Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem richtigen Weg: FiBS zu aktuellen Trends der Weiterbildungsfinanzierung in Europa

27.09.2007
Internationale Erfahrungen untermauern die Ausgestaltung des 3-Säulen-Modells zum Bildungssparen - Handlungsbedarf bleibt in Deutschland bei der Förderung beruflicher Weiterbildung von Geringqualifizierten, Arbeitslosen und kleinen Unternehmen

Das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) hat heute eine Synopse aktueller europäischer Trends bei der nachfrageorientierten Finanzierung von Weiterbildung vorgelegt, die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erstellt wurde.

Der Blick ins europäische Ausland verdeutlicht den innovativen Ansatz, aber auch Chancen und Grenzen des deutschen Konzepts zum Bildungssparen, das die Teilnahme an beruflichen Bildungsmaßnahmen und die Höherqualifizierung in Deutschland fördern soll.

Die Erfahrungen mit den Modellen, die in anderen Ländern praktiziert werden, helfen zudem bei der geplanten Einführung der Finanzierungsinstrumente Weiterbildungsprämie, Darlehen und Entnahmeoption nach dem Vermögensbildungsgesetz.

Um der geringen Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland entgegen zu wirken, sind Anreize nötig, wenn Deutschland im internationalen Vergleich der Qualifizierungsmaßnahmen nicht noch weiter zurückfallen will. Die Partizipation an beruflichen Bildungsangeboten variiert nicht nur hinsichtlich Alter und Arbeitsplatz, sondern hängt auch von der Zahlungsbereitschaft für Bildung ab, die oft begrenzt ist. Die Effekte von Maßnahmen anderer Länder zeigen hier, dass Weiterbildung überall von Einzelpersonen, Staat und Unternehmen finanziert wird.

Die finanziellen Anreize, wie sie hierzulande im 3-Säulen-Modell des FiBS kombiniert werden, können demnach die Bildungsbeteiligung der Erwerbstätigen erhöhen. Damit werden die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags konkretisiert.

Die Studie, die heute auch auf einer internationalen Konferenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Frankfurt/Main vorgestellt wird, zeigt aktuelle Förderinitiativen in Europa rund um die berufliche Weiterbildung auf. Gutscheine und individuelle Lernkonten, Ansparmodelle, Darlehen, Fondsmodelle und die steuerliche Anrechnung von Bildungsmaßnahmen werden in Europa unterschiedlich angewandt. Diese Instrumente sind je nach Land auf bestimmte Zielgruppen oder die Allgemeinheit ausgerichtet.

Individuelle Lernkonten und Gutscheine etwa können zur Teilnahme an Bildungsmaßnahmen mobilisieren, auch wenn sich vereinzelte Mitnahmeeffekte nicht ganz vermeiden lassen. Unter den NutzerInnen des Instruments ist der Anteil von Frauen überproportional. Auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen können, wie Beispiele aus England, Belgien und Italien zeigen, diese Modelle erfolgreich eingesetzt werden. Die Übersicht zeigt ferner, dass wichtige Rahmenbedingungen wie Information und Beratung sowie Qualitätssicherung zunehmend umgesetzt werden.

Zinsbegünstigte Darlehen für Individuen und Unternehmen finden sich etwa in Großbritannien und Österreich. Auch wenn die Zahl der NutzerInnen vergleichsweise gering erscheint, so sind sie doch eine wichtige Ergänzung zur Finanzierung von Qualifikationsmaßnahmen.

Ansparmodelle sind bisher noch wenig erprobt, scheinen aber auch wenig erfolgversprechend, wie etwa Erfahrungen mit geringen Nutzerzahlen in Österreich belegen. Die Finanzierungsbeträge sind meist nur gering und der Planungshorizont ist meist zu kurz, um größere Beträge anzusparen.

Vereinzelt genutzt wird der Steuerabzug für Weiterbildungsausgaben. Österreich erlaubt Unternehmen, ihre Ausgaben für Qualifizierung mit 120 Prozent für externe Maßnahmen anzusetzen. Auch Privatpersonen können ihre Kosten absetzen, wie dies auch in Deutschland möglich ist. Bei abhängig Beschäftigten wird dies hier allerdings erst wirksam, wenn der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 920 Euro insgesamt überschritten wird.

Das 3-Säulen-Modell zum Bildungssparen verknüpft damit drei international erfolgreiche Finanzierungsinstrumente. Mit der Weiterbildungsprämie sollen einkommensschwache Gruppen mobilisiert und diejenigen unterstützt werden, die durch die Einkommenssteuer nicht entlastet werden. Über die Entnahmemöglichkeit eigener Ansparungen im Rahmen des Vermögensbildungsgesetzes können Personen mit kleinem und mittlerem Einkommen ebenso ihre Weiterbildung finanzieren wie über das zinsgünstige Weiterbildungsdarlehen. Hierüber können neben den direkten Ausgaben für Bildungsmaßnahmen auch Lebenshaltungskosten finanziert werden.

"Deutschland kann jetzt aus den Fehlern und positiven Erfahrungen anderer Länder lernen," ist sich der Direktor des Forschungsinstituts Dr. Dieter Dohmen sicher. "Die Studie zeigt, wie Finanzierungsinstrumente zielgenau konzipiert und umgesetzt werden und welche Rahmenbedingungen dafür nötig sind. Ganz wichtig sind dabei Information, Beratung und Evaluation bei der Einführung und weiteren Umsetzung des 3-Säulen-Modells.

Weiterbildung und Bildung insgesamt muss sexy werden. Finanzielle Anreize und Unterstützung sind dringend gefragt," meint der erfahrene Bildungsökonom. "Doch sollte auch nicht vergessen werden, dass gerade Geringqualifizierte und Arbeitslose besonders unterstützungsbedürftig sind. Andere Länder wie etwa Großbritannien, entwickeln gezielte Konzepte zur Förderung und Qualifizierung dieser Zielgruppe. Unterstützung brauchen - auf der anderen Seite - auch kleine und mittelständische Unternehmen und zwar vor allem bei der Entwicklung und Umsetzung von innovativen Trainingskonzepten. Der konjunkturelle Aufschwung könnte diesen Menschen sinnvoll zugute kommen, die gerne wieder mehr an Leben und Arbeiten teilhaben wollen und die wir im demografischen Wandel dringend brauchen."

Die Kurzstudie "Aktuelle Trends der nachfrageorientierten Weiterbildungsfinanzierung in Europa - Eine Synopse" kann als Forum Nr. 40 unter http://www.fibs.eu heruntergeladen werden. Ferner sei auch auf Forum Nr. 36 "Höherqualifizierungs- und Bildungsstrategien anderer Länder" verwiesen sowie die Studie zum 3-Säulen-Modell auf der Internetseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter http://www.bmbf.bund.de/pub/studie_bildungssparen.pdf.

Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS):
Das FiBS ist eine unabhängige Forschungs- und Beratungseinrichtung für Ministerien auf Bundes- und Länderebene, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, Unternehmen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Stiftungen, Fachverbände und internationale Organisationen. Die Analysen, übergreifenden Studien, konkreten Modelle und Strategiekonzepte behandeln alle ökonomischen Aspekte von Bildung, sozialen Fragen, Arbeitsmarkt und Innovation.

Kontakt: Birgitt A. Cleuvers (FiBS), Tel. 0 30 - 84 71 22 3-20

Birgitt A. Cleuvers | idw
Weitere Informationen:
http://www.fibs.eu
http://www.bmbf.bund.de/pub/studie_bildungssparen.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften