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Neuer Schub in der Bildungsforschung

14.11.2007
Schavan und Zöllner stellen Rahmenprogramm zur Empirischen Bildungsforschung des Bundes und Forschungsinteressen der Länder vor

Um die Qualität der Bildung in Deutschland zu verbessern, wird die Bildungsforschung immer wichtiger. Wissenschaftler beschäftigen sich dabei mit zahlreichen Fragen zum Thema Schule, wie sich zum Beispiel Unterrichtsmethoden verbessern lassen oder Kinder aus sozial schwachen Familien besser gefördert werden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat deshalb gemeinsam mit renommierten Wissenschafterinnen und Wissenschaftlern erstmals ein Rahmenprogramm zur Stärkung der empirischen Bildungsforschung entwickelt. Die Länder haben ihrerseits Forschungsinteressen zur weiteren Qualitätsentwicklung in Schulen, Hochschulen, der beruflichen Bildung und Weiterbildung beschrieben.

"Eine wissensbasierte Gesellschaft braucht eine wissensbasierte Bildungspolitik", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan am Dienstag in Berlin, als sie das neue Rahmenprogramm gemeinsam mit dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Prof. E. Jürgen Zöllner vorstellte. "Dieses Programm soll auch die Grundlagen für Maßnahmen schaffen, um die Position von Schülerinnen und Schülern aus Deutschland in internationalen Vergleichsstudien zu verbessern", sagte Schavan. Außerdem würden die Studien einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, den in Deutschland engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufzulösen.

"Jeder junge Mensch muss seine Chance erhalten, unabhängig von Bildungsabschluss und Einkommen der Eltern", betonte die Ministerin. Das BMBF finanziert das Rahmenprogramm zu 100 Prozent und plant, in den nächsten fünf Jahren insgesamt 120 Millionen Euro bereit zu stellen. Damit steigert das Ministerium seine Investitionen in Bildungsforschung um mehr als das Doppelte.

Bildungspanel - modernstes Instrument der Bildungsforschung

Zu den Schwerpunkten des Rahmenprogramms gehört der Aufbau eines deutschlandweiten Bildungspanels. Das Bundesbildungsministerium unterstützt derzeit in Abstimmung mit den Ländern und der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Vorbereitungen für die Einrichtung eines solchen von der Wissenschaft getragenen Bildungspanels für Deutschland. Dieser neue Ansatz ist in seiner Art das weltweit modernste Instrument zur Erfassung und Bewertung von Bildungsbiographien. Forscherinnen und Forscher machen dabei nicht nur wie bisher Momentaufnahmen von der Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen.

Vielmehr geht es darum, gesamte Bildungsverläufe abzubilden - ähnlich wie in einem Film. "Mit diesen Längsschnitterhebungen bekommen wir ein zuverlässiges Bild über ganze Werdegänge. Auf dieser Grundlage können Verbesserungskonzepte viel passgenauer entwickelt werden", sagte Schavan. Das Bildungspanel wird nach den Worten der Ministerin auch einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Deutschlands Bildungssystem im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger zu machen.

"Bund und Länder haben das Rahmenprogramm nicht nur gemeinsam abgestimmt", sagte Schavan. "Wir werden auch bei der Umsetzung eng zusammenarbeiten." Wie KMK-Präsident Zöllner betonte, sollen die Ergebnisse der künftigen Bildungsforschung aus Sicht der Länder ganz konkret dazu beitragen, zentrale Herausforderungen des Bildungssystems zu meistern. Die Länder beschreiben in einem von Zöllner präsentierten Papier den aus ihrer Sicht vordringlichen Forschungsbedarf, der die Belange von Schulen, Hochschulen, der beruflichen Bildung sowie der Weiterbildung umfasst. "Damit wollen wir entsprechende Forschungsanstrengungen innerhalb der neuen Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern absprechen und anregen", sagte Zöllner. "Wir haben jetzt eine gute Grundlage für die künftige empirische Bildungsforschung. Unser gemeinsames Ziel ist es, Anreize für fundierte wissenschaftliche Ergebnisse zu setzen, um unser Bildungssystem besser und gerechter zu gestalten. Es geht darum, abgesichertes und anwendbares Steuerungswissen für die Praxis und die Bildungspolitik zu gewinnen, um die Qualität von Bildung zu erhöhen und gleichzeitig Bildungsgerechtigkeit abzusichern," betonte der Präsident der Kultusministerkonferenz.

Durch Nachwuchsförderung Exzellenz in der Bildungsforschung stärken

Das Rahmenprogramm zur Stärkung der empirischen Bildungsforschung besteht zum einen aus inhaltlich vorgegebenen Schwerpunkten - zum anderen aus Initiativen, die die Forschungslandschaft im Bereich der Bildung durch konsequente Unterstützung strukturell stärken. Dazu zählt, bei der künftigen Förderpolitik noch stärker als bisher auf den Wettbewerb zu setzen und somit die Exzellenz in der Forschung zu stärken. Außerdem sollen besonders Nachwuchsforscher profitieren - zum Beispiel durch Anschlussprojekte oder mit maßgeschneiderten Stipendienprogrammen.

Bei den inhaltlich eingegrenzten Fördervorhaben wird das Ministerium seine Förderung noch stärker als bisher bündeln. "Wir wollen weg von einer teilweise unübersichtlichen Vielzahl von Projekten hin zur Ausschreibung von thematisch klar definierten großen Forschungsschwerpunkten", sagte Schavan. Nach den Worten der Ministerin führt nur langfristige Planungssicherheit für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch solche Schwerpunktsetzung dazu, dass sich international wettbewerbsfähige und interdisziplinär vernetzte Kompetenzzentren entwickeln können. Ein weiteres zentrales Thema für die Wissenschaftler wird eine bessere Lehrerausbildung sein.


Bildungsreformen durch abgestimmte Forschungsschwerpunkte fördern
Zu den Themenfeldern, die aus Ländersicht von der empirischen Bildungsforschung vorrangig bearbeitet werden sollten, zählen im Schulbereich die Weiterentwicklung und Analyse von Tests und Verfahren der Evaluation, die Unterrichts- und Schulentwicklung, die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern sowie die Professionalisierung der Lehrkräfte. Im Hochschulbereich sind die Länder insbesondere an Fragestellungen zu den Schnittstellen Schule/Hochschule, Hochschule/Beruf und Hochschule/Wirtschaft interessiert. Weitere Themenbereiche sind die Qualitätssicherung in der Lehre, die internationale Vernetzung von Hochschulen, die langfristige Entwicklung des Hochschulsystems sowie die wissenschaftliche Weiterbildung. Außerdem wollen die Länder Forschungsarbeiten in den Bereichen Berufliche Bildung und Erwachsenenbildung anregen.

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