Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wo im Studium der Schuh drückt...

29.10.2001


Erstsemester an der Universität Münster: Was erwarten sie vom Studium?


Als erste deutsche Hochschule hat die Universität Münster ihre 43.500 Studierenden von einer unabhängigen Stelle umfassend und detailliert um eine Bewertung ihrer Studienbedingungen gebeten. Die jetzt vorliegende Untersuchung "Studieren an der Universität Münster" vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover liefert interessante, teilweise überraschende Ergebnisse, die vom Rektorat der Universität zum Anlass für konkrete Verbesserungen genommen werden. Die Befragung soll in gut einem Jahr über das Internet wiederholt werden, um Änderungen festzustellen.

Wo im Studium der Schuh drückt - die Universität Münster wollte es als erste deutsche Hochschule ganz genau wissen und beauftragte das unabhängige "Hochschul-Informations-System" (HIS) in Hannover mit einer umfassenden und repräsentativen Befragung ihrer 43.500 Studierenden. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse zeigen eine große Zufriedenheit der Studierenden mit ihrer Universität insgesamt und auch mit der Hochschulstadt Münster, aber auch deutliche Kritik an den Studienbedingungen in verschiedenen Fachbereichen.

Ziel der in dieser Form und in diesem Umfang bundesweit erstmals durchgeführten Aktion war es, die Einschätzungen, Motive und Wünsche der Studierenden zu erfahren, um auf diese Weise die Qualität der Lehre und die Bedingungen des Studiums an der drittgrößten deutschen Hochschule weiter zu verbessern. Diese Maßnahmen sieht Rektor Prof. Dr. Jürgen Schmidt in engem Zusammenhang mit der Anstrengungen der Universität Münster, "im internationalen Wettbewerb der Hochschulen durch leistungsorientierte Profilierung einen Spitzenplatz zu behaupten".

Von den an 12.000 ausgewählte Studierende verschickten umfangreichen Fragebögen sind bis zum Ende des Wintersemesters 2000/2001 insgesamt 3.755 ausgefüllt zurückgegeben worden und von HIS in den letzten Monaten ausgewertet worden. Die hohe Rücklaufquote von fast einem Drittel erlaubt repräsentative Aussagen für alle 43.500 Studierenden der Universität Münster, aber auch zur Situation den verschiedenen Fachbereichen. Der am Montag, 29. Oktober 2001, in einer Pressekonferenz in Münster erstmals der Öffentlichkeit vorgestellte Abschlussbericht von Christoph Heine und Franz Durrer zeichnet auf insgesamt 153 Seiten ein differenziertes Meinungsbild mit interessanten und teilweise überraschenden Ergebnissen.

Insgesamt sind die Studierenden in Münster mit ihrer Universität und der Stadt, in der sie studieren und leben, durchaus zufrieden: Mehr als drei Viertel aller Studierenden gab an, gern an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu studieren. Nur für sechs Prozent trifft das Gegenteil zu. Folgerichtig würden auch zwei Drittel der Studierenden sich wieder für Münster als Studienort entscheiden. Bei der Wahl der Universität Münster als Studienplatz spielt die "Atmosphäre der Hochschulstadt" neben der Nähe zum Heimatort eine entscheidende Rolle. Wichtig sind aber auch das breite Studienangebot und der gute Ruf der Universität. Die in den letzten Jahren immer häufiger veröffentlichten Ranglisten von Hochschulen spielen dagegen für Studienanfänger kaum eine Rolle: Nur zwei Prozent gaben an, sich bei der Entscheidung für Münster an solchen Rankings orientiert zu haben.

Deutlich kritischer fallen die Bewertungen der befragten Studierenden aus, wenn konkret nach den Bedingungen im jeweiligen Fachstudium gefragt wird. 42 Prozent aller Studierenden ist alles in allem mit den Studienbedingungen im Hauptfach sehr oder doch überwiegend zufrieden, 37 Prozent sind unentschlossen und 19 Prozent äußern sich unzufrieden. Dabei zeigt sich, dass Studentinnen durchweg die Studienbedingungen in Münster schlechter beurteilen als ihre männlichen Kommilitonen. Deutliche Unterschiede ergab die Befragung auch bei der Studienzufriedenheit in den verschiedenen Fachbereichen: Besser als der universitätsweite Durchschnitt von 42 Prozent schnitten die Fachbereiche Physik, Katholische Theologie, Evangelische Theologie, Mathematik/Informatik, Chemie/Pharmazie, Geowissenschaften, Medizin und Geschichte/Philosophie ab. Darunter blieben die Fachbereiche Psychologie/Sport, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaften, Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Biologie und Philologie.

Besonders bemängelt wird von den Studierenden eine unzureichende Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden und fehlende Beratungsmöglichkeiten. Kritisiert werden auch Defizite bei der Einübung in wissenschaftliches Arbeiten und bei der Vorbereitung auf die Berufspraxis. Gut zwei Drittel aller Studierenden hält Rückmeldungen des Lernerfolgs durch Professoren und Dozenten für sehr wichtig, aber nur 17 Prozent vergeben für diesen Studienaspekt gute Noten.

Die Untersuchung "Studieren an der Universität Münster" liefert auch interessante und teilweise überraschende Hinweise zum sozialen Umfeld des Studiums. So zeigt sich, dass eine Erwerbstätigkeit neben dem Studium inzwischen eher die Regel als die Ausnahme darstellt. Nur ein Fünftel der Studierenden ist nicht neben dem Studium erwerbstätig, knapp die Hälfte jobbt ständig, auch während der Vorlesungszeit. Bei 28 Prozent der Studierenden nimmt der Zeitaufwand für den Job den gleichen Teil in Anspruch wie das Studium oder überwiegt sogar. 16 Prozent definieren sich selbst als "Teilzeitstudierende".

Während sechs Prozent aller Studierenden behindert sind oder an chronischen Krankheiten leiden, gab jeder Fünfte an, im Studium durch psychische Schwierigkeiten beeinträchtigt zu sein oder gewesen zu sein. Im Vordergrund stehen dabei Prüfungsangst, depressive Stimmungen, mangelndes Selbstwertgefühl und Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten. Probleme mit Alkohol, Drogen und Medikamenten gaben vier Prozent an. Für etwa ein Zehntel aller Studierenden besteht großer persönlicher Bedarf an Beratung und Hilfestellung wegen psychosozialer Schwierigkeiten.

Rektor Prof. Schmidt setzt auf eine breite Diskussion der vielfältigen und für die Fachbereiche sehr unterschiedlichen Ergebnisse der Studierendenumfrage im Wintersemester, "um anschließend zu konkreten Verbesserungen bei Studium, Lehre und Serviceangeboten zu gelangen". Das umfangreiche Datenmaterial diene als wichtige Arbeitsgrundlage für die Strukturdiskussion vor allem in den Fachbereichen, "denn nur in den Fachbereichen selbst können möglichst zielgenaue und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung von Studium, Lehre und studienbezogener Infrastruktur entwickelt und umgesetzt werden".

Die Universität Münster will es nicht bei der jetzt vorliegenden Bestandsaufnahme bewenden lassen. Rektor Prof. Schmidt kündigte an, das Projekt werde in etwa einem Jahr mit einer Folgebefragung durch HIS fortgesetzt, dann allerdings über das Internet und per E-Mail. Zum einen sollen auf diese Weise Veränderungen in den Einschätzungen und Urteilen der Studierenden über ihre Studiensituation ermittelt werden, zum anderen werde danach gefragt, wie die auf Basis der jetzigen Befragung bereits eingeleiteten Verbesserungsmaßnahmen von den Studierenden bewertet werden. Dies zeige die Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit, mit der die Universität Münster ihr Ziel einer Qualitätsverbesserung verfolge.

Norbert Frie | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/Studienberatung/Studierendenbefragung/fragebogen.htm

Weitere Berichte zu: HIS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Meilenstein in der Forschung: Enabling Innovation
06.09.2017 | Rheinische Fachhochschule Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie