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HRK-Präsident zur neuesten Entwicklung der Studierendenzahlen

05.12.2001


Nicht weniger, wie die Finanzminister meinen, sondern mehr in die Hochschulen investieren!



Positiv hat der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professor Dr. Klaus Landfried, das im laufenden Semester deutlich gestiegene Interesse am Hochschulstudium bewertet. Er reagierte damit auf die heute vom Statistischen Bundesamt bekannt gegebenen Studierendenzahlen. Danach ist die Zahl der Studienanfänger im ersten Hochschulsemester im Studienjahr 2001 (Sommersemester 2001 und Wintersemester 2001/02) mit 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr erneut angestiegen. Mit 342.000 Anfängerinnen und Anfängern ist das die höchste bisher je erreichte Zahl von Neu-Einschreibungen. Damit wurde die erst im Sommer veröffentlichte Prognose der Kultusministerkonferenz, die für das Studienjahr 2001 von 282.000 bis 318.000 Studienanfängern ausging, bei weitem übertroffen. Die Zahl der Studierenden stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent auf über 1,86 Millionen.



"Die Zahlen zeigen einmal mehr, dass die noch im Sommer beklagten Prognosen, die auf unsicheren Annahmen beruhen, mit Vorsicht zu genießen sind. Und: der Trend zu höherer Qualifikation wächst und könnte damit sogar langfristig auch die rückläufigen Effekte, die aus schwächeren Geburtenjahrgängen resultieren könnten, überdecken", so der HRK-Präsident. U.a. hätten sich die verstärkten Bemühungen von Hochschulen, Wirtschaft und Politik, geeignete junge Leute für ein Hochschulstudium zu gewinnen, niedergeschlagen. "Die Studienbewerberinnen und -bewerber haben begriffen, dass ihnen eine Hochschulausbildung gute Lebenschancen bietet, wenn sie diese aktiv nutzen." Hochschulabsolventen, insbesondere solche von Fachhochschulen, seien deutlich seltener von Arbeitslosigkeit betroffen. Außerdem sei bisher ihr Lebenseinkommen deutlich höher.

Angesichts des verstärkten Trends zum Studium bekräftigte Landfried seinen Appell an die politisch Verantwortlichen vor allem in den Ländern, endlich eine angemessene und international wettbewerbsfähige Finanzierung des Bildungsbereichs sicherzustellen. "Der angeblich einstimmig gefasste Skandal-Beschluss der Finanzminister vom September, die Investitionen in den Hochschulbereich jetzt nicht zu steigern und wegen rückläufiger Studierendenzahlen auf längere Sicht sogar zurückzufahren, wird mindestens für den Hochschulbereich durch diese Zahlen ad absurdum geführt. Mit Wirtschaft und Gewerkschaften sagen wir: Wir brauchen nicht weniger, wir brauchen deutlich mehr Geld für den Hochschulbereich. Wir müssen endlich dem Beispiel anderer Länder folgen, die bewusst auf Zukunftsfähigkeit setzen und ihre Investitionen in die Bildung seit Jahren steigern, sonst verlieren wir den Anschluss an die internationale Entwicklung", sagte Landfried. Mit der jetzigen Personalausstattung sie der Ansturm nicht zu bewältigen. Daher würden mancherorts Zulassungsbeschränkungen nötig, um nicht die Qualität zu gefährden.

Der Zuwachs sei aber auch Verpflichtung, die Strukturreform des Studiums zügig umzusetzen. Man könne nicht steigende Anteile eines Altersjahrgangs im tertiären Bereich nur mit den alten Strukturen ausbilden. Gegenwärtig befänden sich drei Viertel der Studierenden in universitären Studiengängen mit einer durchschnittlichen Studiendauer von über sechs Jahren. Der Umstieg auf ein zweistufiges Studium mit kürzeren Bachelor- und darauf aufbauenden Masterstudiengängen müsse in den nächsten Jahren geschafft werden. " Der überwiegende Teil der Studienanfänger ist daran interessiert, in einem überschaubaren Zeitraum eine Ausbildung abzuschließen, die ihnen den Einstieg in Berufe erlaubt. Wir werden unserer Verantwortung nicht gerecht, wenn wir die jungen Leute an ein Universitätsstudium heranführen, dann aber riskieren, dass sie irgendwo im Dickicht zu langer Ausbildungen den Überblick verlieren und das Studium wieder aufgeben, wie es gegenwärtig etwa dreißig Prozent der Studierenden tun."

Besonders erfreut zeigte sich Landfried, dass die positive Entwicklung der Anfängerzahlen bei den meisten Ingenieurstudiengängen weitergeht. Zwar sei die Zahl der Anfänger im Maschinenbau und in der Elektrotechnik noch nicht wieder auf dem Niveau der späten 80er Jahre, doch mit 15.250 Maschinenbaustudierenden im ersten Fachsemester seien immerhin 60 Prozent mehr Einschreibungen zu verzeichnen als im Jahr des absoluten Tiefstandes 1995. In der Elektrotechnik (12.500 Einschreibungen) seien die Zahlen im gleichen Zeitraum um 33 Prozent angestiegen. Wie empfindlich die Studienberechtigten auf die Signale des Arbeitsmarktes reagierten, zeige der leichte Rückgang der Anfängerzahlen in der Informatik um 4,6 Prozent. Dies sei auch eine Reaktion auf die Schwäche des neuen Marktes. "Allerdings haben sich die Einschreibzahlen in der Informatik in den letzten sechs Jahren insgesamt verdreifacht, so dass diese kleine Delle verkraftbar ist," erklärte der HRK-Präsident. Die Anfängerzahlen im Bereich des Bauingenieurwesens jedoch hätten sich seit dem Rückgang der Baukonjunktur Mitte der 90er Jahre halbiert.

Susanne Schilden | idw

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