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Deutsche Gesellschaft für Psychologie plant Test für Studieneignung

23.02.2006


Die Hochschulen in Deutschland haben die Wahl: Seit der Novelle des HRG von 2004 steht es ihnen frei, ihre Studierenden auch in den NC-Fächern wie Medizin und Psychologie zu einem großen Prozentsatz selbst auszuwählen. Vorgeschrieben ist lediglich, dass die Abiturnote einen maßgeblichen Einfluss haben muss. Doch zu der Abiturnote können weitere Auswahlkriterien hinzukommen. In manchen Bundesländern ist dies sogar zwingend vorgeschrieben. Damit ändert sich die Auswahl der Studierenden grundlegend. Die fachspezifische Eignung für ein Studium wird nun bedeutsam und die allgemeine Eignung (Abiturnote) tritt ein Stück weit zurück. Hatten bisher die Abiturbesten die begehrtesten Studienplätze bekommen, werden künftig auch Bewerberinnen und Bewerber eine Chance erhalten, die für ein bestimmtes Fach geeignet sind, ohne mit Bestnoten aufwarten zu können. Aber wie kann man die Eignung für ein Studium feststellen? Viele denken dabei zunächst an das Auswahlgespräch und haben die Hoffnung, aus den Antworten auf mehr oder weniger standardisierte Fragen auf die Motivation und Eignung der Bewerberinnen und Bewerber schließen zu können. Doch die hohe subjektive Gewissheit, die "Richtigen" im persönlichen Gespräch erkennen zu können, ist trügerisch. Studienergebnisse aus Deutschland und den USA zeigen, dass Auswahlgespräche nur einen sehr bescheidenen Beitrag zur Verbesserung der Vorhersage des späteren Studienerfolgs leisten können. Auswahlgespräche sind für alle Beteiligten sehr aufwändig, insbesondere für die Bewerberinnen und Bewerber, die bei den heute üblichen Mehrfachbewerbungen zu jedem einzelnen Gespräch extra anreisen müssen. Auswahlgespräche sind leicht trainierbar, da davon auszugehen ist, dass die Fragen schnell bekannt werden. Im Gespräch haben die sprachlich Gewandteren die besseren Chancen. Damit erhöht sich die Gefahr einer noch stärkeren sozialen Selektion, die ohnehin in Deutschland stark ausgeprägt ist. Was sind die Alternativen? Wie lässt sich eine wissenschaftlich begründete und gesellschaftlich verantwortbare Auswahl gestalten, die eine gegenseitige Passung von Studienfach und Bewerberinnen und Bewerbern fördert?



Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs), die die in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen in Deutschland vertritt, schlägt Studierfähig-keitstests vor, wie sie auch in den angloamerikanischen Ländern erfolgreich eingesetzt werden. Studierfähigkeitstests sind neben der Abiturnote am besten zur Vorhersage des Studienerfolgs geeignet. Sie sind objektiv, für alle Beteiligten ökonomisch und anforderungsbezogen, da sie gezielt die fachliche Eignung für ein Studienfach prüfen. Durch internet-gestützte Beispielaufgaben können sich zudem alle Bewerber und Bewerberinnen im Vorfeld mit den Anforderungen vertraut machen.

Prof. Dr. Olaf Köller und Prof. Dr. Oliver Wilhelm von der HU Berlin haben für das Fach Psychologie einen Studierfähigkeitstest entwickelt, der als Modell auch auf andere Studienfächer übertragbar ist. Der Test besteht aus vier Modulen, die spezifische Anforderungen für das Psychologiestudium erfassen. Er soll dezentral an einem Tag im November an allen beteiligten Studienorten gleichzeitig durchgeführt werden. Die Test-aufgaben werden fortlaufend neu entwickelt, so dass ein "Aufgabenklau" nutzlos ist: Jeder neue Bewerbungsjahrgang startet somit unten den gleichen Voraussetzungen. Die Testergebnisse sollen zentral durch die ZVS in die Bewerbungen eingefügt und den Hochschulen zur Verfügung gestellt werden. Die Institute haben dabei die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Profilbildung einzelne inhaltliche Module des Tests spezifisch zu gewichten. Die Vorteile eines solchen Verfahrens liegen auf der Hand: Die Bewerber brauchen nur einen Test zu absolvieren und qualifizieren sich damit für alle am Verfahren beteiligten Studienorte, die sie dann nach ihren Vorlieben auswählen können. Und vor allem: Der Test ist objektiv und wählt diejenigen aus, die für das getestete Studienfach am besten geeignet sind.

Prof. Dr. Edgar Erdfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgps.de

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