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16. Sozialerhebung vorgestellt: DSW fordert konsequente Politik der sozialen Öffnung der Hochschulen

19.07.2001


Seit 1951 führt das Deutsche Studentenwerk (DSW) regelmäßig Befragungen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in Deutschland durch. Die Befragung zum Hochschulzugang und Studienverlauf, zur sozialen Zusammensetzung, zu Einnahmen und Ausgaben der Studierenden, zur Studienförderung, zu Erwerbstätigkeit und zum studentischen Wohnen u.a. wird mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vom HIS Hochschul-Informations-System durchgeführt. Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks dient als zentrale Planungs- und Entscheidungsgrundlage für Politik, Hochschulen und Studentenwerke.
Ausgewählte Ergebnisse dieser Untersuchung, die im Befragungszeitraum Wintersemester 1999/2000 rund 1,51 Millionen Studierende an 303 Hochschulen umfasste, wurden heute in einer Pressekonferenz präsentiert.

Im Fokus: Soziale Zusammensetzung und Bildungsbeteiligung
"Ob es uns angenehm ist oder nicht, wir müssen konstatieren: In Deutschland findet auf dem Weg ins Studium eine soziale Selektion statt", fasste der Präsident des DSW, Prof. Dr. Hans-Dieter Rinkens, die Ergebnisse zur sozialen Zusammensetzung und zur Bildungsbeteiligung der Studierenden zusammen. "Der familiäre Hintergrund (Bildung, berufliche Stellung, Einkommen) ist nach wie vor für den Bildungsweg eines jungen Menschen von entscheidender Bedeutung", so der Präsident.
Der Trend, dass immer mehr Studierende aus Elternhäusern stammen, in denen zumindest ein Elternteil auch über eine Hochschulreife verfügt, ist bereits seit längerem zu beobachten. 1985 lag dieser Anteil noch bei gut einem Drittel (36 %), im Jahr 2000 bei 52 Prozent. Umgekehrt ist die Entwicklung des Anteils der Studierenden verlaufen, die aus bildungsferneren Elternhäusern stammen: Im Zeitraum 1985-2000 ist der Anteil derjenigen, die aus Elternhäusern mit Hauptschulabschluss stammen, von fast zwei Fünftel auf ein Fünftel zurückgegangen.
"Deutschland hat zu wenig Studienanfänger, das wissen wir. Die Sozialerhebung macht deutlich, wo das Potenzial für weitere Studierende zu suchen ist", bilanzierte der Präsident.
"Spätestens jetzt - gerade wegen des sich abzeichnenden drastischen Mangels an Akademikern - sollten diese Fakten für die Politik ein klarer Auftrag zum Handeln sein", mahnte Rinkens. "Wer die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft sichern will, muss Bildungspotenziale erschließen, muss Zugangsschwellen zur Hochschulausbildung abbauen!"

Zu einer Politik der sozialen Öffnung der Hochschulen und des Abbaus von Zugangsschwellen zählen insbesondere:

Hinreichende und verlässliche Studienfinanzierung gewährleisten
"Mit der aktuellen Sozialerhebung wird wieder einmal bestätigt, welche Bedeutung das BAföG hat, um Kindern aus einkommensschwächeren Familien ein Studium zu ermöglichen", so der Präsident zur Studienfinanzierung. 72 Prozent der BAföG-Geförderten hatte erklärt, ohne diese BAföG-Unterstützung nicht studieren zu können. "Deshalb begrüßen wir noch einmal ausdrücklich die Reform des BAföG, die am 1. April 2001 in Kraft getreten ist", so
Rinkens weiter. "Ein Ziel der Bundesregierung, nämlich 60.000 Studierende neu in die BAföG-Förderung einzubeziehen, wird nach ersten Analysen der Studentenwerke voraussichtlich erreicht werden", so die Prognose des Präsidenten. Auch wenn bei den vorläufigen Zahlen berücksichtigt werden müsse, dass die Auswirkungen erst zum kommenden Wintersemester spürbar würden, zeige der Anstieg der BAföG-Geförderten in den alten Bundesländern um knapp 8 Prozent und in den neuen Bundesländern um 14 Prozent bereits jetzt schon eine positive Tendenz an. Rinkens wertete die gemeinsame Beratungsoffensive von BMBF und Studentenwerken als ersten Erfolg.
Nach dem 13. BAföG-Bericht der Bundesregierung von 1998 (§ 35 BAföG) wurden 1995 rund 311.000 Studierende mit BAföG unterstützt. Diese Zahl sackte im Jahr 1999 auf 226.000 ab. Das Deutsche Studentenwerk erwartet, dass die Zahl der Geförderten durch die BAföG-Reform wieder auf 300.000 steigen wird. Obwohl dies als Erfolg bezeichnet werden könne, müsse sich erst noch zeigen, ob es zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit Deutschlands ausreiche, so der Präsident.

Beratung von Schüler/innen und Eltern verbessern
Zum Abbau von Zugangsschwellen sei auch eine stärkere Zusammenarbeit von Schulen, Hochschulen, Studentenwerken und Berufsberatung erforderlich, um Schüler/innen und deren Eltern frühzeitig über die Perspektiven eines Studiums und Möglichkeiten der Studienfinanzierung zu informieren, betonte Rinkens. "Mit einem Institutionen übergreifenden Netzwerk ’Wege ins Studium’ werben wir für das Studium, um die Akademikerlücke in den kommenden Jahren schließen zu können", so der Präsident weiter.
Als "absolut kontraproduktiv" kritisierte der Präsident in diesem Zusammenhang die immer wieder aufflammende Debatte um die Einführung von Studiengebühren. Insbesondere Abiturient/innen aus einkommensschwächeren Familien würden dadurch permanent verunsichert.

Leistungen der Studentenwerke sichern
Einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Öffnung der Hochschulen leisten die Studentenwerke. "Die Gründungsidee - das DSW feiert in diesem Jahr sein 80-jähriges Jubiläum - ist heute ganz modern und gewinnt angesichts der Daten der Sozialerhebung an aktueller Bedeutung", schloss der Präsident.

Marijke Lass | idw
Weitere Informationen:
http://www.studentenwerke.de/
http://www.studentenwerke.de/erheb/index.htm

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