Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frühzeitige Ansätze zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit

22.11.2004


Institut Arbeit und Technik begleitete Modellprojekte der Krupp-Stiftung



"Null Bock" auf Schule? Kein Ausbildungsplatz, kein Job in Sicht? Keine Perspektive für die Zukunft? Der Weg in die Jugendarbeitslosigkeit lässt sich trotzdem vermeiden. "Die Mehrzahl der Jugendlichen, die als benachteiligt, gescheitert und problematisch gelten, lässt sich motivieren, wenn ihnen eine realistische Perspektive aufgezeigt wird, wenn sie gefordert werden und ihnen Verantwortung übertragen wird", stellen die IAT-Arbeitsmarktforscher Dr. Sirikit Krone und Josef Muth fest. Förderprojekte müssen deshalb schon in der Schule starten und Jugendliche frühzeitiger, umfassender und gezielter als bisher auf den Lehrstellen- und Arbeitsmarkt vorbereiten.



Das Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) hat das von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung 1998 mit einem Volumen von 15 Millionen Euro aufgelegte Förderprogramm "Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit" wissenschaftlich begleitet. Im Rahmen des Programms sollten wie in einer "Modellwerkstatt" neue Initiativen und Konzepte entwickelt werden, die zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit beitragen. Ein Schwerpunkt waren schulbezogene Projekte, die präventiv ansetzen. Der Abschluss-Projektbericht ist jetzt erschienen.

Die Quote der arbeitslosen Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren ist in den letzten Jahren von 4,4 Prozent 1990 auf über zehn Prozent gestiegen. Folgen der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt sind zunehmend Ausbildungsabbrüche, "unproduktive Warteschleifen" in Fördermaßnahmen sowie eine kontinuierlich und stark wachsende Gruppe von Schulverweigerern, die sich mangels Perspektiven für die Zukunft völlig aus dem Bildungs- und Beschäftigungssystem ausgeklinkt haben. Nach Einschätzung von Experten sind bereits in der 5. Klasse etwa 10 bis 15 Prozent der Schüler als "schulmüde" einzustufen. Problemgruppen sind zudem Sonderschüler und Jugendliche ohne Schulabschluss. Der Ungelerntenanteil in dieser Gruppe liegt bei 58 Prozent. Weitere Problemgruppe sind Jugendliche nichtdeutscher Herkunft zwischen 15 und 20 Jahren. Sie sind lediglich zu 64 Prozent in das Bildungssystem einbezogen, bei den gleichaltrigen deutschen Jugendlichen dagegen 93 Prozent - die Benachteiligung setzt sich in Ausbildung und Beruf fort.

Die vom IAT begleiteten Projekte zeigen beispielhaft, wie die Chancen von benachteiligten Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt bereits frühzeitig gezielt verbessert werden können. Beim Modellprojekt "Jobcoaching" wurden Sonderschüler beim Übergang von der Schule in eine Ausbildung oder Berufstätigkeit begleitet. Studenten sozialpädagogischer Studiengänge, die dabei gleichzeitig Praxis erfahren, betreuen die Schüler intensiv, helfen bei der Berufsorientierung, bei Kontakten mit dem Arbeitsamt und Betrieben, vermitteln Praktika, machen Bewerbungstraining und üben grundlegende Sozialkompetenzen ein. Die Initiatoren hoffen, dass das erfolgreiche Projekt in die Regelausbildung für Sonderpädagogen aufgenommen wird.

Das Projekt "Statt-Schule" in Essen wendet sich an Schulverweigerer zwischen 13 und 16 Jahren. Über die Erfahrungen, die die Jugendlichen hier im mehr arbeitsweltbezogenen Unterricht machen, bauen sie neues Selbstbewusstsein auf, eine unabdingbare Voraussetzung für eine aktive, eigenverantwortliche Zukunft. Die Mehrzahl der "Statt-Schüler" konnte in die Regelschule reintegriert werden oder ging in Förderlehrgänge über.

Mit dem Projekt "Sprachförderung für junge Migrant/innen" sollen zum einen die Lernpotentiale von Schülern nichtdeutscher Herkunft besser ausgeschöpft und Lehramtsstudenten für ihre spätere Arbeit mit Ausländerkindern zusätzlich qualifiziert werden. Die Schüler werden gefördert und ermuntert, einen möglichst hohen Bildungsabschluss anzustreben. Im langjährigen Projekt "Förderunterricht für Kinder und Jugendliche ausländischer Herkunft" an der Universität Essen werden inzwischen ca. 700 Jugendliche aus unterschiedlichen Herkunftsländern betreut. Als Projekte gegen den Lehrstellenmangel wurden zudem die Essener Initiative "Ausbildung meistern" und die "Aktion Courage" gefördert, die beide das Ziel verfolgten, ausländische Unternehmen als Ausbildungsbetriebe zu gewinnen.

Mit Förderangeboten an den Schulen überschreitet die aktive Arbeitsmarktpolitik die traditionellen Grenzen ihres bisherigen Aktionsfeldes. "Die Abstimmung und Kooperation mit anderen Politikfeldern - insbesondere der Bildungspolitik - wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen", vermuten Sirikit Krone und Josef Muth. Das NRW-Programm "Betrieb und Schule" wie auch das "Job-Aqtiv-Gesetz" erweitern die Instrumentenpalette. Die Projekte aus dem Programm "Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit" der Krupp-Stiftung sind dabei ein Ideenpool, aus dem einige Förderkonzepte in die Regelförderung übernommen werden sollten.

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:
Dr. Sirikit Krone, Tel.: 0209/1707-248
Josef Muth, Tel.: 0209/1707-123

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de
http://iat-info.iatge.de/aktuell/veroeff/2004/pb2004-01.html

Weitere Berichte zu: Jugendarbeitslosigkeit Modellprojekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie