Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bildung zertifizieren

30.09.2004


Bildung zertifizieren - Vorschläge zur Verbesserung des Bildungswesens



Wer eine Aus- oder Fortbildungsmaßnahme abschließt, sollte dafür ein allgemein anerkanntes Zertifikat erhalten. Damit ist sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer der Wert einer Bildungsmaßnahme transparenter. Und das fördert die Bereitschaft, Zeit in die eigene Qualifikation zu investieren. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Ulrike Pütz von der wirtschaftspolitischen Seminar der Universität zu Köln. Das Aus- und Fortbildungssystem sollte immer wieder daraufhin überprüft werden, ob es noch den aktuellen Anforderungen entspricht.



Der Staat kann mit dem System der beruflichen Qualifikation verschiedene Ziele verfolgen. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ist die Mobilität der Arbeitnehmer ein wichtiges Ziel. Verliert jemand seinen Job, so sollte die berufliche Qualifikation breit genug sein, um problemlos eine andere Stelle finden zu können. Hier zeigt das deutsche System Schwächen. Natürlich ist es auch wichtig, eine hohe allgemeine Bildung zu sichern. Der Bildungsstandart der Bevölkerung ist ein Standortfaktor. Doch in Zeiten knapper Kassen ist nach Dr. Pütz ein drittes denkbares Ziel des Staates, die eigenen Kosten bei der Aus- und Fortbildung möglichst weit herunterzufahren.

Dr. Pütz empfiehlt, durch ein System von Zertifikaten die Bereitschaft zur Aus- und Weiterbildung zu fördern. Sie wecken den Ehrgeiz der Arbeitnehmer und mehren die Transparenz sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Wenn nicht klar ist, was eine Fortbildung wert ist, dann weiß der Arbeitgeber nicht, wie qualifiziert Bewerber wirklich sind. In Ländern, wo dies so ist, wird dann mit einem stark eingeschränkten Kündigungsschutz reagiert. Außerdem regt Dr. Pütz eine Diskussion über Auswirkungen und Ziele verschiedener Ausbildungssysteme an.

In Deutschland wird im dualen System ausgebildet. Azubis lernen ihren Beruf in Betrieben und in Berufsschulen. In anderen Staaten wie den USA oder Italien ist sogenanntes "On the Job Training", also das sofortige Einarbeiten in eine bestimmte Stelle die Regel. Österreich bildet mit beruflichen Vollzeitschulen aus. Während der Ausbildung arbeiten die Azubis dort nicht im Betrieb. Das deutsche Ausbildungssystem bietet den Absolventen große Sicherheit bei der Qualität ihrer Qualifikation. Andererseits haben sie Schwierigkeiten beim Berufswechsel. Deshalb sollte das Aus- und Fortbildungssystem immer wieder daraufhin überprüft werden, ob es noch zeitgemäß ist.

Das duale System ist ein spezialisiertes Ausbildungssystem. Scharf umrissene Ausbildungen qualifizieren für ein relativ schmales Berufsfeld. Das beeinträchtigt die Mobilität der Arbeitnehmer. Es ist schwierig, von einem in den anderen Ausbildungsberuf zu wechseln, selbst wenn beide Tätigkeiten relativ ähnlich sind. Auf der anderen Seite weiß der Azubi, welche Berufsaussichten ihm seine Ausbildung bietet. Selbst wenn er nach seiner Ausbildung keine Stelle findet, seine Bildungsinvestition aus ökonomischer Sicht also vergeblich war, hat er Sicherheiten. Tarifverträge sichern eine der Ausbildung angemessene Bezahlung. Wird er arbeitslos, so hat er Anspruch auf eine ausbildungsadäquate Neubeschäftigung. Oft muss der arbeitslose Azubi sich für Berufe bewerben, für die er nicht ausgebildet ist. Dies unterstützt der Staat durch Umschulungen für Arbeitslose. Durch die Kombination aus Arbeitslosenunterstützung und Umschulungen bekommt er eine zweite Chance. Dieses System ersetzt in Deutschland praktisch die Garantie dafür, das eine Bildungsmaßnahme auch nützlich ist. Nach Dr. Pütz wäre auch denkbar, dass Staat und Unternehmen sich diese Versicherungsaufgabe teilen.

Der Arbeitnehmer möchte mit Investitionen in Bildung seine Berufsaussichten verbessern. Im Idealfall erhöht er damit seinen Lohn. Dr. Pütz weist aber nach, dass es für Arbeitnehmer keinesfalls immer das Ziel ist, sich möglichst generell weiterzubilden. Dies hängt von der Arbeitsmarktsituation ab. Droht der Verlust des Arbeitsplatzes, dann versucht er oft, diesen durch spezielle Fortbildung zu sichern. Er qualifiziert sich gezielt für die Stelle, die er zu verlieren droht.

Denkbar wäre nach Auffassung von Dr. Pütz dass sich der Staat sich weitgehend aus Bildung und Ausbildung zurückzieht. Private Investoren legen dann ihr Geld nicht nur in Aktien an. Sie haben auch die Wahl zwischen breitgestreuten Abiturientenfonds, hochriskanten Künstlerfonds oder renditeträchtigen Medizinstudentenfonds. Dies würde dem Staat hohe Kosten ersparen. Doch eine solche Entwicklung wäre nicht ohne Nachteile. Allianzen zwischen Industrie und Hochschulen etwa werden durch zweckgebundene Forschung erkauft. Eine zu große Verknüpfung von finanziellem Interesse und Wissenschaft würde die akademische Forschungsfreiheit stark einschränken. Verantwortlich: Christoph Uhlhaas

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de

Weitere Berichte zu: Ausbildungssystem Fortbildung Mobilität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise