Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CHE-QUEST: Studienrelevante Diversität erkennen und nutzen

22.09.2011
CHE Consult hat ein für Deutschland neuartiges Befragungsinstrument entwickelt: CHE-QUEST.

Mit Parametern aus der Sozialforschung und der Psychologie wird die unterschiedliche Anpassung von Studierenden an die Bedingungen des Studiums abgebildet. Nach einer ersten Befragungsrunde konnten acht typische Muster identifiziert und beschrieben werden. Hochschulen können auf dieser Basis Maßnahmen entwickeln, die im Idealfall für alle Studierenden die Wahrscheinlichkeit erhöhen, das Studium erfolgreich abzuschließen.

"In den USA ist "student engagement" seit langem eine wichtige Kennziffer für ein gutes Studienangebot", sagt Projektleiterin Hannah Leichsenring.

In Deutschland gibt es positive Ansätze für einen chancenorientierten Umgang mit Diversität. Jedoch herrscht unter den Lehrenden noch eine hohe Normalitätserwartung vor. Dies zeigt eine Befragung von Studierenden und Professor(inn)en, die CHE Consult durchgeführt hat.

"In der Konsequenz werden Abweichungen vom Ideal als Makel oder gar als "Studierunfähigkeit" missverstanden", kritisiert Hannah Leichsenring. Die erste Befragungsrunde mit dem neuen Instrument CHE-QUEST, an der fast 8.800 Studierende teilgenommen haben, zeigt dagegen, dass nur circa 13 Prozent der Studierenden dem Bild der "Wunschkandidat(inn)en" entsprechen. "Wer die Chancen ignoriert, die in unterschiedlichen Begabungen stecken, verschwendet wichtige Potenziale", betont Leichsenring.

CHE-QUEST arbeitet erstmalig mit einer Kombination aus soziometrischen und psychometrischen Daten. Die psychometrischen Items wurden in der Auswertung zu zehn für den Studienerfolg relevante Faktoren, wie zum Beispiel Erwartungen, Identifikation mit der Hochschule, Zielstrebigkeit, Gemütsverfassung, Theorieaffinität und anderen mehr, zusammengefasst. Mit Hilfe einer Clusteranalyse wurden in den Daten Studententypen identifiziert, die jeweils verschiedene Adaptationsmuster an die Hochschule repräsentieren. Das Spektrum reicht von den "Wunschkandidat(inn)en", über die "Lonesome Rider", die "Pragmatiker(innen)", die "Ernüchterten" und die "Pflichtbewussten" bis zu den "Nicht-Angekommenen", den "Mitschwimmer(innen)" und den "Unterstützungsbedürftigen".

Aus den Daten ergibt sich zum Beispiel, dass Migrant(inn)en sich nicht deutlich schwerer tun mit der Adaption an die Studiensituation im deutschen Bildungssystem. Bis zur Hochschule kommen sozusagen nur "Survivor", also diejenigen Migrant(inn)en, die sich ab dem Kindergarten bis zum Abitur im Schulsystem bereits erfolgreich behaupten konnten. Diese Situation wird sich erst ändern, wenn die hohe Selektivität bis zum Übergang ins tertiäre Bildungssystem erfolgreich bekämpft worden ist. Die Migrant(innn)en, die derzeit studieren, weisen verglichen mit dem Durchschnitt der Studierenden nur geringfügig andere Misserfolgsrisiken beziehungsweise Anpassungsprobleme an die Hochschule auf.

"Betrachtet man die Ergebnisse von CHE-QUEST, sieht man, dass beim Thema Diversität an der Hochschule andere Muster relevant sind, als die gängigen Vorstellungen von Benachteiligung implizieren. Das heißt, dass auch über andere Maßnahmen nachgedacht werden muss, wenn man bessere Studienbedingungen erreichen will", sagt Leichsenring. So zeigt sich zum Beispiel umgekehrt, dass alle Formen von Engagement, ob sozial, politisch oder auch sportlich, ob in der Hochschule oder außerhalb positiv mit einer guten Adaption korrelieren.

CHE Consult arbeitet in zwei großen Projekten, "Ungleich besser! Verschiedenheit als Chance" und "Vielfalt als Chance" am Thema Diversity Management an Hochschulen. Dabei werden zum einen in einem gemeinsamen Programm mit dem Stiftverband für die Deutsche Wissenschaft in einem Benchmarketingverfahren Qualitätsstandards entwickelt. Aus den Standards soll ein Auditierungsverfahren erarbeitet werden. In dem Projekt "Vielfalt als Chance" geht es neben den übergreifenden Fragen des Diversity Managements (strategische Verankerung, Change Management etc.) besonders um die Schaffung einer empirischen Fundierung. Auch hier sind acht Partnerhochschulen eingebunden, die ebenfalls bestimmte Schwerpunkte verfolgen. Den Kern des Projektes macht aber die Entwicklung eines in Deutschland bisher einmaligen Erhebungsinstruments aus, mit dem die studienrelevante Diversität sichtbar gemacht werden kann.

Lars Hüning | idw
Weitere Informationen:
http://www.che-consult.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Bei Celisca entsteht das Labor der Zukunft
19.12.2016 | Universität Rostock

nachricht Bildung 4.0: Die Welt des digitalen Lernens: Smartphones und Virtual Reality im Unterricht
14.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise