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Fraunhofer in Moskau

31.10.2005


Russische Wissenschaftler und Unternehmen arbeiten schon seit Jahren eng mit Fraunhofer-Forschern zusammen. Seit 31. Oktober 2005 gibt es in Moskau ein eigenes »Fraunhofer Representative Office«. Es wird künftig den Technologie-Transfer und den Ausbau strategischer Partnerschaften unterstützen.

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»Europa wächst zusammen: Kleine und mittelständische Unternehmen sind mehr und mehr international tätig. Als anwendungsnaher Forschungspartner begleiten wir sie bei ihren Aktivitäten auf den globalen Märkten«, sagt Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Um unsere Kunden kompetent beraten zu können, haben wir in den letzten Jahren unsere europäischen Aktivitäten verstärkt.« Bereits 2001 hat die Fraunhofer-Gesellschaft ein Representative Office in Brüssel gegründet. Jetzt wird ein zweites in Moskau eröffnet.

»Russland ist nicht nur das größte Land Europas und unser Nachbar, sondern auch ein strategisch besonders wichtiger Partner«, erklärt Bullinger. Zwei Gründe sprechen seiner Ansicht nach für eine besonders intensive Zusammenarbeit: Russland ist ein riesiger Markt mit enormen Wachstumschancen und einem hohen Bedarf an technologischer Weiterentwicklung. Hier können die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, die darauf spezialisiert sind, wissenschaftliche Erkenntnisse schnell und zielstrebig in erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen umzusetzen, einen wichtigen Beitrag leisten. Gleichzeitig gibt es in Russland exzellente Forschungseinrichtungen und hochkarätige Wissenschaftler, mit denen die Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft in Zukunft noch enger kooperieren wollen. »Mit dem Büro wollen wir eine Brücke schlagen zwischen den Fraunhofer-Instituten und der russischen Scientific Community sowie der Indus-trie. Es soll die Zusammenarbeit in Zukunft erleichtern und intensivieren«, sagt Bullinger.


Tatsächlich hat die Kooperation von Fraunhofer-Forschern mit russischen Wissenschaftlern und Ingenieuren eine lange Tradition. Auf dem Symposium zur Eröffnung des Moskauer Büros stellten die Leiter von sieben verschiedenen Fraunhofer-Instituten zusammen mit ihren russischen Partnern die erfolgreichsten Projekte vor:

Qualitätsgarantie für Flugzeugteile

Ein gemeinsames Labor für die Entwicklung neuer Messsysteme haben Forscher vom Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in magdeburg zusammen mit dem russischen Institut für Luftfahrttechnik sowie dem dortigen Institut für Auto- und Straßenwesen gegründet. In dem neuen Joint-Lab werden in den nächsten Jahren Lösungen für die Praxis erarbeitet.

Derzeit entwickeln die Forscher ein System, mit dem sich Flugzeug-ersatzteile identifizieren und kennzeichnen lassen. Deren Herkunft und Zustand muss fälschungssicher dokumentiert werden. Die Informationen sollen dabei auf Funketiketten, in der Fachsprache RFID-Transpondern gespeichert werden. Das neue System bietet die Chance, weltweit die Ersatzteillogistik zu verbessern. Im Joint-Lab sollen außerdem Messsysteme entstehen, die sich für die Qualitätskontrolle, die Überwachung von Verkehrsströmen oder die Simulation von Produkt- oder Prozessentwicklung eignen.

Qualitätsprüfung für Eisenbahnräder

Für den Stahlproduzenten Nishnij Tagil Metallkombinat haben Forscher vom Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP in Saarbrücken und der Fraunhofer-Technologie Entwicklungsgruppe TEG in Stuttgart die weltweit modernste Anlage zur Ultraschallprüfung bei der Herstellung von Eisenbahnrädern entwickelt. Das Projekt, an dem auch verschiedene Industriepartner beteiligt waren, wurde am IZFP koordiniert. Mit Ultraschall werden Einschlüsse und andere Fehler im Inneren sichtbar gemacht. »Die Prüfanlage kann selbst geringfügige Inhomogenitäten nach der russischen Norm RD-32.144-2000 und der Euronorm EN13262 aufspüren und liefert eine solide Datengrundlage für die Klassifikation eines fertigen Rades. Diese Klassifikation entscheidet darüber, ob ein Rad in Hochgeschwindigkeitszügen eingesetzt werden kann oder ob sich seine Qualität für den Güterverkehr eignet«, berichtet Prof. Michael Kröning, Leiter des IZFP in Saarbrücken. Die erste Radprüfanlage ist bereits in Betrieb, die zweite wird derzeit installiert.

Schaltungen für die Telekommunikation

Enge Beziehungen zu Russland hat auch das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen. Zusammen mit Wissenschaftlern der Staatlichen Polytechnischen Universität St. Petersburg, SPBSTU entwickeln die Fraunhofer-Forscher neue integrierte Schaltungen, die in der Kommunikations- und Messtechnik eingesetzt werden können. Die theoretischen Grundlagen werden dabei hauptsächlich von den Petersburger Partnern erarbeitet und dann unter Anleitung von Wissenschaftlern am IIS von Gastwissenschaftlern und Studenten umgesetzt. Damit gehen Grundlagenforschung, Anwendung und Ausbildung Hand in Hand.

Wettbewerbsvorteile durch Kooperation

Erfahrungen mit der grenzüberschreitenden Kooperation hat auch das Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm Klauditz-Institut WKI in Braunschweig: »Wir kooperieren derzeit mit zehn großen Baufurnierholz-Herstellern«, berichtet Harald Schwab. »Da wir eine von der EU anerkannte Stelle zur Zertifizierung von Bauprodukten sind, können wir unseren Partnern erklären, welche Voraussetzungen notwendig sind, um auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Auf Wunsch führen wir auch vor Ort Prüfungen durch – die EU macht hier genaue Vorgaben, wie die Qualität der Produkte beschaffen sein muss. Russische Unternehmen, die zertifiziert sind, können ihre Produkte – ohne weitere Prüfungen – in alle Staaten der EU exportieren.«

Gemeinsam forschen – voneinander lernen

Viele Fraunhofer-Institute pflegen regen Kontakt zu russischen Forschergruppen. »Uns liegt die Kombination von deutscher und russischer Ingenieurausbildung sehr am Herzen«, betont Prof. Heinz Gerhäuser, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen. Das IIS und die Staatliche Universität Wladimir entwickelten gemeinsam ein Programm, das es russischen Studenten ermöglicht, Fachpraktika in Deutschland zu absolvieren, deren Ergebnisse in die russische Hochschulabschlussarbeit integriert werden. Am Fraunhofer-Institut für zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP wiederum gibt es einen eigenen Studiengang für Informatik, dessen Abschluss in beiden Ländern anerkannt wird.

Die verschiedenen Kooperationen sollen künftig durch das neue Fraunhofer Representative Office in Moskau begleitet und koordiniert werden. »Wir schaffen dadurch die Voraussetzungen für eine Optimierung der Arbeitsabläufe und Erleichterungen bei der Kooperation«, resümiert Bullinger. »Das Wichtigste ist uns jedoch, dass das Büro im Russisch-Deutschen-Haus ein Ort für Begegnungen und fachlichen Austausch wird – eine Kontaktbörse für Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft, zur Stärkung der gemeinsamen Wertschätzung und als Basis für eine gemeinsame Zukunft.«

Fraunhofer: Forschen für die Praxis

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa. Sie wurde 1949 in München gegründet und nach dem bekannten deutschen Erfinder, Wissenschaftler und Unternehmer Joseph von Fraunhofer, dem Entdecker der Fraunhofer’schen Linien, benannt.

Mittlerweile betreibt die Fraunhofer-Gesellschaft rund 80 Forschungseinrichtungen, davon 58 Institute, an über 40 Standorten in ganz Deutschland. Rund 12 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in fast allen technologischen Bereichen – von der Mikrosystemtechnik bis hin zur Biotechnologie. Sie schaffen eine einzigartige Forschungskultur, die sich an den aktuellen technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen orientiert, ohne dabei die Grundlagenforschung außer Acht zu lassen. Besondere Bedeutung hat dabei die Interdisziplinarität.

Die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft haben sich in sieben thematisch orientierten Forschungsverbünden organisiert, um die fachliche Kooperation zu verstärken und den Kunden eine gemeinsame und koordinierte Leistung anbieten zu können:

  • Informations- und Kommunikationstechnik
  • Mikroelektronik
  • Produktion
  • Werkstoffe, Bauteile
  • Life Sciences
  • Oberflächentechnik und Photonik
  • Verteidigungs- und Sicherheitsforschung

Maria-Anna Courage | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

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