Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Langzeitanalyse zur Entwicklung der Hochschul-Governance in Deutschland

06.02.2007
Zielvereinbarungen erfreuen sich hoher Akzeptanz - ihre Wirkung als Hochschulsteuerungsinstrument ist jedoch begrenzt, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Was hat die Hochschulreform der vergangenen zehn Jahre gebracht? Erstmals liegt eine Untersuchung zu den Langzeitwirkungen vor, welche sowohl durch die veränderte staatliche Hochschulsteuerung als auch die Einführung neuer hochschulinterner Managementstrukturen und -instrumente im bundesdeutschen Universitätssektor entstanden sind. Mit ihrem Buch "Partizipatives Management von Universitäten" geht Sigrun Nickel insbesondere der Frage nach, ob das Instrumentarium der "Ziel- und Leistungsvereinbarungen" die mit ihm verbundenen hohen Erwartungen einer effektiveren Hochschulsteuerung und -entwicklung erfüllt hat.

Zu Beginn des Buches wird analysiert, wieso die Anforderung an Universitäten, ziel- und ergebnisorientierter zu handeln, seit Mitte der 1990er Jahre vehement gestiegen ist. Als zwei Hauptursachen werden der wachsende europapolitische Druck (Lissabon Prozess und Bologna Prozess) sowie die Steuerungsprobleme des Staates herausgearbeitet, welcher zunehmend hilfloser vor der Aufgabe steht, gesellschaftliche Prozesse nachhaltig zu beeinflussen. In dieser Situation sind Universitäten mit der Herausforderung konfrontiert, trotz andauernder finanzieller Abhängigkeit vom Staat ihre Selbststeuerungsfähigkeit zu erhöhen, indem sie sich von bislang eher anarchisch agierenden Institutionen zu arbeitsteiligen Organisationen mit berechenbaren Leistungen weiterentwickeln. Dazu bedienen sich ihre Leitungskräfte inzwischen fast unisono des Managementkonzepts "Führen mit Zielvereinbarungen". Dieser Ansatz verspricht Führungskräften in Universitäten aufgrund seiner Beteiligungsorientierung, den oft anstrengenden Spagat zwischen der tief verankerten partizipativen Hochschulkultur auf der einen Seite und dem Zwang zu mehr (Selbst-)Steuerung auf der anderen Seite zu erleichtern.

Zahlreiche Praxisbeispiele sowie die durchgeführten Langzeitstudien zeigen, dass sich Zielvereinbarungen verglichen mit anderen Instrumenten der Hochschulsteuerung tatsächlich einer hohen Akzeptanz bei den meisten Universitätsmitgliedern erfreuen. Hauptgründe dafür sind allerdings weniger ihre überzeugende steuernde Wirkung, sondern im Gegenteil ihre vorwiegend kommunikative Funktion und ihr eher "weicher" Charakter, der sich in einer auffälligen Unverbindlichkeit und Folgenlosigkeit äußert. Etliche der mittels Zielvereinbarungen vereinbarten Projekte werden nicht realisiert. Diese schwache handlungsleitende Wirkung betrifft nicht nur die universitätsinterne Steuerung sondern auch staatliche Hochschulsteuerung. Als stärkstes staatliches Steuerungsinstrument erweisen sich bei näherer Betrachtung immer noch die Hochschulgesetze.

... mehr zu:
»Hochschulsteuerung »Prozess

Sind Zielvereinbarungen summa summarum also nur eine Managementmode, deren Zeit bald abgelaufen ist? Das Buch kommt zu dem Schluss, dass Zielvereinbarungen sehr wohl ein geeignetes Instrumentarium sowohl zur hochschulinternen als auch zur staatlichen Steuerung von Universitäten sein kann. Dafür müssen allerdings bestimmte Bedingungen erfüllt sein. So u. a. eine auf das Führen mit Zielvereinbarungen zugeschnittene Weiterentwicklung der Leitungs- und Entscheidungsstrukturen, die Beschränkung der Funktion des Instruments auf die strategische Projekt- und Maßnahmeplanung sowie die Verbesserung des Controllings.

Sigrun Nickel (2007): Partizipatives Management von Universitäten. Zielvereinbarungen, Leitungsstrukturen, Staatliche Steuerung. Hampp Verlag, München und Mering, 324 Seiten. 29,80 Euro.

Kontakt: Dr. Sigrun Nickel
sigrun.nickel@che-consult.de
05241 21179-23

Britta Hoffmann-Kobert | idw
Weitere Informationen:
http://www.che.de

Weitere Berichte zu: Hochschulsteuerung Prozess

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Meilenstein in der Forschung: Enabling Innovation
06.09.2017 | Rheinische Fachhochschule Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie