Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bundesweite Evaluation zeigt: Sozialer Brennpunkt bedeutet nicht automatisch schlechte Schule

21.05.2014

• Evaluation gibt Aufschluss darüber, wie erfolgreiche Schulen arbeiten
• Qualitätsentwicklung ist Schlüssel für Lern- und Lebensort Schule

 „Wer in einem schwierigen Viertel wohnt, besucht auch eine schlechte Schule“ – dieses Vorurteil kann durch die Ergebnisse einer Evaluation, die in großem Umfang die Schulentwicklungskonzepte von Schulen aus ganz Deutschland ausgewertet hat, entkräftet werden. Ein zentrales Ergebnis: Schulen sind gerade unter schwierigen Bedingungen erfolgreich.

Woran lässt sich der Erfolg einer Schule messen? Letztlich kann nur die Befähigung ihrer Schülerinnen und Schüler für ein selbstbestimmtes Leben ausschlaggebend sein. Als Kriterien für eine erfolgreiche Schule nennen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Professor Isabell van Ackeren an den Universitäten Duisburg-Essen und Mainz folgende:

Sie bereitet ihre Schülerinnen und Schüler angemessen auf das Leben vor, baut ihre persönlichen, sozialen und fachlichen Kompetenzen aus und bietet ihnen nicht nur Abschluss-, sondern auch Anschlussmöglichkeiten. Diese Aspekte sind auch beim Wettbewerb „Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“ der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung entscheidend.

Aus rund 700 Wettbewerbsteilnehmern rekrutieren sich die Schulen, die die Datengrundlage für die Erhebung bilden. Gerade die im Wettbewerb erfolgreichen Schulen senden ein deutliches Signal: Schwierige Rahmenbedingungen sind kein Qualitätsmakel: Knapp 40 % der im Wettbewerb für ihre hervorragenden Konzepte ausgezeichneten Schulen ordnen sich „voll und ganz“ einem sozialen Brennpunkt zu. Etwa ein Drittel der Siegerschulen liegt in einer Stadt oder einem Kreis, in dem die Arbeitslosenquote der 15- bis 25-Jährigen bei über 10 % liegt.

Macht Not erfinderisch und erfolgreich?

Schulen, die unter schwierigen Bedingungen agieren, müssen diese durch ein besonders engagiertes Kollegium wettmachen – und tun dies vielfach auch gekonnt. Die Basis hierfür bilden strukturierte Konzepte zur Qualitätsentwicklung. Dazu zählen interne und externe Evaluationsverfahren genauso wie Fortbildungen, Feedbackstrukturen und Steuergruppen zur Koordination der Qualitätsentwicklungsmaßnahmen.

Dr. Antje Becker, Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung: „Die Evaluation zeigt deutlich: Erfolgreiche Schulen machen mehr als nur Unterricht. Sie verstehen sich vielmehr als Lern- und Lebensorte, die sich ihren jeweiligen Rahmenbedingungen kreativ anpassen. Auffällig ist, dass sie bewusst auf innovative Konzepte zur Weiterentwicklung von Schule und Unterricht setzen – etwa durch gegenseitige Hospitationen und Teamteaching.“

Konkrete Maßnahmen am Lern- und Lebensort Schule

Die im Wettbewerb erfolgreichen Schulen setzen mehrheitlich auf ein Bündel verschiedener Maßnahmen. Fast alle untersuchten Schulen fördern ihre Schülerinnen und Schüler individuell: Zwei Drittel der Schulen berichten beispielsweise, im Unterricht verstärkt individualisierte Lernformen und Binnendifferenzierung einzusetzen. So können sie der Herausforderung „Inklusion“ und der Heterogenität ihrer Schülerinnen und Schüler gerecht werden. Hinzu kommen Maßnahmen zur Netzwerkbildung.

Diese umfassen nicht nur ein ausdifferenziertes und verlässliches Netzwerk unterschiedlicher regionaler Partner, wie Unternehmen, Jugend-, Sozial- und Gesundheitsämter sowie Berufsschulen und Hochschulen, sondern auch die verstärkte Einbindung der Eltern. Gerade die im Wettbewerb erfolgreichen Schulen betreiben überdurchschnittlich häufig Angebote zur Elternbildung. Zudem ist die Kooperation mit außerschulischen Partnern ein wesentlicher Teil der gelingenden Berufsorientierung, die gute Schulen ebenfalls charakterisiert. Die Schulen gestalten den Übergang von der Schule ins Erwerbsleben als mehrjährigen, kontinuierlichen, fächerübergreifenden und stufenförmigen Prozess.

Jürgen Walther, Schulleiter an der Mittelschule an der Wiesentfelser Straße, München, die 2013 den 1. Platz bei „Starke Schule“ errang, erläutert: „Unser Ziel ist: Für alle Schüler und Schülerinnen einen Abschluss! Die Hälfte unserer Schüler haben zunächst schlechte Deutschkenntnisse und viele beherrschen eingangs die Grundrechenarten nur rudimentär. Wir setzen auf ein ausgefeiltes Unterrichtskonzept, die aktive Einbindung aller in das Schulleben sowie intensive Elternarbeit und ein dichtes Netzwerk von externen Partnern. Und der Erfolg gibt uns Recht: 100 % der Schüler machen ihren Hauptschulabschluss, 52,5 % von ihnen nehmen eine Lehre auf und 22,5 % gehen zu einer weiterführenden Schule.“

Als eine der größten weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebundenen Stiftungen in Deutschland verfügt die Hertie-Stiftung über ein Anlagevolumen von mehr als 959 Millionen Euro (per 31.12.2013), dessen Erträge dem Allgemeinwohl gewidmet sind. Dem Willen ihres Stifters Georg Karg folgend, orientiert sich die Hertie-Stiftung an den Lebenssituationen der Menschen und den Herausforderungen der zukünftigen Gesellschaft in den Arbeitsgebieten Vorschule und Schule, Hochschule, Neurowissenschaften und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

„Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“ wurde 1999, damals unter dem Namen „Hauptschulpreis“, von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Leben gerufen. Im Rahmen des mittlerweile größten Schulwettbewerbs Deutschlands werden alle zwei Jahre allgemein bildende Schulen ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise für ihre Schüler einsetzen und diese ausbildungsreif machen. Die Siegerschulen, die unter Berücksichtigung von empirisch fundierten Merkmalen „guter“ Schulen bestimmt werden, profitieren durch ein länderübergreifendes Netzwerk mit umfangreichen Fortbildungsangeboten.

Für „Starke Schule“ sind die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und die Deutsche Bank Stiftung aktiv und engagieren sich gemeinsam mit den Kultusministerien. Das Programm wird seit 2008 von den Universitäten Duisburg-Essen (Arbeitsgruppe Bildungsforschung) und Mainz (Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung) wissenschaftlich begleitet.

Pressekontakt:
Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Kommunikation
Carmen Jacobi
Tel.: 069/660 756-155
JacobiC@ghst.de

Weitere Informationen:

http://www.ghst.de

Carmen Jacobi | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitale Bildung im Unterricht: Was Lehrer und Schüler von der Schul-Cloud erwarten
11.12.2017 | Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI)

nachricht Neues Computerprogramm hilft bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
13.11.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik