Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leistungspotentiale der Fachhochschulen realisieren!

21.01.2002


Wissenschaftsrat verabschiedet Empfehlungen zur Entwicklung der Fachhochschulen

Der Wissenschaftsrat begrüßt die positive Entwicklung der Fachhochschulen in den vergangenen zehn Jahren. Die Fachhochschulen haben sich als unverzichtbares Element des deutschen Hochschulsystems erwiesen. Durch anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung und die Einrichtung gestufter Studiengänge haben sie zusätzliches Profil gewonnen. Allerdings muss das vorhandene wissenschaftliche Potential der Fachhochschulen künftig besser genutzt werden. Der Wissenschaftsrat sieht insbesondere folgende Defizite:

  • Der Ausbaustand der Fachhochschulen ist angesichts des zukünftigen Bedarfs an praxisorientiert ausgebildeten Hochschulabsolventen und der inhaltlichen Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Ausbildung nicht befriedigend.
  • Das Fächerspektrum der Fachhochschulen ist trotz einiger Ausnahmen weiterhin eingeschränkt.
  • Die Fachhochschulen können noch nicht in hinreichendem Maße eigenständig Forschung betreiben.

Ausbau und Größe

Bestehende Fachhochschulen müssen ausgebaut und konsolidiert werden, damit sie in der Einrichtung von arbeitsmarktorientierten Studienangeboten flexibler werden und ihre Leistungsfähigkeit in der anwendungsorientierten Forschung erhöhen können. Der Wissenschaftsrat hält eine Anzahl von etwa 3.000 bis 5.000 flächenbezogenen Studienplätzen für eine sinnvolle Betriebsgröße für viele Fachhochschulen, erachtet jedoch die Festlegung allgemeiner Ausbauzielgrößen nicht für sinnvoll.

Studium und Lehre

Der Wissenschaftsrat spricht sich aus bildungs- und beschäftigungspolitischen Gründen für eine Veränderung der Studierendenanteile zwischen Universitäten und Fachhochschulen aus. Angebotsbreite und Attraktivität des Studienprogramms der Fachhochschulen sollten erhöht werden durch:

  • die erhebliche Erweiterung des Fächerspektrums durch weitere anwendungsorientierte Studienangebote und durch Studienangebote für Beschäftigungsfelder, in denen die Komplexität der beruflichen Anforderungen wächst und künftig ohne eine akademische Ausbildung nicht mehr zu bewältigen sein wird;
  • die konsequente Einführung gestufter Studienangebote in Verbindung mit einer gründlichen Reform der Studiencurricula;
  • die Verbesserung und Weiterentwicklung der berufspraktischen Studienphasen, insbesondere in gestuften Studiengängen.

Als wesentliche weitere Maßnahmen betrachtet der Wissenschaftsrat die vermehrte Einrichtung dualer Studiengänge, die Stärkung der internationalen Ausrichtung der Fachhochschulen, die Intensivierung der wissenschaftlichen Weiterbildung sowie die Reform der besoldungs- und tarifrechtlichen Regelungen für die Einstellung in den öffentlichen Dienst.

Promotion von Fachhochschulabsolventen

Die bildungspolitisch erwünschte größere Durchlässigkeit vom Fachhochschulstudium zur Promotion ist noch nicht im erforderlichen Umfang erreicht. Der Wissenschaftsrat empfiehlt deshalb Änderungen in den Promotionsordnungen der Universitäten und die verstärkte Anwendung des Instrumentes der kooperativen Promotion.

Forschung

Der Wissenschaftsrat empfiehlt eine Stärkung der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung an den Fachhochschulen. Hierzu hält er es für erforderlich:

  • den bislang gültigen engen Projektrahmen für die Fachhochschulforschung auch in Richtung auf eine längerfristige Forschungsförderung in qualifizierten Forschungsprogrammen auszudehnen;
  • die Drittmittelfähigkeit der Fachhochschulen projekt- bzw. programmbezogen zu stärken und die Grundausstattung auf ein Niveau anzuheben, das die Vorbereitung von Forschungsprojekten bzw. -programmen ermöglicht; außerdem die Fachhochschulforschung durch entsprechende Förderprogramme gezielt zu fördern; die Eigenverantwortung der Fachhochschulen in der Forschungsfinanzierung durch Einrichtung zentraler Mittelpools für die Forschung zu erhöhen; die Beteiligung Dritter an der Fachhochschulforschung zu verbessern und vermehrt Forschungskooperationen zu bilden;
  • die derzeit erforderliche und zum Teil erzwungene Trennung von Forschung im Hauptamt in der Hochschule und in Nebentätigkeit im Rahmen von An-Strukturen durch geeignete institutionelle Rahmenbedingungen zu überwinden, insbesondere durch Gründung dezentraler und thematisch ausdifferenzierter Forschungsinstitute der Fachhochschule in jeweils angemessenen Rechtsformen.

Personalstruktur

Die Attraktivität der Fachhochschulprofessur muss durch günstigere Rahmenbedingungen für Lehre und Forschung und durch eine konkurrenzfähige Besoldung erhöht werden. Auf der Grundlage der bislang geltenden Berufungsvoraussetzungen für Fachhochschulprofessoren sollten sich dabei konsistentere Qualifizierungsstrukturen und eigenständige Karrierewege herausbilden. Auch die Regelungen zur Lehrverpflichtung der Fachhochschulprofessoren werden den gestiegenen Anforderungen in den Aufgabenbereichen der Fachhochschulen nicht gerecht. Das Pro-Kopf-Lehrdeputat von 18 Semesterwochenstunden ist zu hoch. Der Wissenschaftsrat spricht sich deshalb dafür aus, die geltenden Ermäßigungsregelungen weitgehend und ohne Festlegung individueller Obergrenzen zu flexibilisieren, und die individuelle Lehrverpflichtung als Gesamtlehrverpflichtung der jeweiligen Lehreinheit auszugestalten.

Fachhochschulen sollten künftig vermehrt wissenschaftliche Mitarbeiter in der anwendungsorientierten Forschung mit mittelfristig angelegten Arbeitsverhältnissen und angemessener Vergütung beschäftigen können. Solche Mitarbeiter sollten künftig auch die Möglichkeit erhalten, aber nicht verpflichtet sein, über Lehraufträge Lehrerfahrung zu erwerben. Als Ziel hält der Wissenschaftsrat eine Relation von drei Professoren zu einem wissenschaftlichen Mitarbeiter für sinnvoll.

Der Wissenschaftsrat spricht sich dafür aus, nicht mehr als 20 % des Lehrangebots eines Fachbereichs durch Lehrbeauftragte abzudecken. Die Vergütungssätze für Lehrbeauftragte sollten freigegeben werden. Der Wissenschaftsrat hält auch die Aufstockung des Verwaltungs- und technischen Personals in maßgeblichen Dienstleistungsbereichen für erforderlich.

Hinweis:

Die "Empfehlungen zur Entwicklung der Fachhochschulen" (Drs. 5102/02) werden im Netz als Volltext veröffentlicht, sie können aber auch bei Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per eMail angefordert werden.

Dr. Uta Grund | idw

Weitere Berichte zu: Studienangebot

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE