Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltspitze in Systembiologie ist das Ziel

05.12.2007
Schweiz startet bislang grössten Forschungs-Effort, um die Sprache des Lebens zu lernen

Die Schweiz will in der Systembiologie Weltklasse-Niveau erreichen und wird in den nächsten vier Jahren rund 400 Millionen Franken in die zukunftsträchtige Disziplin investieren. Im Zentrum steht die Forschungs-Initiative SystemsX.ch, an der bisher acht Universitäten, drei weitere Forschungs-Institutionen und die Industrie beteiligt sind. Eine solche Investition in eine Forschungsrichtung ist in der Schweiz beispiellos.

Die Systembiologie gilt als der nächste grosse Schritt in der biologischen Forschung nach der Entzifferung des menschlichen Erbguts und zahlreicher weiterer Genome von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Systembiologie verspricht, dass Forscher die Sprache des Lebens nicht nur buchstabieren können wie heute, sondern lernen, sie zu lesen und zu verstehen. Die Pharma- und Biotech-Industrie hofft, dank der Systembiologie neue Wege zu neuen Medikamenten zu finden (siehe auch "Was ist Systembiologie?").

Systembiologie ist teuer, erfordert sie doch aufwendige Technologieplattformen, die sich eine einzelne Schweizer Universität oder ein einzelnes Forschungs-Institut unmöglich leisten kann. Zudem verlangt sie nach einer intensiven Zusammenarbeit der unterschiedlichsten Disziplinen wie Biologie, Physik, Chemie, Mathematik, Informatik und Ingenieurwissenschaften.

... mehr zu:
»CHF »ETH »Systembiologie

Deshalb bündeln Schweizer Hochschulen und weitere Forschungsinstitutionen ihr Wissen und ihre Ressourcen; sie schlossen sich im Forschungsverbund "SystemsX.ch" zusammen. Beteiligt sind neben der ETH Zürich und der ETH Lausanne die Universitäten Basel, Zürich, Lausanne, Genf, Bern, und Fribourg. Weiter gehören das Paul Scherrer Institut in Villigen, das Friedrich Miescher Institut in Basel sowie das Schweizerische Institut für Bioinformatik zum Forschungsverbund. "Eine solche Kooperation ist beispiellos und hat in mancher Beziehung Vorbildcharakter für die Neugestaltung der Hochschullandschaft Schweiz in den kommenden Jahren", sagte Charles Kleiber, Staatssekretär für Bildung und Forschung an einer Pressekonferenz in Bern.

Finanzierung durch Bund, Hochschulen und Industrie

Das Parlament hat an der vergangenen Herbstsession für die Jahre 2008 bis 2011 (vorbehaltlich der jährlichen Budgetentscheide) 200 Millionen Franken für die Förderung der Systembiologe zur Verfügung gestellt. Davon werden 100 Millionen Franken in systembiologische Forschungsaktivitäten an Universitäten und Forschungsinstitutionen investiert, die an SystemsX.ch beteiligt sind. Bundesmittel für ein bestimmtes Projekt gibt es allerdings nur, wenn die beteiligten Universitäten eine gleich grosse Summe (ebenfalls insgesamt 100 Millionen Franken) einbringen. Weitere 100 Millionen Franken Bundesmittel fliessen in den Aufbau des Departements für Biosystemeforschung (Department of Biosystems Science and Engineering) der ETH Zürich in Basel.

Geht man davon aus, dass die Universitäten und Hochschulen im Einwerben von weiteren Forschungsgeldern (zum Beispiel beim Schweizerischen Nationalfonds oder beim Europäischen Forschungsrahmenprogramm) und im Eingehen von Kooperation mit der Industrie ähnlich erfolgreich sind wie in den Jahren 2004 bis 2007, dann dürften in den nächsten vier Jahren (2008-2011) etwa 400 Mio. CHF in die Systembiologie fliessen. Eine solche Investition in eine Forschungsrichtung ist in der Schweiz beispiellos. Gleichzeitig stellt SystemsX.ch die grösste thematisch definierte Förderinitiative der letzten Jahre dar.

Der Effort lässt sich auch im internationalen Vergleich sehen. So hat Grossbritannien seit 2004 etwa 88 Mio. £ (214 Mio. CHF) in die Systembiologie investiert. In Deutschland steckt der Bund von 2008-2011 etwa 37 Mio. € (ca. 62 Mio. CHF) jährlich in die Systembiologie. Pro Kopf der Bevölkerung will die Schweiz im internationalen Vergleich aber weitaus am meisten für Systembiologie ausgeben (inkl. Drittmittel).

Gesuche bis Ende Jahr einreichen

Gesuche müssen bis Ende Jahr eingereicht werden. Bisher sind 18 Absichtserklärungen für Forschungsprojekte eingegangen. Die bereits laufenden Projekte in Zürich, Basel und Lausanne müssen sich übrigens von neuem bewerben. "Die Gesamtkosten der einzelnen Projekte sollen zwischen einer und fünf Millionen Franken pro Jahr liegen.", sagte Ralph Eichler, Präsident des Aufsichtsrats von SystemsX.ch und Präsident der ETH Zürich. Neben diesen grossen "Forschungs-, Technologie- und Entwicklungsprojekten" (RTD-Projekte) werden in den nächsten vier Jahren von SystemsX.ch etwa 40 interdisziplinär ausgerichtete Doktorarbeiten und 40 Interdisziplinäre Pilotprojekte (IPP) unterstützt, in denen Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen gemeinsam ein riskantes, aber hoch spannendes einjähriges Forschungsprojekt angehen.

Die Oberaufsicht über die wissenschaftliche Qualität von SystemsX.ch übernimmt der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF). Er wird die wissenschaftliche Qualität der RTD-Projekte und Doktorarbeiten prüfen und den Fortgang der Forschungen evaluieren. Der SNF hat dafür ein international hochkarätig besetztes Expertengremium eingesetzt, das durch sechs Mitglieder des Forschungsrats des Nationalfonds verstärkt ist. Auch hier also eine wichtige Neuerung. Erstmals ist der SNF für die Qualitätskontrolle einer grossen Forschungsinitiative verantwortlich, die er nicht selbst finanziert.

Die strategischen und operativen Geschäfte, inklusive die Verwaltung der gemäss den SNF-Zusprachen zugeteilten Fördermittel, verbleibt bei SystemsX.ch. Operativ geführt wird SystemsX.ch von einem wissenschaftlichen Führungssausschuss (Scientific Executive Board unter Vorsitz von Prof. Ruedi Aebersold von der ETH Zürich). Strategisches Organ ist der Aufsichtsrat (Board of Directors), in dem alle Präsidenten, Rektoren und Direktoren der beteiligten Institutionen sowie als Gäste zwei Vertreter der Pharmaindustrie vertreten sind.

Weitere Informationen:
Thomas Müller
Verantwortlicher für Kommunikation SystemsX.ch
Mobil: +41 (0)79 614 06 77
Email: thomas.mueller@systemsx.ch

| idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Berichte zu: CHF ETH Systembiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise