Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemeinsam für exzellente Forschung und Lehre

12.02.2007
Die Max-Planck-Gesellschaft und die Universität Heidelberg schließen einen Kooperationsvertrag

Die Max-Planck-Gesellschaft und die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg haben die Basis geschaffen, um die Zusammenarbeit zwischen den vier Heidelberger Max-Planck-Instituten und der Universität zu intensivieren. Prof. Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und Prof. Peter Hommelhoff, Rektor der Universität Heidelberg, schlossen eine entsprechende Rahmenvereinbarung.

Prof. Rüdiger Wolfrum, ehemaliger Vizepräsident der MPG und Direktor am MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, hat den Kooperationsvertrag seitens der MPG maßgeblich vorbereitet. Der Vertrag fasst das ganze Instrumentarium - etwa Doppelberufungen, Max-Planck-Fellowship und International Max Planck Research Schools (IMPRS) - zusammen, das die MPG auch in der Zusammenarbeit mit anderen Universitäten bereits nutzt. In Heidelberg wird es jetzt erstmals für vier Institute der Max-Planck-Gesellschaft in einem Gesamtpaket festgezurrt. "In diesem Modell kommen die Stärken der beiden Partner optimal zur Geltung", sagt Peter Gruss: "Diese erfolgversprechende Kooperation unterstreicht die Exzellenz der beiden Partner."

Max-Planck-Institute arbeiten schon seit langem erfolgreich mit Universitäten zusammen, nicht nur in Heidelberg. Das belegt das Ergebnis der Exzellenzinitiative, in der die Heidelberger Universität genauso wie andere Hochschulen, die mit Max-Planck-Instituten vernetzt sind, in Spitzenpositionen gelandet sind. Deutschlandweit haben Universitäten und Max-Planck-Institute ihre Zusammenarbeit unter anderem mit rund 60 Kooperationsverträgen besiegelt. "Doch in Heidelberg schließen wir erstmals einen Kooperationsvertrag für vier unserer Institute gleichzeitig ab", betont Gruss. Diese vier Institute widmen sich zudem sehr unterschiedlichen Forschungsgebieten: In Heidelberg unterhält die Max-Planck-Gesellschaft ihre Institute für Astronomie, Kernphysik, medizinische Forschung sowie ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht.

Mit der jetzt abgeschlossenen Rahmenvereinbarung eröffnet die Max-Planck-Gesellschaft den Instituten eine breite Palette unterschiedlicher Kooperationsformen mit der Universität. Dazu zählen neben gemeinsamen Forschungsprojekten unter anderem Doppelberufungen zum Direktor an einem Max-Planck-Institut und auf eine Professur an der Universität. Auch sollen Wissenschaftler der Universität künftig Max-Planck-Fellows und als solche Leiter einer Arbeitsgruppe an einem Max-Planck-Institut werden können. Ferner werden Doktoranden der Hochschule in Zukunft vermehrt an International Max Planck Research Schools ausgebildet (siehe unten). "Die einzelnen Institute und die Universität können daraus das jeweils beste Instrument auswählen, um sowohl die Forschung als auch die Lehre optimal zu gestalten", erläutert Gruss.

"Der Charme dieser Kooperationsformen liegt darin, dass sich die Max-Planck-Institute und die Universität eng vernetzen", betont Gruss: "Beide Partner behalten aber ihre Unabhängigkeit und Beweglichkeit, um wirkliche Exzellenz auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet zu sichern." So leiste die Universität Heidelberg in vielen Bereichen wie am Zentrum für molekulare Biologie herausragende Forschung und könne durch ihr breit aufgestelltes Lehrangebot hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden. Die Max-Planck-Institute schaffen ihrerseits exzellenten Wissenschaftlern den Freiraum, sich ohne Rücksicht auf einen vorgegebenen Fächerkanon ihre Themen zu suchen. Sie konzentrieren sich dabei vor allem auf neue Forschungsgebiete, die Universitäten noch nicht mit vergleichbarem Erfolg bearbeiten können.

Unter der wissenschaftlichen Avantgarde, die neue Forschungsfelder eröffnet, gehören Max-Planck-Wissenschaftler zur weltweiten Spitze. Das beweisen nicht nur die Nobelpreisträger, die regelmäßig aus den Reihen der Max-Planck-Wissenschaftler gekürt werden, sondern auch die überproportional große Zahl von hochkarätigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die nicht nur in der Fachwelt immer wieder für Aufsehen sorgen. "Diese herausragende Position können Max-Planck-Wissenschaftler nur behalten, wenn sie unabhängig bleiben", betont Gruss.

Max-Planck- und Uni-Forscher blicken in stellare Kinderstuben und auf chemischen Partnertausch

Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft und der Universität Heidelberg arbeiten schon jetzt sowohl in der Forschung als auch in der Lehre in vielen Projekten zusammen. So trägt das MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht zusammen mit der Universität Heidelberg und der Universidad de Chile den Studiengang Master in International Law - Investments, Trade and Arbitration. In einem einjährigen Programm eignen die Studierenden darin sowohl in Santiago de Chile als auch in Heidelberg Kenntnisse an, welche juristischen Facetten im globalen Handel zu berücksichtigen sind und welche Rolle Schiedsinstanzen wie die World Trade Organization dabei spielen.

Zudem richtet das Max-Planck-Institut ebenfalls mit der Universität Heidelberg ein deutsch-chinesisches Graduiertenkolleg mit der Tsinghua University in Peking ein. Neben der Lehre für noch nicht graduierte Studenten beteiligen sich die Max-Planck-Wissenschaftler in Heidelberg - wie an allen anderen Max-Planck-Standorten auch - vor allem daran, Doktoranden auszubilden; wobei das Promotionsrecht immer an einer Partner-Universität liegt. Institutionalisiert haben Max-Planck-Gesellschaft und Universitäten die Ausbildung von Doktoranden in den International Max Planck Research Schools (IMPRS). 43 IMPRS betreibt die Max-Planck-Gesellschaft derzeit mit Universitäten, um auf innovativen Forschungsgebieten insgesamt rund 1700 Doktoranden auszubilden. Der Pakt für Forschung und Innovation, in dem Bund und Länder der Max-Planck-Gesellschaft für die nächsten Jahre einen jährlichen Mittelzuwachs zusagen, ermöglicht es, alleine in diesem Jahr sechs weitere aufzubauen, die bereits bewilligt sind.

Unter anderem richten die Max-Planck-Institute für Kernphysik sowie für medizinische Forschung und die Universität Heidelberg in Heidelberg die IMPRS for Quantumdynamics in Physics, Chemistry and Biology ein. Promotionsstudenten werden hier unter anderem die elektronischen Prozesse bei chemischen Reaktionen beobachten. Mit einem Reaktionsmikroskop werden sie verfolgen, wie sich die Elektronen der Reaktionspartner umgruppieren. Das gründliche Verständnis dieser Vorgänge macht es möglich, chemische Reaktionen, sei es im menschlichen Körper oder in der chemischen Industrie, präziser als bislang zu steuern.

An der IMPRS for Astronomy and Cosmic Physics, die das Max-Planck-Institut für Astronomie mit der Universität aufgebaut hat, haben die Doktoranden ihre Arbeit dagegen bereits begonnen. Sie erforschen vor allem mit optischen und Infrarot- sowie Gamma-Teleskopen offene Fragen der Astronomie und Kosmologie: Wie ist das Universum entstanden, wie bilden sich Galaxien und Sterne? Und warum dort, wo wir sie beobachten? Manche der Nachwuchsastronomen werden die Daten für ihre Untersuchungen am Large Binocular Telescope auf dem Mount Graham in Arizona gewinnen. Über die IMPRS hinaus arbeiten Forscher des Max-Planck-Instituts dort schon ebenso mit ihren Kollegen der Universität Heidelberg in einem internationalen Team zusammen wie am H.E.S.S.-Teleskop in Namibia. In dem Konsortium, das die Forschung mit H.E.S.S. betreibt, spielen zudem Astrophysiker des MPI für Kernphysik eine führende Rolle.

Gemeinsam forschen Wissenschaftler der Max-Planck-Institute und der Universität auch bereits in Sonderforschungsbereichen. Dr. Ilme Schlichting vom MPI für medizinische Forschung untersucht im SFB 623 etwa die enzymatische Katalyse durch Hämthiolatproteine. Diese Enzyme sind sowohl an der Biosynthese von Lipiden und Steroiden als auch am Abbau körperfremder Substanzen beteiligt. Wie die Enzyme ihre Aufgabe im Detail erfüllen, ist bislang noch nicht bekannt. Daher klären Schlichting und ihre Mitarbeiter unter anderem die Struktur des Komplexes auf, der sich im entscheidenden Schritt der Reaktion bildet.

Es braucht allerdings nicht unbedingt einen Sonderforschungsbereich, um Max-Planck-Wissenschaftler mit ihren Kollegen von den Universitäten in gemeinsamen Projekten zusammenzubringen. Das belegen zahlreiche andere Projekte, die in einigen Fällen das Bundesforschungsministerium oder die EU-Kommission am Forschungsstandort Heidelberg fördern. Zum Beispiel ein Projekt von Prof. Peter Seeburg und Prof. H. Monyer: Sie klären in einem Projekt des Bundesforschungsministeriums auf, welche Rolle NMDA-Rezeptoren spielen, wenn sich ein Patient von einem Schlaganfall erholt. Ein NMDA-Rezeptor dient als Schloss, das einen Ionenkanal öffnet, sobald Glutamat an ihn bindet.

Dr. Michael Koenen, ebenfalls vom MPI für medizinische Forschung, erforscht zusammen mit Dr. Jörg Zehelein aus der kardiologischen Abteilung von Prof. Hugo Katus des Universitätsklinikums Heidelberg, wie Veränderungen an Ionenkanälen Herzrythmusstörungen und Herzkrankheiten hervorrufen.

Auch die Wissenschaftler der anderen Max-Planck-Institute kooperieren in einer Reihe von Forschungsprojekten mit ihren Kollegen von der Universität: So entwickeln Mitarbeiter des MPI für Kernphysik und der Universität gemeinsam Kryo-Detektoren für eine integrierte Ionen-quelle und -falle. In diesem Apparat erzeugt ein extrem energiereicher Elektronenstrahl extrem hochgeladene Metallionen - zum Beispiel ein 78fach geladenes wasserstoffähnliches Quecksilber-Ion. Wasserstoffähnlich, weil in ihm nur noch ein Elektron um den Atomkern schwirrt. Indem Physiker die Eigenschaften dieses Teilchens mit denen anderer wasserstoffähnlicher Metallatome vergleichen, gewinnen sie grundlegende Erkenntnisse über die Teilchen, die ihnen auch in Sternen und in Fusionsreaktoren begegnen. Da sie die Ionen in einen quantenmechanischen Kühlschrank stecken, können sie zudem relativ bequem studieren, wie sich Elektronen abhängig von der Ladung ihres Atomkerns verhalten.

In einigen Fällen ergeben sich die Möglichkeiten, solche gemeinsamen Projekte umzusetzen, auch aus einer personellen Vernetzung. Prof. Joachim Ullrich etwa ist Voll-Mitglied der Fakultät für Physik und Astronomie und leitet seit 2001 auch eine Abteilung des Max-Planck-Instituts für Kernphysik. Zum Max-Planck-Fellow am MPI für Kernphysik wird in naher Zukunft Prof. Christof Wetterich, der seit 1992 einen Lehrstuhl für theoretische Physik an der Universität hält, und nun auch eine Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut übernimmt. Der jetzt geschlossene Kooperationsvertrag sieht für die Zukunft auch die Möglichkeit von Doppelberufungen vor, um Wissenschaftler gleichzeitig als Direktor eines Max-Planck-Instituts und W3-Professor an der Universität oder als Nachwuchswissenschaftler der MPG und als Juniorprofessor zu gewinnen.

Neben dieser Personalunion können Wissenschaftler der Universität auch zu Auswärtigen Wissenschaftlichen Mitgliedern der Max-Planck-Gesellschaft berufen werden - wie etwa im Fall von Prof. Lorenz Cederbaum vom MPI für Kernphysik. Oder in ähnlicher Anbindung - mit umgekehrten Vorzeichen - Prof. Rüdiger Wolfrum und Prof. Armin von Bogdandy, den Direktoren am MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, die beide persönliche Ordinariate an der Universität inne haben.

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Astronomie IMPRS Kernphysik MPG MPI Max-Planck-Institut Völkerrecht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie