Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Teilchen-Networker - Frankfurter Schwerionenforscher bei ersten BMBF-Forschungsschwerpunkten erfolgreich

15.02.2007
Die Frankfurter Schwerionen-Physiker rund um Prof. Harald Appelshäuser und Juniorprof. Christoph Blume freuen sich über ihr erfolgreiches Abschneiden bei der Auswahl der ersten BMBF-Forschungsschwerpunkte (BMBF-FSP) in der physikalischen Grundlagenforschung.

In den BMBF-Forschungsschwerpunkten arbeiten Hochschulen, Max-Planck-Institute und Helmholtz-Zentren zusammen. Ihr Ziel ist es, die besten Forscher in überregionalen Wissenschaftsnetzwerken zusammen zu schließen, um die optimale Nutzung von Großgeräten der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung zu ermöglichen.

Aus der ersten Wettbewerbsrunde sind drei Netzwerke als Sieger hervorgegangen. Dabei handelt es sich jeweils um deutsche Hochschulgruppen, die sich in Kooperation mit außeruniversitären Zentren zur Beteiligung an den drei Experimenten ALICE, ATLAS und CMS zusammengeschlossen haben. Diese Experimente sind im Aufbau am weltgrößten Teilchenbeschleuniger, dem Large Hadron Collider (LHC). Sein Standort ist CERN in Genf, das international bedeutendste Zentrum der Teilchenphysik.

Das wissenschaftliche Potential von ALICE, ATLAS und CMS, den größten Experimenten, die je von der Menschheit aufgebaut wurden, ist enorm. Es reicht von der Entdeckung neuer Grundbausteine der Natur bis zur Erforschung des Materiezustandes am Anfang der kosmischen Entwicklung nach dem Urknall. Appelshäuser und sein Team sind am Experiment ALICE (A Large Ion Collider Experiment) beteiligt und bilden nun gemeinsam mit Forschern der Universitäten Darmstadt, Heidelberg und Münster sowie dem Helmholtz-Zentrum GSI (Gesellschaft für Schwerionenforschung) in Darmstadt den neuen BMBF-FSP 201.

Worum geht es bei ALICE? Jeder weiß, dass Eis zu schmelzen beginnt, wenn die Temperatur null Grad Celsius überschreitet, und bei hundert Grad beginnt das Wasser zu verdampfen. Was aber passiert, wenn die Temperatur noch weiter erhöht wird, zum Beispiel auf eine Billion Grad Celsius? Bei diesen hohen Temperaturen haben Atome und sogar Atomkerne längst aufgehört zu existieren. Heute glaubt man, dass Materie dann in Form eines Plasmas aus Quarks und Gluonen vorliegt, den kleinsten heute bekannten Materiebausteinen. In der Frühphase des Universums, etwa eine Mikrosekunde nach dem Urknall, hat es einmal so hohe Temperaturen gegeben. Daher geht man davon aus, dass unsere gesamte Welt in ihrer frühsten Jugend die Phase eines Quark-Gluon-Plasmas durchlaufen hat. Um also mehr über die Prozesse zu lernen, die die Entstehung unseres Universums bestimmt haben, möchte man die Eigenschaften des Quark-Gluon-Plasmas erforschen. Die Kraft zwischen Quarks und Gluonen wird durch die so genannte starke Wechselwirkung vermittelt, die bei weitem stärkste der vier bekannten Naturkräfte. Aufgrund der komplizierten Dynamik zwischen Quarks und Gluonen erweisen sich quantitative Berechnungen der starken Wechselwirkung jedoch gerade in jenem Energiebereich, der für die Erzeugung eines Quark-Gluon-Plasmas relevant ist, als außerordentlich schwierig. Die geplanten Experimente sollen somit also zum tieferen Verständnis der fundamentalen Naturkräfte beitragen.

Bis 2009 werden die BMBF-Forschungsschwerpunkte mit mehr als 32 Millionen Euro gefördert. Dabei entfallen auf das ALICE-Experiment etwa 7,5 Millionen, von denen rund 1,5 Millionen nach Frankfurt gehen.

Informationen:
Prof. Harald Appelshäuser,
Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Max-von-Laue-Str. 1, 60438 Frankfurt.
Tel.: (069) 798-47034, Fax: (069) 798-47046, E-Mail: appels@ikf.uni-frankfurt.de

Stephan M. Hübner | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Berichte zu: ALICE BMBF-Forschungsschwerpunkt Gluonen Temperatur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

„Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern

20.10.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Aus der Moosfabrik

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie