Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftsrat setzt sich für mehr Handlungsspielräume in Sonderforschungsbereichen ein

21.01.2002


Der Wissenschaftsrat bekräftigt seine Unterstützung für die Förderung von Sonderforschungsbereichen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Das Programm der Sonderforschungsbereiche dient dazu, exzellente Forschung zu ermöglichen. Es unterstützt Wissenschaftler bei Kooperationen innerhalb der Disziplinen und auch über deren Grenzen hinaus. Nachhaltige Effekte soll es dadurch entfalten, dass es den Hochschulen Anreize zur Konzentration ihrer Kräfte gibt. Das Programm hat seine Eignung zum Erreichen dieser Ziele in zahlreichen Fällen bewiesen und einen großen Beitrag zum Erhalt der Produktivität des deutschen Wissenschaftssystems geleistet.

In den letzten Jahren hat das Programm der Sonderforschungsbereiche eine erhebliche Ausweitung auf heute bundesweit über 280 Sonderforschungsbereiche erfahren und ist dabei zeitweilig unter finanziellen Druck geraten. Der Wissenschaftsrat beobachtet mit Sorge, dass dies in realen Beträgen zu einer Absenkung der Mittel für jeden einzelnen Sonderforschungsbereich geführt hat. Dadurch werden die Handlungsspielräume der beteiligten Wissenschaftler eingeschränkt. Auch die Wirksamkeit einzelner Sonderforschungsbereiche für die Profilbildung der Hochschulen hat nachgelassen.

Der Wissenschaftsrat ist der Auffassung, dass Mittelknappheit nicht der einzige Grund für diese Entwicklung ist. Er spricht sich dagegen aus, dem Programm der Sonderforschungsbereiche im Rahmen des Globalbudgets der DFG zu Lasten anderer Förderinstrumente überproportionale Mittelzuwächse zukommen zu lassen. Statt dessen sollte eine Konsolidierung des Programms bei der Zahl der Sonderforschungsbereiche ansetzen. Sollte diese noch weiter steigen, würde dies mittelfristig den Abschied vom Exzellenzanspruch bedeuten. Die Förderung als Sonderforschungsbereich muss einen erkennbaren Mehrwert gegenüber der Förderung unverbundener Einzelprojekte versprechen. Der Exzellenzanspruch muss mit einer wirksamen internen Qualitätskontrolle des SFB einhergehen.

Der Wissenschaftsrat ist der Auffassung, dass die Zahl der Sonderforschungsbereiche bei Wahrung des Exzellenzanspruchs derzeit ausreichend hoch ist. Sie sollte flexibel bleiben. Unter Anlegung des Maßstabs der Exzellenz muss sie auch absinken können. Dadurch können finanzielle Spielräume gewonnen werden, die der Ausstattung der einzelnen geförderten Sonderforschungsbereiche zugute kommen müssen. Vor allem sollten Antragsteller, Gutachter und Geschäftsstelle der DFG gemeinsam der Tendenz zu einer Standardisierung von Sonderforschungsbereichen und ihrer Teilprojekte entgegenwirken.

Der Beitrag von Sonderforschungsbereichen zur Profilbildung in der Forschung ist eng an die örtliche Konzentration der Teilprojekte gebunden. Dabei ist der Wissenschaftsrat der Auffassung, dass das Ortsprinzip heute nicht mehr im Sinne einer institutionellen Zugehörigkeit zu einer einzigen Hochschule verstanden werden darf. Kooperationen zwischen Wissenschaftlern verschiedener Hochschulen wie auch außeruniversitärer Einrichtungen an einem Ort tragen zur Überwindung von Abschottungstendenzen zwischen den verschiedenen Sektoren des Wissenschaftssystems bei und sind ausdrücklich zu begrüßen. Ziel der Förderung von Sonderforschungsbereichen muss es sein, eine lokale oder regionale Profilbildung zu unterstützen. In begründeten Ausnahmefällen kann es auch sinnvoll sein, im Rahmen von Sonderforschungsbereichen überregionale Kooperationen im Umfang von ein oder zwei Teilprojekten zu fördern.

Eine gleichberechtigte überregionale Kooperation von zwei oder mehr Hochschulen fördert die DFG im Rahmen des neuen Unterprogramms der Transregios. Der Wissenschaftsrat sieht die Chance, die Profilbildung der beteiligten Hochschulen zu unterstützen und zugleich durch die freiere Wahl der Kooperationspartner eine besonders hohe wissenschaftliche Qualität zu erreichen. Ob diese Ziele tatsächlich in gleichem Umfang zu realisieren sind, ist jedoch noch offen. Der Wissenschaftsrat behält sich deshalb vor, zu einem späteren Zeitpunkt erneut zur Schlüssigkeit des Instruments Transregio und zu seiner Einordnung in das Gesamtspektrum der Förderprogramme der DFG Stellung zu nehmen.


Hinweis: Die Stellungnahme "Schwerpunkte der Forschung an den Hochschulen. Stellungnahme zum Programm der Sonderforschungsbereiche" (Drs. 5107/02) wird im Internet als Volltext veröffentlicht, sie kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrats per E-Mail angefordert werden.

Dr. Uta Grund | idw
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaftsrat.de/

Weitere Berichte zu: DFG Exzellenzanspruch Profilbildung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie