Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Richtfest für DESYs neue Lichtquelle PETRA III

26.11.2007
Heute feiert DESY das Richtfest für die Experimentierhalle von PETRA III - der neuen Quelle für besonders brillantes Röntgenlicht in Hamburg. Zur Fertigstellung des Hallenrohbaus besuchen Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan und Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust das Helmholtz-Forschungszentrum.

2009 wird DESYs neue Lichtquelle PETRA III fertig sein.

"PETRA III ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem Zentrum von Weltrang für die breite interdisziplinäre Forschung mit Photonen in Norddeutschland", erklärt Forschungsministerin Schavan. "Schon in zwei Jahren sollen hier in Hamburg Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt forschen können, um Innovationen auf den Weg zu bringen, die uns das Leben erleichtern."

"PETRA III wird sehr brillante, kurzwellige Röntgenstrahlen erzeugen und dabei im weltweiten Vergleich eine Spitzenposition einnehmen", erläutert der Vorsitzende des DESY-Direktoriums Prof. Albrecht Wagner, "PETRA III bietet damit exzellente Experimentiermöglichkeiten für verschiedenste Anwendungen - von der Medizin bis zur Materialforschung. Bei DESY entsteht zurzeit eine einzigartige Kombination von Lichtquellen, die zahlreiche Wissenschaftler aus dem In- und Ausland nach Hamburg zieht."

Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger ergänzt: "PETRA III ist ein weiterer wichtiger Pfeiler der Spitzenforschung in Hamburg. Zusammen mit dem Freie-Elektronen-Laser FLASH und dem europäischen Röntgenlaser XFEL entsteht bei DESY ein weltweit einmaliges Strukturforschungszentrum."

Ein entscheidender Vorteil, den PETRA III den Forschern bietet, ist ein haarfeiner Röntgenlichtstrahl. Mit seiner Hilfe lassen sich auch sehr kleine Materialproben untersuchen und die Anordnung ihrer Atome extrem genau bestimmen. So können Molekularbiologen beispielsweise die räumliche atomare Struktur von winzigen Proteinkristallen aufklären, um Ansatzpunkte für neue Medikamente zu finden. Materialforscher brauchen die extrem energiereiche Strahlung, um Schweißnähte zu prüfen oder Ermüdungserscheinungen von Werkstücken zu untersuchen. Vor allem Struktur- und Dynamikuntersuchungen an Nanoteilchen oder Messungen mit einer Ortsauflösung im Bereich einiger 10 Nanometer werden von den extrem fokussierbaren Röntgenstrahlen profitieren.

Für die neue Lichtquelle baut DESY den bestehenden, 2,3 Kilometer langen Ringbeschleuniger PETRA komplett um. Die neue Experimentierhalle wird fast 300 Meter lang sein und in ihrer geschwungenen Form dem Kreisbogen des Beschleunigerrings folgen. Auf etwa 10 000 Quadratmetern entstehen hier 14 Messplätze, an denen bis zu 30 Experimente aufgebaut werden können.

"Das PETRA III-Projekt entwickelt sich sehr dynamisch", freut sich Projektleiter Prof. Edgar Weckert. "Parallel zum Bau der Experimentierhalle haben wir begonnen, den 2,3 Kilometer langen PETRA-Speicherring mit komplett erneuerten Komponenten auszustatten. Außerdem haben wir bereits die wissenschaftlichen Programme aller Experimente festgelegt und bereiten sie mit Hochdruck vor."

Auch bautechnisch ist die Erforschung der Nanowelt mit PETRA III eine Herausforderung. Der Boden der Experimentierhalle wird in Form einer einzigen, einen Meter dicken Betonplatte gegossen, die den Beschleuniger und die Experimente trägt. Diese Platte ist schwingungstechnisch vom Rest des Gebäudes entkoppelt. Um auch den Einfluss zu minimieren, den das Gebäude durch den Untergrund hindurch auf den Hallenboden ausüben könnte, ist es auf Fundamenten aus Hülsenpfählen errichtet, die 20 Meter tief im Erdboden verankert sind. Diese tief in die Erde betonierten Säulen sind von einer Gleitschicht umgeben, so dass sie keinen direkten Kontakt zum Erdreich im oberen Bereich haben. Damit lassen sich die Kräfte auf den Pfahl sehr tief ins Erdreich einbringen, so dass weniger Verformungen an der Oberfläche stattfinden.

Der weltweit feinste Röntgenlichtstrahl, den PETRA III bietet, wird mit Hilfe von speziellen Undulatoren erzeugt, Magnetanordnungen, die eine besonders hohe Brillanz bzw. Leuchtstärke produzieren. Um an den Messplätzen die optimale Strahlung für die verschiedensten Anwendungen bereitzustellen, fand schon die Planung des PETRA III-Projekts unter starker Beteiligung der zukünftigen Nutzer aus Universitäten und Forschungseinrichtungen statt.

Der Bau der neuen Röntgenquelle kostet insgesamt 225 Mio. Euro. Er wird hauptsächlich durch Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Freien und Hansestadt Hamburg und der Helmholtz-Gemeinschaft finanziert. Außerdem werden ca. 25 Mio. Euro für Experimentiereinrichtungen von Partnerinstitutionen wie dem EMBL (Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie), dem Forschungszentrum GKSS (Geesthacht), der Max-Planck-Gesellschaft und den Universitäten Hamburg und Lübeck beigetragen.

Dr. Thomas Zoufal | idw
Weitere Informationen:
http://www.desy.de
http://petra3.desy.de/

Weitere Berichte zu: Lichtquelle PETRA Röntgenstrahlen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Bei Celisca entsteht das Labor der Zukunft
19.12.2016 | Universität Rostock

nachricht Bildung 4.0: Die Welt des digitalen Lernens: Smartphones und Virtual Reality im Unterricht
14.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise