Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ausbildungsreife: Jugendliche und Berufsbildungsfachleute

10.11.2006
Kennzeichen für die Ausbildungsreife von Lehrstellenbewerbern/-innen sind nach übereinstimmender Auffassung von Berufsbildungsfachleuten und Auszubildenden insbesondere überfachliche Qualifikationen und weniger schulisch erworbene Fertigkeiten - mit Ausnahme bestimmter mathematischer Kompetenzen.

Dies ist das Ergebnis einer Fachleute- und Auszubildendenbefragung, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) durchgeführt hat. Dabei werden unter dem Begriff "Ausbildungsreife" all diejenigen Fähigkeiten und Fertigkeiten verstanden, die für alle Ausbildungsberufe wichtig sind und schon bei Antritt der Lehre vorhanden sein sollten. Demgegenüber gehören Qualifikationen, die nur für bestimmte Berufe wichtig sind, zur berufsspezifischen Eignung.

Befragt wurden mehr als 250 Auszubildende und rund 500 Berufsbildungsexperten/-innen aus unterschiedlichen Institutionen, deren Arbeitsschwerpunkte im Bereich der beruflichen Bildung liegen (unter anderem Ausbilder/-innen in Betrieben, Wissenschaftler/-innen, Lehrer/-innen, Gewerkschafts- und Arbeitgebervertreter/-innen).

- Kennzeichen von Ausbildungsreife

Über 90 % aller Befragten gehen übereinstimmend davon aus, dass Schlüsselqualifikationen wie Zuverlässigkeit sowie die Bereitschaft, zu lernen und Leistung zu zeigen, Merkmale von Ausbildungsreife sind. Zudem werden Verantwortungsbewusstsein, Konzentrationsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Höflichkeit, Beherrschung der Grundrechenarten, einfaches Kopfrechnen, Sorgfalt, Rücksichtnahme und Selbstständigkeit sowohl von der großen Mehrheit der Jugendlichen als auch von der der Experten und Expertinnen als Kennzeichen von Ausbildungsreife verstanden.

Demgegenüber werden von beiden Gruppen vor allem die Beherrschung der englischen Sprache, betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse und Grundkenntnisse im IT-Bereich eher als Merkmale einer beruflichen Eignung denn als Kennzeichen für Ausbildungsreife wahrgenommen. Auch der korrekte Umgang mit der deutschen Sprache (Beherrschung der deutschen Rechtschreibung, mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit) wird eher als berufsspezifisches Eignungsmerkmal verstanden. BIBB-Präsident Manfred Kremer: "Auch wenn die Grundlagen von allen beherrscht werden müssen, so besitzt doch der gekonnte Umgang mit der deutschen Rechtschreibung und Sprache zum Beispiel für Kaufleute sicherlich einen höheren Stellenwert als für manch andere Berufe."

- Ausbildungsreife keine Garantie mehr für Lehrstelle?

Jugendliche sehen sich in der Diskussion um das Thema Ausbildungsreife häufig mit dem Vorwurf konfrontiert, ihre unzureichenden Qualifikationen seien ein entscheidender Grund für die angespannte Lage auf dem Lehrstellenmarkt. Die befragten Jugendlichen und Fachleute teilen diese Auffassung nicht: Nur die wenigsten Experten/-innen (26 %) sowie Auszubildenden (36 %) führen die Schwierigkeiten auf dem Lehrstellenmarkt auf die mangelnde Ausbildungsreife der Lehrstellenbewerber/-rinnen zurück. Vielmehr gehen über 80 % der Jugendlichen und Berufsbildungsfachleute davon aus, dass selbst vorhandene Ausbildungsreife heutzutage keine Garantie mehr für einen Ausbildungsplatz ist. Konsens zeigen beide Gruppen auch dahingehend, dass sie Schulnoten und -abschlüsse als Indikatoren von Ausbildungsreife ablehnen.

Aber nicht in allen Punkten stimmen die Auszubildenden mit dem Meinungsbild der Berufsbildungsfachleute überein: Etwa doppelt so viele Jugendliche wie Fachleute gehen davon aus, die Ansprüche der Unternehmen seien nur deshalb so hoch, weil es mehr Lehrstellenbewerber/-rinnen als freie Lehrstellen gebe. Zudem denken etwa ein Viertel mehr Jugendliche als Fachleute, die Kritik der Wirtschaft an der mangelnden Ausbildungsreife der Jugendlichen sei lediglich ein Versuch, von der schwierigen Lehrstellensituation abzulenken.

Die vollständigen Ergebnisse der Befragung sind enthalten in:
Eberhard, Verena: Das Konzept der Ausbildungsreife - ein ungeklärtes Konstrukt im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen. Wissenschaftliche Diskussionspapiere des BIBB (Heft 83). Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn, 2006.

Das Dokument kann im Internetangebot des BIBB unter nachstehendem Link abgerufen werden.

Inhaltliche Auskünfte im BIBB erteilt:
Verena Eberhard, Tel.: 0228 / 107-1118, E-Mail: eberhard@bibb.de

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de/dokumente/pdf/wd_83_Konzept_Ausbildungsreife.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise