Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG bewilligt elf neue Sonderforschungsbereiche

23.05.2007
Programmänderung vereinfacht Förderangebot für Nachwuchsgruppen

Elf neue Sonderforschungsbereiche (SFB) richtet die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zum 1. Juli 2007 ein. Sie werden mit insgesamt 75,5 Millionen Euro für zunächst vier Jahre gefördert. Die Forschungsvorhaben befassen sich unter anderem mit der Rekonstruktion biologischer Körperfunktionen, mit vielseitig einsetzbaren "molekularen Schaltern" und innovativen optischen Techniken. Unter den neuen Sonderforschungsbereichen befinden sich auch vier SFB/Transregio, die auf mehrere Standorte verteilt sind.

Neben den Einrichtungen bewilligte der zuständige Ausschuss auch die Fortsetzung von 19 Sonderforschungsbereichen für eine weitere Förderperiode - insgesamt fördert die DFG somit ab dem 1. Juli 2007 270 Sonderforschungsbereiche. Das Fördervolumen für das Jahr 2007 beträgt rund 388 Millionen Euro.

Der Ausschuss beschloss zudem einige Änderungen im Förderprogramm: Das Programmelement "SFB-Nachwuchsgruppen" wird in das Emmy Noether-Programm integriert, um die Förderangebote der DFG für den promovierten Nachwuchs anzugleichen und zu vereinfachen. Zudem wird die DFG ab 2008 weitgehend auf die bisher übliche Bindung einzelner Mittelarten an einen bestimmten Zweck (zum Beispiel zur Einladung von Gastwissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen) verzichten. Dadurch sollen die Eigenverantwortung der Sonderforschungsbereiche gestärkt und die flexible Verwendung bewilligter Mittel erleichtert werden. Ferner können Sonderforschungsbereiche zukünftig Teilprojekte beantragen, die ihnen die strukturierte Erschließung, Erzeugung, Verarbeitung und langfristige Sicherung ihrer wissenschaftlichen Daten mithilfe neuester informationstechnischer Methoden ermöglichen.

Die neuen Sonderforschungsbereiche im Einzelnen:

Im SFB/Transregio 37 "Mikro- und Nanosysteme in der Medizin - Rekonstruktion biologischer Funktionen" entwickeln Forscherinnen und Forscher der Medizin, der Material- und Naturwissenschaften mithilfe von Nano- und Lasertechnik neue Technologien und Therapieverfahren für die regenerative Medizin. Der SFB/Transregio ist in Hannover, Aachen und Rostock angesiedelt. (Sprecherhochschule: MHH, Sprecher: Axel Haverich)

Um die "Strukturen und Prozesse der initialen Ökosystementwicklung in einem künstlichen Wassereinzugsgebiet" geht es im SFB/Transregio 38. Die Forscherinnen und Forscher aus Cottbus, München und Zürich gehen dabei von der Hypothese aus, dass die Anfangsphase eines Ökosystems entscheidende Auswirkungen auf dessen Entwicklung und späteren Zustand hat. (Sprecherhochschule: Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Sprecher: Reinhard F. Hüttl)

Im SFB/Transregio 45 werden "Perioden, Modulräume und Arithmetik algebraischer Varietäten" erforscht. Die Zusammenführung verschiedener methodischer Ansätze aus den Bereichen algebraische und komplexe Geometrie bis hin zur arithmetischen Geometrie ist dabei ein ausdrückliches Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Mainz, Bonn und Duisburg-Essen. (Sprecherhochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Sprecher: Stefan Müller-Stach)

Im SFB/Transregio 49 "Systeme kondensierter Materie mit variablen Vielteilchenwechselwirkungen" untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Frankfurt/Main, Kaiserslautern und Mainz das kollektive Verhalten wechselwirkender Vielteilchen-Systeme. Die noch junge Zusammenarbeit von Quantenoptik, Festkörperphysik und Chemie baut der Transregio damit weiter aus. Dieser SFB/Transregio enthält das erste integrierte Graduiertenkolleg und nutzt damit ein vor kurzem neu eingeführtes Programmelement zur noch besseren Weiterqualifizierung von Doktorandinnen und Doktoranden in Sonderforschungsbereichen. (Sprecherhochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main, Sprecher: Michael Lang)

Schaltbare Moleküle können ihre Eigenschaften durch externe Stimulationen wie Licht oder magnetische Felder reversibel ändern - eine Besonderheit, die im SFB 677 "Funktion durch Schalten" genauer erforscht werden soll. Ein Ziel der Untersuchungen ist es, selbstständig arbeitende "molekulare Schalter" zu schaffen, die zum Beispiel in medizinischen und technischen Bereichen eingesetzt werden können. (Sprecherhochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Sprecher: Rainer Herges)

Im SFB 728 "Umweltinduzierte Alterungsprozesse" sollen die Mechanismen des Alterns auf molekularer Ebene aufgeklärt und ihre Bedeutung für den Alterungsprozess ganzer Organe modellhaft erforscht werden. Anhand dieser Modelle könnten zukünftig pharmakologische Konzepte der Prävention und Therapie entwickelt werden. (Sprecherhochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Sprecher: Jean Krutmann)

Das Versagen von Transplantaten und die Knappheit an zu transplantierenden Spenderorganen stellen die Transplantationsmedizin immer noch vor große Herausforderungen. Der SFB 738 widmet sich deshalb der "Optimierung konventioneller und innovativer Transplantate". (Sprecherhochschule: Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Sprecher: Michael P. Manns)

Die dynamischen, das heißt zeitlich variablen Parameter von Molekülen und Biomolekülen bei chemischen Transformationen sind Thema des SFB 749 "Dynamik und Intermediate molekularer Transformationen". Die Strukturanalysen werden durch die Verknüpfung von Chemie und Biochemie mit der theoretischen Chemie und der Physik wie auch durch die Anwendung moderner Ultrakurzzeitmethoden und genauester theoretischer Verfahren ermöglicht. (Sprecherhochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Sprecher: Thomas Carell)

Um die genaue Untersuchung komplexer Systeme wie makromolekulare Fluide und biologische Zellen geht es im SFB 755 "Photonische Abbildungen auf der Nanometerskala". Dazu werden innovative optische Techniken entwickelt, die eine besonders hohe räumliche oder zeitliche Auflösung ermöglichen oder bei denen Röntgenstrahlung zum Einsatz kommt. (Sprecherhochschule: Georg-August-Universität Göttingen, Sprecher: Tim Salditt)

Einen Weg zur schnellen und zielgerichteten Entwicklung einer neuen Klasse von Strukturwerkstoffen aufzuzeigen, ist das übergeordnete Ziel des SFB 761 "Stahl - ab initio. Quantenmechanisch geführtes Design neuer Eisenbasis-Werkstoffe". Dafür werden ab initio-Methoden und andere numerische Verfahren genutzt und durch Experimente validiert. (Sprecherhochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Sprecher: Wolfgang Beck)

Der SFB 766 "Die bakterielle Zellhülle: Struktur, Funktion und Schnittstelle bei der Infektion" soll das noch begrenzte molekulare Wissen um die Zellhülle von Bakterien erweitern, um unerwünschte bakterielle Prozesse wie Infektion oder Biofilmbildung beeinflussen zu können und gegebenenfalls neue antimikrobielle Wirkstoffe zu entwickeln. (Sprecherhochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Sprecher: Wolfgang Wohlleben)

Weitere Informationen erteilen die Sprecher der Sonderforschungsbereiche.

Ansprechpartner in der Geschäftsstelle ist Klaus Wehrberger, Leiter der Gruppe Sonderforschungsbereiche, Forschungszentren, Exzellenzcluster, Tel. +49 228 885-2355, E-Mail: Klaus.Wehrberger@dfg.de.

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/sfb

Weitere Berichte zu: Rekonstruktion SFB/Transregio

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie