Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Forschungsprojekt zu Kleinkindpädagogik

04.04.2007
Ein neues Forschungsprojekt unter der Leitung von Ao. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Datler vom Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien untersucht die Eingewöhnungsphase von Kleinkindern in die Kinderkrippe. Diese Übergangsphase ist für den Nachwuchs mit viel Unsicherheit verbunden. Das ForscherInnen-Team arbeitet daran, Faktoren zu identifizieren, die den Wechsel von der primären Betreuung durch die Eltern in ein größeres Kollektiv von Gleichaltrigen möglichst positiv erleben lassen.

In der Hoffnung, den Papa doch noch zum Dableiben bewegen zu können, klammert sich Lisa an den Beinen ihres Vaters fest und weint herzzerreißend. Szenen wie diese gehören zum Alltag in Kinderkrippen. Dennoch gelingt es manchen Kindern besser als anderen, den Trennungsschmerz zu bewältigen und nach einer gelungenen Eingewöhnung aktiv und positiv am Alltagsgeschehen in der Kindergruppe teilzunehmen.

Es ist gar keine so leichte Aufgabe, festzustellen, was in diesen Kindern in dieser Zeit des Übergangs von der Familie in die Tagesbetreuung vor sich geht. Im Forschungsprojekt "Die Eingewöhnungsphase von Kleinkindern in Kinderkrippen" werden deshalb verschiedenste Untersuchungsmethoden eingesetzt, um mehr über das Erleben der durchschnittlich Zweijährigen zu erfahren. Dreimal werden die Kleinen - so das Forschungsdesign - Besuch in der Kinderkrippe bekommen: am ersten Tag, den sie ohne Eltern dort verbringen, nach zwei und dann nochmals nach vier Monaten. Die Eingewöhnungsphase einer kleinen Gruppe von Kindern wird außerdem über mehrere Monate hinweg intensiver beobachtet und analysiert. Außerdem werden die BildungswissenschafterInnen mit Videoaufnahmen arbeiten, Eltern und Betreuungspersonen befragen und die Gesamtqualität der Kinderkrippen einschätzen.

Die ideale Kinderkrippe trägt dem Stresserleben der Kinder Rechnung
Egal, ob anhänglich oder selbstständig: Die erste Zeit in der Kinderkrippe ist für die Sprösslinge auf alle Fälle aufregend. Das spiegelt sich auch - wie jüngste Studien zeigten - in der erhöhten Produktion von Stresshormonen wider. "Physiologische Parameter sagen bloß etwas über Belastungserlebnisse aus, aber nicht über die Qualität der Belastung", sagt Wilfried Datler. Daher lassen die ForscherInnen die Kinder einmal zuhause und einmal im Kindergarten auf Wattestäbchen kauen, um Werte über die Ausschüttung von Stresshormonen zu bekommen. All die gewonnenen Daten werden dann zusammengeführt, um herauszufinden, wie sich das Erleben der Kinder verändert und welche Hilfestellungen der Eltern und des Betreuungspersonals sich für die Kinder als besonders förderlich erweisen. Bereits bewährt haben sich ein Übergangsobjekt wie ein Stofftier oder auch ein ritualisierter Tagesablauf. Es ist wichtig, das Kind zu trösten und es anzuregen, Interesse an Neuem zu finden. "Weiters gehen wir davon aus", ergänzt die Projektkoordinatorin Nina Hover-Reisner, "dass es einen Unterschied macht, in welcher Weise der Elternteil oder das Betreuungspersonal dem Kind vermitteln, dass das Erleben von Schmerz oft unvermeidlich ist."

"Kindergärten und Kinderkrippen werden gerne als Betreuungseinrichtungen bezeichnet, kaum als Bildungseinrichtungen", macht Bildungswissenschafter Datler auf einen wichtigen Punkt aufmerksam. Ein Projektziel ist es, Grundlagen und Anregungen für die Aus- und Weiterbildung von PädagogInnen, die in Tageseinrichtungen für Kleinkinder arbeiten, zu schaffen. Am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien sind angehende PädagogInnen und BildungswissenschafterInnen aktiv in die Forschung eingebunden. Denn rund hundert Kinder während ihrer ersten Zeit in der Kinderkrippe zu begleiten, ist nur mit engagierten Studierenden möglich. Die zeigen sich begeistert und die vorbereitenden Lehrveranstaltungen, die derzeit laufen, sind gut besucht. Im Herbst geht es dann direkt ins Feld und somit zurück in den Kindergarten, um von den Kleinsten zu lernen.

Die Fakten zum Forschungsprojekt

Das dreijährige Projekt des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) "Die Eingewöhnungsphase von Kleinkindern in Kinderkrippen" wird von Ao Univ.-Prof. Wilfried Datler geleitet und von Mag. Nina Hover-Reisner koordiniert. Es startete am 1. April 2007 und wird in Kooperationen mit Dr. Katharina Ereky-Stevens von der Universität Oxford, einer ehemaligen Studentin des Instituts für Bildungswissenschaft der Universität Wien, realisiert. Eine weitere Zusammenarbeit besteht mit Univ.-Prof. Dr. Lieselotte Ahnert von der Universität Köln, die über internationale Erfahrungen bezüglich der Untersuchung von physiologischen Parametern in entwicklungspsychologischen Studien verfügt. Lokale Kooperationspartner kommen bislang aus dem Kreis der Städtischen Wiener Kindergärten und des Kindergartenwerks der Erzdiözese Wien.

Kontakt
Ao. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Datler
Institut für Bildungswissenschaft
Universität Wien
1010 Wien, Universitätsstraße 7
T +43-1-310 93 17
M +43-681-106 11 691
wilfried.datler@univie.ac.at oder
wilfried.datler@chello.at
Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://public.univie.ac.at

Weitere Berichte zu: Eingewöhnungsphase Kinderkrippe Kleinkind

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitale Bildung im Unterricht: Was Lehrer und Schüler von der Schul-Cloud erwarten
11.12.2017 | Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI)

nachricht Neues Computerprogramm hilft bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
13.11.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten