Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Steine für grundlegende Bildung wichtig sind - Ein bildungsdidaktischer Film für angehende Lehrer

25.04.2005


Eltern bekommen meist noch eine zweite Chance: Zusammen mit ihren Kindern entwickeln sie wieder einen Blick für Details und die kleinen Wunder der Welt - nachdem sie oft das Staunen ihrer eigenen Kindheit vergessen haben. Dabei sind einfache Steine meist schon genug für eine spannende Entdeckungsreise. Schließlich sind sie eben nicht alle gleich, sondern unterscheiden sich in Größe, Farbe, Struktur und Gewicht. Wie weit reichend Steine auch im Grundschulunterricht eingesetzt werden können, zeigt jetzt ein bildungsdidaktischer Lehrfilm von Professor Maria-Anna Bäuml-Roßnagl, Department für Pädagogik und Rehabilitation der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. "Steine wandern durch viele Welten und sprechen ohne Worte", meint Bäuml-Roßnagl. "Sie sind aber auch ein universaler Bildungsgegenstand. Das Allerweltsding Stein können die Kinder mit Hand, Fuß, Auge, Ohr, Herz und Geist erkunden."



Anfassen, Beschreiben, Bearbeiten und Interpretieren: Die Studierenden für das Lehramt Grundschule dürfen im Seminar zum Bildungsgegenstand Steine selbst erst einmal machen, was ihre Schüler später auch erfahren sollen. Nicht nur Didaktik, auch die Fachperspektiven Philosophie/Ethik und Kunstpädagogik wurden für die Aufarbeitung der Thematik herangezogen. Aufnahmen, die während des Seminars gemacht wurden, sind die Grundlage des Films, der aus zwei Teilen besteht: "Steinphänomene in interdisziplinärer Perspektive" zeigt Mitschnitte des Seminars, und "Szenen zur Schulpraxis" bietet Beispiele aus dem Unterricht. "Über mehrere Semester hinweg habe ich mit Kollegen und Studierenden gemeinsam das Material für dieses außergewöhnliche Filmkonzept entwickelt", berichtet Bäuml-Roßnagl. "Besonders interessant war für mich der Grund, warum viele Studierende in das Seminar kamen: Sie haben sich an positive Erfahrungen, die sie in ihrer Kindheit mit Steinen gemacht haben, erinnert."

... mehr zu:
»Grundschule »Pädagogik


Seminar und Film wollen den angehenden Grundschullehrern eine Möglichkeit eröffnen, die besondere Wahrnehmung von Kindern zu nutzen. Steinerlebnisse sind Anlass für subjektive Lebensdeutung und objektive Wissensaneignung. Ein Thema, das angesprochen werden kann, ist beispielsweise die Gewalt, sind Steine doch oft die erste "Waffe", die Kinder untereinander mit Absicht oder aus Versehen einsetzen. Am Anfang des Lernens mit Hilfe der Steine steht für Kinder die "leibsinnliche Exploration". Bäuml-Roßnagl spricht in diesem Zusammenhang von einem "Fühldenken", das das Verstandesdenken ergänzt. "Beim Kind kommt immer zuerst die sinnliche Primärerfahrung", meint sie. "Dann erst sollten wissenschaftliche Fakten folgen. Das ermöglicht multisensorisches Lernen - letztlich den Königsweg des Lernens."

Die Möglichkeiten, Steine in den Unterricht einzubringen, scheinen fast unbegrenzt. Kinder können sie ertasten, mit Farbe gestalten oder "Steinmusik" machen. Mit Hilfe der Steine können die Kleinen auch ihre eigene Welt erklären. Ein Beispiel im Film zeigt eine Seminarteilnehmerin im Unterricht: Steine stehen dabei stellvertretend für die Familienmitglieder der Kinder, die so einen Teil ihrer eigenen Umwelt ausdrücken konnten. Sie legen mit Steinen ein Soziogramm ihrer häuslichen Lebenswelt. Große Steine repräsentieren die Eltern oder etwa erwachsene Geschwister, kleine Steine stehen für die Kinder. Ein Schüler aber verlangt nach einem mittelgroßen Stein: "Wir haben nämlich einen Hund."

Steine als Kultur- und Erinnerungsträger können beispielsweise im Fach Sachkunde eine Rolle spielen, wenn Denkmäler und Grabsteine angesprochen oder sogar besucht werden. So kann veranschaulicht werden, dass eine Qualität der Steine für den Menschen schon immer besonders wichtig war: Sie scheinen für die Ewigkeit geschaffen. So sollen Denkmäler aus Stein eben das Vergessen von Personen und Ereignissen verhindern. Ein anderes Beispiel sind Steinhäuser, die Schutz vor der Natur bieten sollen. Auch hier steht die Stabilität der Steine im Vordergrund.

Dies kann ein Übergang zur Frage sein, woher Steine kommen und damit zu ihrer Wissenschaft, der Geologie, führen. Was lässt sich anhand der Steine über die Geschichte der Erde ablesen, und welche Prozesse haben zur Bildung der Steine und ihrer Vielfalt geführt? Im Film weist eine Schülerin darauf hin, dass Sand nur der Überrest von Steinen ist, die das Meer in kleine und kleinste Teile zerlegt hat. Ganz für die Ewigkeit gemacht sind also auch Steine nicht. So kann das Thema Vergänglichkeit des Lebens und der Welt auch in der Grundschule vorsichtig eingeführt werden. Steine sind ein Bildungsgegenstand, der die Alltagswelt der Kinder mit nahezu allen Fachbereichen in der Schule über alle Stufen der Grundschule hinweg verknüpfen kann. Sie sind außerdem ein so universaler Bildungsgegenstand, dass sie für Menschen in allen Kulturen und in allen Lebensphasen bedeutsam sind. (suwe)

Weitere Informationen zum hochschuldidaktischen Lehrfilm "Steine als Bildungsgegenstand":
www.paed.uni-muenchen.de/~baeuml-rossnagl/SteinealsBildung.html

Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl
Department für Pädagogik und Rehabilitation
Tel: 089/2180-5103
Fax: 08803/60539-(privat)
E-Mail: baeuml-rossnagl@lrz.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/
http://www.paed.uni-muenchen.de/~baeuml-rossnagl/SteinealsBildung.html

Weitere Berichte zu: Grundschule Pädagogik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik