Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bahnbrechende Erfindungen aus Medizin und Physik

18.11.2005


Preisverleihung Hochschulwettbewerb "patente Erfinder"



Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart hat heute in Düsseldorf vier nordrhein-westfälische Forscherteams als Sieger des Hochschulwettbewerbs "patente Erfinder" geehrt. Die Preisträger wurden ausgezeichnet für besonders innovative Erfindungen mit hohem Marktpotenzial. An dem mit insgesamt 41.000 Euro dotierten Wettbewerb, den das NRW-Innovationsministerium, die Patentverwertungsagentur Provendis GmbH und der Patentverbund der Hochschulen in NRW ausgeschrieben hatten, beteiligten sich 60 Arbeitsgruppen aus allen Fachrichtungen der NRW-Hochschulen.



Minister Pinkwart: "Das Interesse an dem Wettbewerb zeigt mir, dass sich unsere Hochschulforscher immer stärker bewusst werden über die Chancen und Möglichkeiten durch Hochschulpatente. Von der Bandbreite der Erfindungen aus unterschiedlichen Technologiebereichen bin ich beeindruckt. Mit den Preisen wollen wir daher den Weg dieser Innovationen auf den Markt unterstützen."

Der Minister hob in diesem Zusammenhang die Leistungen der Provendis GmbH hervor: Die Patentvermarktungsagentur prüft seit 2002 im Auftrag des Ministeriums Patentierbarkeit und wirtschaftliches Potenzial der Hochschulerfindungen und entwickelt mit den Hochschulerfindern Strategien für Patentierung und Verwertung. Gleichzeitig sucht Provendis entsprechende Lizenznehmer und handelt Lizenzkonditionen aus. Alfred Schillert, Geschäftsführer der Provendis GmbH, unterstrich bei der heutigen Preisverleihung, dass die Mehrzahl der preisgekrönten Erfindungen entweder aus den Lebenswissenschaften stammen oder in diesem Bereich anwendbar sind: "Das entspricht dem hohen Anteil von Hochschulerfindungen aus diesem Gebiet und passt zu dem wachsenden Absatzmarkt auf dem Gesundheitssektor."

Die Preisträger:

Protonen fokussieren für Tumormedizin und Materialforschung

Den mit 15.000 Euro dotierten ersten Preis erhielten Prof. Dr. Oswald Willi und Toma Toncian vom Institut für Laser- und Plasmaphysik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf für den Bau von Funktionsmustern oder Prototypen. Gemeinsam mit ihren Kollegen Dr. Marco Borghesi von der Queens Universität Belfast und Dr. Julien Fuchs, Laboratoire pour l’Utilisation des Lasers Intenses (LULI) Palaiseau, Frankreich, haben sie eine bahnbrechende Erfindung gemacht: Die Wissenschaftler können erstmals laserinduzierte Protonenstrahlen fokussieren. Dazu erzeugen die Physiker - wider die Gesetze der klassischen Physik - mit einem Femtosekundenlaser ein elektrisches Feld in einem metallischen Hohlzylinder. In der Medizin werden fokussierte Protonenstrahlen zur gezielten Bestrahlung von Tumoren sowie zur Herstellung von Radioisotopen zur Krebstherapie benötigt, in der Materialforschung für Strukturuntersuchungen oder Protonenlithografie.

Neues Antigen verbessert Diagnostik und Verständnis chronischer Entzündungen von Darm und Leber

Mit dem zweiten Preis über 10.000 Euro wurden Mediziner des Universitätsklinikums Bonn ausgezeichnet. Dr. Birgit Terjung und Prof. Dr. Ulrich Spengler ist es gelungen, das passende Antigen zum Antikörper p-ANCA nachzuweisen. Dieser Antikörper befindet sich bei chronischen Erkrankungen von Darm und Leber wie Colitis ulcerosa oder Immunhepatitis im Blut der erkrankten Patienten. Zur Diagnose und Verlaufskontrolle bei solchen Erkrankungen ist es notwendig, diesen Antikörper zu bestimmen. Bisher werden diese Antikörper direkt durch fluoreszierende Farbstoffe nachgewiesen. Dieser Nachweis ist jedoch technisch sehr aufwändig und bedarf viel Erfahrung. Mit dem von ihnen entdeckten Antigen, einem Eiweiß, haben PD Dr. Terjung und Prof. Dr. Spengler die Entwicklung eines Routinetests ermöglicht, mit dem man die Antikörper auf indirektem Wege viel einfacher und präzise nachweisen kann.

Neuer Peptidantagonist schützt vor Atherosklerose

Den dritten Preis in Höhe von 8.000 Euro erhielten Prof. Dr. Christian Weber, Dr. Philipp von Hundelshausen und Dr. Rory Koenen vom Universitätsklinikum Aachen für die Entwicklung eines neuen Peptidantagonisten zum Schutz vor Atherosklerose. Der Peptidantagonist hemmt die Bindung zweier Signalmoleküle, so genannter Chemokine. Diese werden von Blutplättchen freigesetzt und verstärken in gebundener Form die Anheftung bestimmter weißer Blutkörperchen auf der Zellhaut der Gefäße. Da aktivierte Bluttplättchen ein entscheidender Faktor für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind, haben sich Medikamente wie Aspirin oder Clopidogrel durchgesetzt. Diese bringen allerdings eine höhere Blutungsgefahr mit sich und werden bei fortgeschrittenem Gefäßbefall und Infarktereignissen eingesetzt. Da der neue Peptidantagonist nur die Bindung der zwei Chemokine aneinander verhindert, diese jedoch funktionell aktiv bleiben, ist eine nebenwirkungsarme Behandlung zur längerfristigen Prävention ohne Blutungsrisiko vorstellbar.

Lizenz zum Patent bildet Grundlage für Unternehmensgründung

Den Sonderpreis Technologietransfer, dotiert mit 8.000 Euro, erhielten Kernphysiker der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster für die Erfindung und den Transfer eines Mikroskopsystems. Mit dem von Prof. Dr. Dieter Frekers, Ishak Aksit und Christian Wachsmann entwickelten "Anti-Motion-Blurring Imaging System" (AMBIS) können zum Beispiel Laborproben vollautomatisch digitalisiert werden. Schnell und ohne die üblichen Start-Stopp-Sequenzen bei der mikroskopischen Bildaufnahme können mit AMBIS innerhalb kürzester Zeit beispielsweise pathologische Schnitte in hochauflösende Digitalbilder für die Diagnose umgewandelt werden. Der Arzt kann diese anschließend am PC auswerten und digital archivieren. Auf Basis der Erfindung gründeten die Wissenschaftler Prof. Dr. Dieter Frekers, Dr. Kirsten Bünger und Dr. H.-P. Schmitz-Borchert die MedXP GmbH im Wissenschaftspark Gelsenkirchen.

André Zimmermann | idw
Weitere Informationen:
http://www.innovation.nrw.de
http://www.innovation.nrw.de/Presse/Pressetermine/index.html

Weitere Berichte zu: Antigen Antikörper Erfindung Peptidantagonist Physik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Regensburger Forscher entwickeln weltweit einzigartiges Online-Mentoring-System
10.01.2018 | Universität Regensburg

nachricht Neues Virtual Reality-Labs für Medizinstudierende: Lernen mit Cyber-Herz und virtuellem Darm
10.01.2018 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie