Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Göttingen wird Standort für neues neurowissenschaftliches Forschungszentrum

12.10.2004


Der Wissenschaftsstandort Göttingen erhält eines von vier Forschungszentren in einem interdisziplinären Netzwerk Hirnforschung, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 34 Millionen Euro fördern wird.



Um die Einrichtung eines solchen Zentrums hat sich die Georg-August-Universität zusammen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Göttingen sowie einem Unternehmen für Rehabilitationshilfen beworben. Die Koordination liegt bei Prof. Dr. Theo Geisel, der am Institut für Nichtlineare Dynamik der Georgia Augusta und dem Max-Planck-Institut für Strömungsforschung lehrt und forscht.



Neben Göttingen werden Forschungsverbünde in Berlin, Freiburg und München dem Netzwerk angehören. Ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Computational Neuroscience sollen zu einem besseren Verständnis der Gehirnfunktionen führen und damit unter anderem einen Beitrag zur Entschlüsselung von Erkrankungen des Nervensystems leisten. Nach Angaben des Ministeriums werden die neuen Einrichtungen nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1839 bis 1917) "Bernstein-Zentren für Computational Neuroscience" heißen und in einer internationalen Konferenz vom 14. bis 16. Oktober 2004 der Öffentlichkeit vorgestellt.

An dem Bernstein-Zentrum für Computational Neuroscience in Göttingen, das sich mit der Adaptivität in neuronalen Systemen beschäftigten wird, sind Wissenschaftler der Fakultäten Physik, Biologie und Medizin an der Universität sowie Forscher von zwei Max-Planck-Instituten - neben dem MPI für Strömungsforschung auch das MPI für biophysikalische Chemie - beteiligt. Vom Deutschen Primatenzentrum wird die Abteilung Kognitive Neurowissenschaften vertreten sein. Partner aus der Wirtschaft ist Otto Bock HealthCare (Duderstadt). Mit dem neuen Zentrum kann die Georg-August-Universität ihren Exzellenzschwerpunkt in den Neurowissenschaften ausbauen. Es wird eng mit dem DFG Forschungszentrum für Molekularphysiologie des Gehirns (CMPB), dem European Neuroscience Institute (ENI) und dem Zentrum für Neurobiologie des Verhaltens (ZNV) am Standort Göttingen zusammenarbeiten. Während CMPB, ZNV und das ENI die experimentelle Erforschung der molekularen, zellulären und systemischen Grundlagen von Hirnfunktionen sowie die bio-medizinische Untersuchung ihrer Störungen koordinieren, wird sich das Göttinger Bernstein-Zentrum insbesondere mit theoretischen Fragestellungen befassen.

Neuronale Systeme haben die Fähigkeit, sich an Änderungen in der Umgebung anzupassen und damit "lernfähig" zu sein. Die Aufklärung der komplexen dynamischen Mechanismen, auf denen diese neuronale Adaptivität beruht, stellt eine zentrale Forschungsfrage der Neurowissenschaften dar. Prof. Geisel: "In vielen Fällen lassen sich substantielle Fortschritte auf diesem Gebiet nur durch eine Kombination von experimentellen Ansätzen mit theoretischen Arbeiten, das heißt quantitativen Modellen und mathematischen Methoden aus der Computational Neuroscience erzielen." Wie der Koordinator des neuen Zentrums betont, werden in Göttingen bereits verschiedene Schlüsselaspekte neuronaler Adaptivität erforscht, so zum Beispiel schnelle Veränderungen synaptischer Kopplungen zwischen einzelnen Nervenzellen. Auf dem Gebiet der Computational Neuroscience wurden dazu unter anderem mikroskopische Modelle für die synaptische Transmission sowie für die neuronale Informationsverarbeitung im Millisekundenbereich entwickelt. Neue computergestützte Methoden erlauben es, die Wechselwirkungen zwischen Nervenzellen im lebenden Gehirn mit hoher zeitlicher Auflösung zu erschließen und zu quantifizieren.

Zu dem Göttinger Bernstein-Zentrum wird auch eine neu einzurichtende Professur für Computational Neuroscience gehören. Ergänzt werden soll es außerdem durch eine experimentell arbeitende Nachwuchsgruppe für systemische Neurowissenschaften. Die Forschungsarbeiten werden sich auf vier Bereiche - Synaptische Dynamik und Informationsverarbeitung, Adaptation in neuronalen Netzen, Kognitive Adaptation sowie Motorische Adaptation und Neuroprothetik - konzentrieren. Hochschulabsolventen werden in einer Graduate School einen Doktortitel auf dem Gebiet der Computational Neuroscience erwerben können.

Kontaktadresse:

Prof. Dr. Theo Geisel
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Physik
Institut für Nichtlineare Dynamik
Bunsenstraße 10, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 5176-400, Fax (0551) 5176-402
e-mail: geisel@chaos.gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de
http://www.chaos.gwdg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise