Studienbedingungen aus, die für die weitere Entwicklung der EU-Strategie zur Modernisierung der Hochschulbildung von Bedeutung sind. „Dies ist die beste Quelle für international vergleichende Daten über die europäischen Studierenden von heute“, stimmte Marlies Leegwater vom niederländischen Ministerium für Bildung und Kultur zu.

Mitglieder des EUROSTUDENT Koordinationsteams, Dominic Orr, Christoph Gwosã (beide HIS-HF, Deutschland), Brenda Little (Open University, Vereinigtes Königreich) und Hanna-Stelle Haaristo (EÜL, Estland) nutzten die Veranstaltung, um mit den internationalen Bildungsexpert(inn)en einige Schlüsselergebnisse der Studie zu diskutieren. Zu den folgenden drei Themen wurden Präsentationen gehalten: Zugang zur Hochschulbildung, Einnahmen und Ausgaben der Studierenden und kurzfristige Auslandsmobilität. In diesem Zusammenhang wurden vier spezifische Fragen diskutiert:

- Ist Hochschulbildung in Europa sozial ausgleichend?

- Welche Bedeutung haben Hochschulgebühren für das Budget der Studierenden?

- Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen den Ländern hinsichtlich der Einnahmen der Studierenden?

- Wie verbreitet ist kurzfristige Auslandsmobilität unter den Studierenden und welche Mobilitätshindernisse bestehen?

Im Rahmen ihrer Präsentation stellte Hanna-Stella Haaristo zunächst die Frage, wie viele der Veranstaltungsteilnehmer(innen) Studierende der ersten Generation seien, deren Eltern keine Hochschulbildung genossen haben. Dies traf nur auf eine Minderheit zu. Sie erläuterte, welche Länder besonders erfolgreich darin sind, nicht-traditionelle Studierende zu rekrutieren und wies auf die Herausforderungen hin, mit denen sich diese Länder konfrontiert sehen – u. a. benötigen sie häufig flexible Studienstrukturen, die es den Studierenden während der Woche erlauben, Studium und studienbegleitende Erwerbstätigkeit miteinander zu vereinbaren. Die Anwesenden stimmten darin überein, dass – insbesondere vor dem Hintergrund fehlender eigener Erfahrungen mit solchen Herausforderungen – Daten zu diesem Thema wichtige Einblicke hinsichtlich der Chancen des Hochschulzugangs in Europa liefern.

Christoph Gwosã präsentierte neue EUROSTUDENT-Daten zum Thema Hochschulgebühren. Er zeigte im internationalen Vergleich sowohl die Bedeutung von Hochschulgebühren für die monatlichen Ausgaben von Studierenden als auch die Anteile von Studierenden, die überhaupt einer Gebührenpflicht unterliegen. Sowohl die Vertreterin der European Students‘ Union (ESU), Karina Ufert, als auch der Repräsentant der European University Association (EUA), Thomas Estermann, stimmten darin überein, dass die neuen Daten zu fachlichen Debatten dieses oft emotional beladenen Themas beitragen werden.

Eine Erhöhung des Anteils der Studierenden, die einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolvieren (z. B. mit Erasmus), steht im Fokus politischer Debatten in Europa. Brenda Little stellte fest, dass eine große Mehrheit der Besucher(innen) ihrer Präsentation selbst Auslandserfahrung während des Studiums gesammelt hat und diese Erfahrung als sehr wichtig für die persönliche und berufliche Entwicklung empfand. Sie präsentierte Daten, die zeigen, dass die Mehrheit der europäischen Studierenden – mehr als zwei Drittel von ihnen – noch keine Auslandserfahrung gesammelt hat und dies auch nicht plant, und dass insbesondere Studierende mit niedrigem Bildungshintergrund während des Studiums nicht ins Ausland gehen. Diese Erkenntnis war für die meisten Veranstaltungsteilnehmer(innen) neu und regte zum Nachdenken über den Abbau von Mobilitätshindernissen an.

Die Präsentationen und Diskussionen in Brüssel unterstreichen die Bedeutung von Treffen zwischen Politiker(inne)n und Wissenschaftler(inne)n für die Richtung und den Umfang von Reformen im Bereich der Hochschulbildung innerhalb der EU und des Bologna-Prozesses. Um solche Diskussionen zu fördern, veröffentlicht EUROSTUDENT heute vier Intelligence Briefs zu den Themen, die auf der Veranstaltung diskutiert wurden.

Intelligence Briefs:
- Is higher education in Europe socially inclusive
http://www.eurostudent.eu/download_files/documents/IB_HE_Access_121011.pdf
- What is the impact of fees on students’ budgets
http://www.eurostudent.eu/download_files/documents/IB_Fees_121011.pdf
- What are the similarities and differences between students' incomes
http://www.eurostudent.eu/download_files/documents/IB_Student_income_121011.pdf
- How extensive is short-term learning mobility and what are the obstacles to mobility?

http://www.eurostudent.eu/download_files/documents/IB_Short_term_mobility_121011.pdf

Diese kurzen Abhandlungen sollen als Einführung in die Nutzung der Daten und Analysen von EUROSTUDENT dienen und politik-orientierte Debatten anregen. Der umfassende EUROSTUDENT-Abschlussbericht, der viele weitere Themen und Analysen beinhaltet, ist sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form als Download erhältlich.

Hintergrundinformationen zum Projekt EUROSTUDENT:
EUROSTUDENT hat das Ziel, Daten zu den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Studierenden in Europa zu liefern. Des Weiteren werden Aspekte der internationalen Mobilität während des Studiums analysiert. Das Projekt begann in den späten 1990er Jahren. Die vierte Runde des Projekts begann im November 2008 und endet im Oktober 2011. 25 europäische Länder haben sich aktiv an der vierten Projektrunde beteiligt. Das HIS-Institut für Hochschulforschung in Hannover, Deutschland, ist für das Management des Projektkonsortiums verantwortlich. Weitere Konsortialmitglieder sind: die Vereinigung Estnischer Studierendenorganisationen (EÜL) in Estland, das Zentrum für Qualitätskontrolle der Bildung (ØKOKO) in Bulgarien, das Institut für Höhere Studien (IHS) in Österreich, das Zentrum für Hochschulforschung und Information der Open University (CHERI) im Vereinigten Königreich, das Niederländische Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft (MinOCW) und das Nordische Institut für Studien über Innovationen, Forschung und Bildung (NIFU) in Norwegen. Das Projekt wird finanziert mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Deutschland und der Europäischen Kommission (Lifelong Learning Programme).
Weitere Informationen:
Dominic Orr, orr@his.de
Christoph Gwosã, gwosc@his.de
Brenda Little, b.little@open.ac.uk
Hanna-Stella Haaristo, hannastella.haaristo@praxis.ee
Pressekontakt:
Theo Hafner, hafner@his.de
Tanja Barthelmes, barthelmes@his.de

Theo Hafner | idw
Weitere Informationen:
http://www.his.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie