Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF fördert deutsch-indisches Pilotprojekt in der Pflanzen-Biotechnologie

15.02.2011
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das erste deutsch-indische Verbundprojekt nach dem "2+2-Prinzip" mit rund 1,2 Millionen Euro. Deutscher Partner aus der Wissenschaft ist der Biotechnologe Prof. Dr. Bruno Moerschbacher von der Universität Münster. Die beteiligten Einrichtungen wollen umweltverträgliche und preisgünstige Pflanzenschutzmittel entwickeln.

Es ist eine Premiere mit münsterscher Beteiligung: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert in den kommenden vier Jahren das erste deutsch-indische Verbundprojekt nach dem "2+2-Prinzip". Danach arbeitet ein deutsches Team aus einem universitären und einem industriellen Partner mit einem entsprechenden Team aus einem anderen Land zusammen.

Deutscher Partner aus der Wissenschaft bei dem neuen Pilotprojekt ist Prof. Dr. Bruno Moerschbacher vom Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen an der Universität Münster. Das BMBF stellt den deutschen Partnern insgesamt rund 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Gemeinsam wollen die beteiligten Einrichtungen umweltverträgliche Pflanzenschutzmittel entwickeln, die auch für ressourcenschwache Farmer in ländlichen Regionen Indiens, aber zum Beispiel auch in Afrika und Südamerika zugänglich und erschwinglich sind.

Die Idee entstand im Jahr 2007 im südindischen Kerala. Bruno Moerschbacher, Initiator und Koordinator des Projekts, besuchte dort eine Reihe von Gewürz-, Gummi-, Tee- und Kaffee-Plantagen. "Immer wieder zeigte ein indischer Forscherkollege mir Pflanzen, die durch sogenannte Eipilze krank geworden waren. Den meist armen Landwirten dort stehen nur kupferbasierte Präparate zur Behandlung der Pflanzen zur Verfügung. Diese sind jedoch nur bedingt wirksam", erklärt er. "Biologische Bekämpfungsmaßnahmen, an deren Entwicklung die indischen Forscher arbeiteten, erwiesen sich als zu wenig zuverlässig, und auch eine Kombination der biologischen Präparate mit den Kupferfungiziden scheiterte, da das Kupfer die biologischen Präparate – bestimmte mikroskopische Bodenpilze – schädigt."

Eine Verknüpfung der indischen Ansätze mit Bruno Moerschbachers eigener Forschung soll nun die Lösung bringen. Der münstersche Biotechnologe arbeitet seit Jahren an der Entwicklung von Pflanzenschutzpräparaten auf der Basis von Chitosan, einem Polysaccharid, das aus dem Chitin von Krabbenschalen gewonnen werden kann. Die Projektpartner wollen eine Kombination aus allen drei wirksamen Komponenten – Kupfer, Chitosan und biologische Bekämpfungsmaßnahmen ("Biocontrol Agents", BCA) – entwickeln. Nach den Abkürzungen dieser drei Komponenten ist das Projekt benannt: "CuChi-BCA".

"Da Eipilze – fachsprachlich Oomyceten genannt – auch in Europa als besonders schwer zu bekämpfende Krankheitserreger beispielsweise im Wein- und Kartoffelbau im Mittelpunkt stehen, sind sie ein naheliegendes Thema für ein deutsch-indisches Forschungsprojekt", betont Dr. Nour Eddine El Gueddari aus der münsterschen Arbeitsgruppe. Während für die extensivere indische und subtropische Landwirtschaft gerade die Kombination mit den kostengünstigen BCA interessant ist, steht für die intensive deutsche und europäische Landwirtschaft die Kombination von Kupfer und Chitosan im Vordergrund. Die Forscher wollen "intelligente" Chitosan-Nanopartikel entwickeln, die Kupfer nach Bedarf freisetzen und einer langfristigen Kontamination landwirtschaftlicher Flächen durch Kupfer vorbeugen.

Deutscher Partner des Projekts ist neben der Arbeitsgruppe von Bruno Moerschbacher die Firma Spiess-Urania, die zu den weltweit führenden Entwicklern und Herstellern moderner kupferbasierter Fungizide zählt. Auf der indischen Seite ist als universitärer Partner die Arbeitsgruppe von Prof. Jatinder Kumar an der University for Agricultural Technology im nordindischen Pant Nagar beteiligt. Als kommerzielle Partner sind der Chitosanproduzent Mahtani Chitosan und der BCA-Produzent SriBiotech an Bord. Das indische Pendant des BMBF – das Department of Biotechnology der indischen Regierung – unterstützt die indischen Partner mit 20 Millionen Rupien, was knapp 324.000 Euro entspricht.

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de
http://www.uni-muenster.de/Biologie.IBBP/agmoerschbacher/stellen/2plus2.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik