Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Festkörperphysiker der Universität Jena erhalten neuen Spezialkryostaten für Gütemessungen

20.12.2004


Laborleiter Dr. Sandor Nietzsche überprüft im neuen Speziallabor der Uni Jena die Justierung einer hochreinen Quarzglas-Probe zur Gütemessung.
Foto: Scheere/FSU-Fotozentrum


Gerade mal ein halbes Jahr ist seit der Einweihung des neu errichteten "Gütelabors" am Institut für Festkörperphysik der Universität Jena vergangen. In diesem Speziallabor können hochgenaue Messungen mechanischer Güten durchgeführt werden, ab Januar sogar bei extrem tiefen (kryogenen) Temperaturen. Dann wird - nach rund 1,5-jähriger Konstruktions- und Bauzeit - ein Spezialkryostat in Betrieb gehen. Mit diesem Unikat können die Proben für die Gütemessungen auf Temperaturen bis hinab zu 4,2 Kelvin (-269 °C) gekühlt werden.


Doch bereits ohne das neue Kühlaggregat ist es dem Team um Prof. Dr. Paul Seidel im neuen Labor gelungen, mit aktuellen Messergebnissen internationale Aufmerksamkeit zu erlangen. Nun wird alles daran gesetzt, die weltweit höchsten Gütewerte noch zu überbieten. "Einzigartige Voraussetzungen dafür sind gegeben - angefangen bei den hervorragenden baulichen Eigenschaften des Labors mit eigenem 20-Tonnen-Anlagenfundament über die moderne Messtechnik bis hin zur unmittelbaren Anbindung an den Tieftemperaturservice der Physikalisch-Astronomischen Fakultät, der das Labor mit flüssigem Helium als Kältemittel versorgt", betont Prof. Seidel. "Ähnliche Versuchsbedingungen für Gütemessungen sind weltweit nur noch an dem japanischen ,Institute for Cosmic Ray Research’ in Tokio erreichbar", erläutert Arbeitsgruppenleiter Seidel.

Die mechanische Güte kennzeichnet die inneren Dämpfungsverluste im Festkörper und äußert sich z. B. in der Nachklingzeit einer einmal angeregten Schwingung. "Gütewerte von über 100 Millionen, wie sie im Speziallabor angestrebt sind, würden - bezogen auf die kürzlich reparierte Glocke des Erfurter Domes "Gloriosa" - bedeuten, dass ihr berühmter Klang noch drei Tage nach dem Läuten zu hören wäre", verdeutlicht Laborleiter Dr. Sandor Nietzsche.


Die Arbeiten im Kryolabor sind Bestandteil des 2003 an der Friedrich-Schiller-Universität eingerichteten transregionalen Sonderforschungsbereiches "Gravitationswellenastronomie". Dieser hat sich das Ziel gestellt, erstmals die von Einstein vorhergesagten Gravitationswellen direkt nachzuweisen und zu interpretieren. Dadurch wären die Grundlagen für eine völlig neue Methode der Astronomie gegeben, die es ermöglicht, kosmische Objekte, z. B. Schwarze Löcher, Pulsare, verschmelzende Neutronensternpaare oder Supernovae, zu untersuchen. Die Beobachtung dieser sehr weit entfernten Objekte anhand von Gravitationswellen gestattet auch einen Blick zurück in die Zeit bis nahe an den Urknall und ermöglicht so ein weitaus tieferes Verständnis für die Entstehung und Entwicklung unseres Universums.

Kontakt:

Dr. Sandor Nietzsche
Institut für Festkörperphysik der Universität Jena
Helmholtzweg 5, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947424
E-Mail: Sandor.Nietzsche@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.physik.uni-jena.de/~cryoq

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit