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Wissenschaft ist mehrsprachig

29.11.2006
VolkswagenStiftung startet neue Förderinitiative "Deutsch plus -
Wissenschaft ist mehrsprachig". Ausschreibungen folgen in 2007
Für Naturwissenschaftler ist es längst gang und gäbe, bei Tagungen und in Veröffentlichungen die englische Sprache zu nutzen.

Durchaus anders kann es bei den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften aussehen: Denkstil und Sprache sind hier eng verknüpft, und eine einfache Übersetzung einer wissenschaftlichen Arbeit ins Englische ist nicht selten mit Einbußen in Ausdruck und Bedeutung verbunden. Gerade über die jeweils verwendete Sprache finden spezifische Begriffe, Erkenntnis- und Deutungsmuster Eingang in die Prozesse von Forschung und Lehre. Sie prägen deren Profil in unverwechselbarer Weise, machen in ihrer kulturellen Vielfalt den Nuancenreichtum von Wissenschaft aus und lassen sich beim Wechsel der Wissenschaftssprache nur eingeschränkt übertragen.

Wissenschaft ist unzweifelhaft mehrsprachig! Diesem Verständnis trägt die VolkswagenStiftung mit einer neuen Förderinitiative Rechnung. Ziel soll es dabei sein, im Kontext wissenschaftlicher Mehrsprachigkeit dem Deutschen als Wissenschaftssprache und den in deutscher Sprache erarbeiteten wissenschaftlichen Resultaten und Erkenntnissen international größeren Raum und mehr Gewicht zu geben. Dabei können auch andere wissenschaftliche Weltsprachen einbezogen werden.

Die neue Förderinitiative "Deutsch plus - Wissenschaft ist mehrsprachig" besteht aus vier Förderkomponenten:

1. einer Ausschreibung für mehrsprachige Studienangebote;

2. einem als Wettbewerb gestalteten Angebot für Übersetzungen herausragender deutschsprachiger wissenschaftlicher Arbeiten;

3. einem Förderangebot für Forschungsvorhaben zu Fragen der sprachlichen Prägung wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens;

4. einem Veranstaltungsprogramm zum Thema "Wissenschaft ist mehrsprachig".

Förderkomponente 1: Ausschreibung für mehrsprachige Studienangebote
Im Zuge von Ausschreibungen will die Stiftung ab dem Jahr 2007 die Entwicklung und anschließende Implementierung mehrsprachiger Studienangebote unterstützen. Diese Curricula sollen sich zugleich an ausländische und deutsche Studierende richten; integriertes Studienziel ist die Beherrschung von mindestens zwei Sprachen auf wissenschaftlichem Diskursniveau. Angesprochen sind jene Fächer, in denen wissenschaftliche Mehrsprachigkeit in der jeweils vorgesehenen Kombination die späteren beruflichen Perspektiven der Absolventen innerhalb und/oder außerhalb der Wissenschaft grundlegend verbessert und wesentlich erweitert. Mit Blick auf die ausländischen Studierenden geht es zugleich darum, ihnen mit der sicheren Beherrschung des Deutschen und einer vertieften Landeskenntnis nicht nur günstigere Beschäftigungschancen - etwa als Ökonomen, Ingenieure, Mediziner oder Psychologen, als Juristen, Soziologen oder Historiker - in Deutschland zu eröffnen, sondern sie damit auch als interkulturelle Vermittler und mögliche Multiplikatoren des Deutschen im Ausland zu gewinnen.

Die Stiftung will im Zuge der ersten Ausschreibungsrunde bis zu fünf Studiengänge mit maximal jeweils 200.000 Euro drei Jahre lang fördern. In Betracht kommen dabei auch Studienangebote, die das Ziel wissenschaftlicher Mehrsprachigkeit in der Kooperation von deutschen und ausländischen Hochschulen verfolgen. Grundsätzlich können internationale Studiengänge aller Qualifikationsstufen unterstützt werden: das heißt Bachelor-, Master- und Promotionsstudiengänge. Nicht gefördert werden die Entwicklung und Verankerung einzelner Sprachmodule ohne integratives mehrsprachiges Gesamtkonzept.

Förderkomponente 2: Übersetzung deutschsprachiger wissenschaftlicher Arbeiten
In vielen Wissenschaftsbereichen werden Veröffentlichungen in deutscher Sprache vor allem im englischsprachig dominierten Ausland deutlich weniger oder gar nicht mehr zur Kenntnis genommen. Liegen von deutschen Autoren Publikationen in englischen Übersetzungen vor, sind diese zudem nicht selten von minderer Qualität. Das wiederum führt zu einer - oft sachlich unangemessenen - negativen Bewertung der betreffenden Arbeiten. All das schwächt die international schon jetzt auf vielen Feldern mangelhafte Sichtbarkeit deutscher wissenschaftlicher Arbeiten. Auch besteht die Gefahr, dass ältere Literatur, die nur in deutscher Sprache verfügbar ist, zunehmend in Vergessenheit gerät - und mit ihr die wissenschaftliche Leistung selbst und deren wissenschaftshistorische Bedeutung.

Um den in deutscher Sprache entwickelten wissenschaftlichen Methoden und Erkenntnissen international größere Aufmerksamkeit zu verschaffen, schreibt die VolkswagenStiftung einen Wettbewerb aus für herausragende deutschsprachige wissenschaftliche Arbeiten - vorrangig Monografien -, die professionell ins Englische oder in eine andere wissenschaftliche Weltsprache übersetzt werden sollen. Das Angebot richtet sich an alle Fachrichtungen, wobei sich vor allem jene Fachgebiete angesprochen fühlen sollen, bei denen es im Zuge der Übersetzung nicht nur um den Brückenschlag zwischen fachsprachlichen Terminologien geht, sondern gerade auch um die stimmige Übertragung eines spezifischen Denkstils in die andere Sprache.

Die Stiftung fördert pro Jahr die Übersetzung von bis zu zehn Monografien und von maximal zehn kürzeren Arbeiten (Zeitschriftenaufsätze u. Ä.). Bei der Veröffentlichung von Aufsätzen ist in erster Linie an thematisch gegliederte Sammelbände in einer international ausgerichteten eigenständigen Reihe gedacht, mit deren Hilfe man im Ausland auf wichtige wissenschaftliche Entwicklungen in Deutschland - vor allem in der Theoriebildung - aufmerksam machen kann.

Förderkomponente 3: Forschungsprojekte
Zur wissenschaftlichen Untermauerung und Flankierung fördert die Stiftung darüber hinaus Forschungsprojekte zu Fragen sprachlicher und kultureller Prägung wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens, zur Herausbildung wissenschaftlicher Terminologie, zur Auslegung von Texten sowie zur wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit und den Leistungsgrenzen gängiger Wissenschaftssprachen. Priorität genießen Vorhaben, die Wissenschaftssprachen vergleichen, und solche mit konkreten Perspektiven für die Praxis in Forschung und Lehre.
Förderkomponente 4: Veranstaltungsprogramm
Ein einschlägiges Veranstaltungsprogramm mit Streitgesprächen, Podiumsdiskussionen und Vorträgen rund um das Thema "Wissenschaft ist mehrsprachig" wird die Initiative begleiten. Darin geht es - ähnlich wie in den Forschungsprojekten - um Funktion und Bedeutung von Sprache und Kultur für die wissenschaftliche Arbeit. Mit diesen Veranstaltungen schlägt die Stiftung zugleich eine Brücke zu ihrer - gemeinsam mit drei weiteren Wissenschaftsförderern getragenen - Initiative "Pro Geisteswissenschaften". Allerdings werden darüber hinaus auch die Natur- und Ingenieurwissenschaften und die Medizin einbezogen.

Über die neue Förderinitiative und Details der Antragstellung informieren Anfang 2007 entsprechende "Merkblätter für Antragsteller". Die Informationen finden Sie dann auf der Website unter www.volkswagenstiftung.de im Menü "Förderung"/"Gesellschaftliche und kulturelle Herausforderungen".

Kontakt
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 - 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
Kontakt Förderinitiative
VolkswagenStiftung
Prof. Dr. Hagen Hof
Telefon: 0511 8381 - 256
E-Mail: hof@volkswagenstiftung.de

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de

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