Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft legt umfangreiche Expertise vor

09.12.2004


Wie kann das Urheberrecht im digitalen Zeitalter den Anforderungen aus Bildung und Wissenschaft gerecht werden? Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft legt umfangreiche Expertise vor


Am 30. November erhielt die Bundesministerin für Justiz, Frau Zypries, vom Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft eine detaillierte Stellungnahme zum Referentenentwurf vom 27.09.2004 für ein Zweites Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft. Darin wird vom Aktionsbündnis nicht nur Kritik geübt sondern es werden juristisch fundierte Wege aufgezeigt, um im Urheberrechtsgesetz ?die Rechte der Nutzer stärker zu berücksichtigen?, wie es die Regierung ursprünglich vorgesehen hatte. Dabei hat sich das Aktionsbündnis zunächst auf das in der jetzigen Novellierung (Korb 2) Machbare beschränkt. Dem Aktionsbündnis liegt daran, dass Bildung und Wissenschaft alle Potenziale der digitalen Medien zur Produktion von Wissen nutzen dürfen, um Ausbildung und Forschung in Deutschland bestmöglich zu fördern und international wettbewerbsfähig zu halten.

Dem Gesetzgeber muss seinerseits daran gelegen sein, die Arbeitsfähigkeit des Bildungsbereiches und der Wissenschaft durch geeignete rechtliche Rahmenbedingungen zu unterstützen, u.a. durch einen intensiven Dialog des Gesetzgebers mit den Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen, um deren praxisgerechte Anforderungen im digitalen Zeitalter zu verstehen und in einen Gesetzestext umzusetzen. Im Kern geht es bei der Novellierung des Urheberrechts um die Frage, ob sich Deutschland als Wissensgesellschaft versteht oder den Interessen der Verwerter und der Unterhaltungsindustrie Priorität einräumen will. Die Novellierung des Urheberrechts könnte in dieser Frage eine Weichenstellung sein.


Die im Aktionsbündnis zusammengeschlossenen Institutionen setzen sich dafür ein, dass die Nutzungsrechte an Informationen und urheberrechtlich geschützten Werken für Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen unter Berücksichtigung ihrer sehr speziellen Verwendungszwecke gesichert sind - zu fairen Preisen für diesen Nutzerkreis. Staatliche Bibliotheken müssen auch künftig in der Lage sein, Schulklassen oder Seminargruppen digitale Kopien eines wissenschaftlichen Zeitschriften-Artikels zu Selbstkostenpreisen bereitzustellen (digitaler Lieferdienst). Auch sollten Dokumente, die in der Bibliothek einer Schule oder Universität vorhanden sind, digital - wie in öffentlichen Bibliotheken - an allen elektronischen Leseplätzen eingesehen werden und lokal zur Weiterverarbeitung gespeichert werden können.

In der gegenwärtigen zweiten Reformstufe (Korb 2) gilt es, den Gesetzentwurf so zu ändern,

  • dass es erlaubt ist, digitale Lehrmaterialien für den Unterricht innerhalb eines geschlossenen Personenkreises wie einer Schulklasse oder einem Seminar, an dem möglicherweise Gruppen an verschiedenen Orten [virtual learning] mitwirken, zu vervielfältigen und für die nächsten Veranstaltungen aufzubewahren,
  • dass, wie bisher erprobt, durch Bibliotheken digitale Kopien an wissenschaftliche Gruppen versendet werden dürfen,
  • dass der Zugang zu maschinell geschützten Dokumenten (DRM) im Bildungs- und Wissenschaftsbereich gesichert ist. Es darf nicht sein, dass ein Dokument für die Lehre eingesehen werden könnte, aber der Verlag nicht in der Lage ist, die Lese-Sperren individuell aufzuheben,
  • dass der gesetzlich privilegierte Zugang zu Dokumenten zum Zwecke der Vorbereitung auf die Lehre oder für die Forschung auf ganze Zeitschriftenartikel oder Bücher ausgedehnt werden kann. Nur aus der Kenntnis vollständiger Quellen kann man qualifiziert lehren und forschen.

Die detaillierte Stellungnahme ist abrufbar unter:
www.urheberrechtsbuendnis.de/docs/AB_Urheberrecht_BuW_261104.pdf.

Das Aktionsbündnis arbeitet an einem ’Eckpunktepapier’, das die Erfordernisse an ein wirklich dauerhaft tragfähiges und sinnvolles Gesetz erläutert. Die Dienstleistungen müssen den Zugang zu Quellen erleichtern, anstatt dass die großen Verlage den Zugang verknappen und die Entwicklung neuer zukunftsfähiger Dienste behindern.

Dem Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft gehören die Fraunhofer Gesellschaft (FhG), die Helmholtz Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF), die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die Leibniz Gemeinschaft (WGL) und der Wissenschaftsrat (WR) sowie 135 Fachgesellschaften, Verbände und Institutionen an. Fast 2.000 Persönlichkeiten aus Bildung und Wissenschaft unterstützen mit ihrer Unterschrift unter die ?Göttinger Erklärung? die Ziele des Bündnisses.

Kai Hoelzner | idw
Weitere Informationen:
http://www.urheberrechtsbuendnis.de

Weitere Berichte zu: Aktionsbündnis Expertise Novellierung Urheberrecht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht
23.01.2017 | Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie

nachricht Bei Celisca entsteht das Labor der Zukunft
19.12.2016 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie