Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine "neue" Krankheit

14.09.2005


Erste interdisziplinäre Spezialambulanz für GIST

... mehr zu:
»GIST »Imatinib »Tumorart

Seit fünf Jahren erst gibt es die Diagnose: Gastrointestinale Strumatumoren (GIST). Was vorher in die Weichteil-Sarkome klassifiziert wurde, ist nun als eigenständige Krankheit erkannt, die zwar selten, aber dennoch in den Mittelpunkt des onkologischen Interesses gelangt ist. Erst im März 2004 wurden Standards zur Diagnose und Behandlung der Tumorart definiert. In diesem Monat eröffnet das Klinikum der Universität München eine Spezialambulanz.

GIST ist eine seltene und aggressive Tumorart im Magen-Darmtrakt. Jedes Jahr gibt es in Deutschland 2.000 Neuerkrankungen (weltweit 10.000), eine Gesamtzahl der Erkrankungen ist derzeit nicht solide ermittelbar, da die Diagnose noch nicht lange routinemäßig eingesetzt wird und das Wissen über die Krankheit leider oft noch begrenzt ist. Nicht selten wird an einem Patienten "herum"therapiert, bis er an einen GIST-erfahrenen Arzt gelangt. Überwiegend betroffen sind Menschen zwischen 55 und 65 Jahren, Männer häufiger als Frauen.


Symptome

Ein Drittel der Patienten ist bei der Erstdiagnose asymptomatisch, und kleine Tumoren werden meist zufällig bei endoskopischen Routineuntersuchungen gefunden. GIST wachsen schnell, so dass ein Druck- und Völlegefühl im Magen-Darmtrakt erste klinische Zeichen sind. Bei großen Tumoren tritt zudem oft eine Anämie auf. Gastrointestinale Blutungen sind bei etwa 20 % der Patienten das erste Symptom und können lebensbedrohlich sein. Die Metastasen von GIST finden sich meist in der Leber und dem Bauchfell.
GIST kann bei Patienten, die bislang mit einer falschen Krebsdiagnose gelebt haben, "rückwirkend" diagnostiziert werden.

Lokalisation

GIST können vom Rachen bis zum Rektum vorkommen; die häufigste Lokalisation ist der Magen (50%), gefolgt von Dünndarm (30%) und Dickdarm (10%).

Diagnose

Zwingend ist die histologische Untersuchung und kontrastmittelverstärkte Computertomographie, bei besonderen Fragestellungen wird zudem die Kernspintomographie oder das PET-CT eingesetzt.

Therapie

Operable Tumoren werden immer chirurgisch entfernt. Da sich GIST gegen Chemo- und Strahlentherapie als weitgehend resistent erwiesen hat, war die Entdeckung des Tyrosinkinaseinhibitors Imatinib ein Meilenstein in der wissenschaftlich jungen Beschäftigung mit der Tumorart. Imatinib hemmt ein Enzym (Tyrosinkinase kit) und somit die Vervielfältigung eines Gens, die Tumorzellen erhalten keinen Wachstumsstimulus mehr. Durch das seit Mai 2002 zugelassene Medikament Imatinib (Glivec®) konnte eine Therapie entwickelt werden, die für GIST-Patienten Erfolg versprechend ist. "Bei Inoperabilität oder Metastasierung ist die orale Therapie mit Imatinib heute Standard", so Dr. med. Marcus Schlemmer. "Überlebten diese Patienten bisher etwa ein Jahr, sehen wir heute schon längere Lebenszeiten und eine verbesserte Ansprechrate." Vorher war die Diagnose eines GIST mit Fernmetastasen gleichbedeutend mit einer nicht therapierbaren Krebserkrankung. "Heute kann auch bei einer lokal fortschreitenden Erkrankungen die Kombination aus Operation und Glivec® ansprechen", ergänzt Privatdozentin Dr. Christiane Bruns.

Am Klinikum der Universität München wird zum 16. September 2005 die erste interdisziplinäre Spezialambulanz in Deutschland eröffnet. In einer Zusammenarbeit der Medizinischen Klinik III (Direktor: Professor Dr. Wolfgang Hiddemann) und der Chirurgischen Klinik (Direktor: Professor Dr. Karl-Walter Jauch) haben nun betroffene Patienten die Möglichkeit, anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse gleichzeitig von Chirurgen und Internisten beraten und therapiert zu werden.

Sprechzeiten der Spezialambulanz:
Freitags von 12 bis 13 Uhr
Dr. Marcus Schlemmer und Privatdozentin Dr. Christiane Bruns
Medizinische Klinik III und Chirurgische Klinik - Klinikum der Universität München
Marchionistraße 15
81377 München
Telefon 089-7095 - 3505

Bei Rückfragen:
Marcus.Schlemmer@med.uni-muenchen.de

Am 23. und 24. September 2005 findet in Bad Soden/Taunus das dritte bundesweite Treffen für GIST- Patienten, Angehörige und Mediziner statt. Programm siehe unter www.daslebenshaus.org

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: GIST Imatinib Tumorart

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wellen schlagen

Computerwissenschaftler verwenden die Theorie von Wellenpaketen, um realistische und detaillierte Simulationen von Wasserwellen in Echtzeit zu erstellen. Ihre Ergebnisse werden auf der diesjährigen SIGGRAPH Konferenz vorgestellt.

Denkt man an einen See, einen Fluss oder an das Meer, so sieht man vor sich, wie sich das Wasser kräuselt, wie Wellen gegen die Felsen schlagen, wie Bugwellen...

Im Focus: Making Waves

Computer scientists use wave packet theory to develop realistic, detailed water wave simulations in real time. Their results will be presented at this year’s SIGGRAPH conference.

Think about the last time you were at a lake, river, or the ocean. Remember the ripples of the water, the waves crashing against the rocks, the wake following...

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wolken über der Wetterküche: Die Azoren im Fokus eines internationalen Forschungsteams

29.06.2017 | Geowissenschaften

Wellen schlagen

29.06.2017 | Informationstechnologie