Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bildungsforscher der UAMR begleiten NRW-Schulversuch

24.11.2011
Die Einführung des sog. Turbo-Abi in NRW im Jahre 2005 wurde von Schülern, Eltern und Lehrern zum Teil heftig kritisiert.

Doch noch bevor 2013 die ersten Schüler nach 12 – statt zuvor 13 – Jahren ihr Abitur machen, gibt es in NRW einen neuen Schulversuch: Gymnasien können freiwillig zum neunjährigen bzw. zu einem parallel geführten acht- und neunjährigen gymnasialen Bildungsgang zurückkehren. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von einem Forschungsverbund der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR).

G 8 weiter in der Kritik

In Deutschland sind zwölf Jahre bis zum Abitur wieder zur Regel geworden. An die gemeinsam vierjährige Grundschulzeit schließen sich nur noch acht statt neun Jahre am Gymnasium an (kurz: G8). Zentrale Argumente für G8 waren eine im internationalen Vergleich lange Dauer der Schulzeit sowie ein früherer Eintritt in Ausbildung und Beruf. Die Kritik von Lehrern und Eltern am „Turbo-Abi“ ist jedoch auch einige Jahre nach der Umstellung groß.

Viele sehen in der zeitlichen und stofflichen Verdichtung eine Überbürdung von Schülerinnen und Schülern. Unter den spezifischen Bedingungen von G8 werde die Lebenszeit von Jugendlichen zu stark verplant, und das in einer Phase, in der sie Zeit zur Orientierung und Selbsterprobung auch in außerschulischen Lebensbereichen benötigen.

13 Schulen machen mit bei „G9-neu“

Die NRW-Landesregierung hat reagiert und den Gymnasien die Möglichkeit eröffnet, sich zum Schuljahr 2010/2011 an einem Schulversuch zur Wiedereinführung eines neunjährigen bzw. eines parallel geführten acht- und neunjährigen gymnasialen Bildungsgangs zu beteiligen. 13 Schulen haben die Zusage zur Teilnahme an „G9-neu“ erhalten, davon drei Gymnasien mit einem parallelen Angebot beider Bildungsgänge.

Die Entwicklungsprozesse an diesen Gymnasien untersucht nun eine Forschergruppe der Universitäten Bochum (RUB) und Duisburg-Essen (UDE) unter Leitung der Bildungsforscherinnen Prof. Gabriele Bellenberg (RUB), Prof. Isabell van Ackeren (UDE) und Jun.-Prof. Grit im Brahm (RUB). „Die Beteiligung am Schulversuch bedeutet für die Gymnasien kein einfaches Zurück zum G9-Bildungsgang“, erläutert van Ackeren. „Von ihnen werden innovative Konzepte zur Flexibilisierung der Schulorganisation, zur Passung zwischen fachlichen Anforderungen und verfügbarer Lernzeit sowie zur Verbesserung individualisierter Förderung erwartet.“ Inwieweit der Versuch einen Innovationsschub mit sich bringt, ist eine der zentralen Fragen des Forschungsteams.

Großes Interesse an Schulreform

Die Anmeldezahlen für das neue Bildungsangebot sprechen schon jetzt für eine hohe Akzeptanz bzw. die große Erwartung der Eltern. „Auch die sehr hohe Beteiligung von etwa 80% bei den ersten Befragungen, die wir in der Gruppe der Eltern durchgeführt haben, zeugen vom außerordentlich großen Interesse an der Schulreform und an der wissenschaftlichen Begleitung“, berichtet im Brahm.

Erfasst werden auch die Motive und Erwartungen der Schulträger, der Lehrkräfte und Schüler, die konkreten Umstellungsverläufe und -bedingungen des Schulversuchs und nicht zuletzt die Bewertung des neunjährigen Bildungsgangs durch alle am Schulleben Beteiligten im Vergleich zum achtjährigen Bildungsgang. „Von besonderem Interesse wird auch sein, wie sich die Schulen in der jeweiligen Bildungsregion tatsächlich profilieren können und wie sich dies z.B. in den Anmeldezahlen niederschlägt“, so Bellenberg. Die vom NRW-Schulministerium beauftragte wissenschaftliche Begleitung ist zunächst auf zwei Jahre angelegt; erste Ergebnisse werden in einem Jahr erwartet.

Weitere Informationen
Dr. Svenja Kühn, Fakultät für Bildungswissenschaften, Universität Duisburg-Essen, 0201-1832607, svenja.kuehn@uni-due.de

Dr. Christian Reintjes, Lehrstuhl für Schulforschung & Schulpädagogik, Ruhr-Universität, 0234-3224766, christian.reintjes@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Weiterbildung – für die Arbeitswelt von morgen unerlässlich!
15.02.2018 | Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

nachricht Roboter als Förderer frühkindlicher Bildung – Neues Forschungsprojekt an der Uni Paderborn
07.02.2018 | Universität Paderborn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics