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Elektronische Dissertation spart Zeit und Geld

30.09.2004


Der Start in die wissenschaftliche Karriere beginnt oft mit Schulden. Der Druck der Doktorarbeit muss finanziert werden - da kommen schnell einige tausend Euro zusammen. Welcher Doktorand wünscht sich also nicht, seine Dissertation fast ohne Kosten zu publizieren und dabei auch noch weltweit leicht verfügbar zu machen? Möglich ist es: Wenn sie auf dem Hochschulschriftenserver der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn (ULB) als "Online-Dissertation" gespeichert und veröffentlicht wird. Das Anmeldeverfahren dazu hat die ULB jetzt automatisiert und damit wesentlich vereinfacht.



Begonnen hat es im Jahre 1999 mit den acht ersten Titeln, inzwischen sind es jährlich weit über 100 - damit wird bereits fast ein Fünftel aller Bonner Doktorarbeiten in elektronischer Form abgeliefert. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand: Die Arbeit wird von der ULB wie ein gedrucktes Buch bearbeitet und ist damit in allen Katalogen nachgewiesen. Sie ist zusätzlich über WWW-Suchmaschinen leicht zu recherchieren, online als Volltext weltweit verfügbar und einfach zu benutzen. Und: Außer für die Herstellung einiger gedruckter Archivexemplare entstehen keine weiteren Kosten.

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Das Anmeldeverfahren bei der ULB ist durch die Entwicklung eines Online-Formulars jetzt noch einfacher geworden. Der Doktorand hat dabei durch die Auswahl der richtigen Schlagwörter und das Formulieren eines eigenen Abstracts selbst die Chance, das spätere Auffinden seiner Arbeit in Katalogen und Suchmaschinen zu erleichtern. Ausführliche Informationstexte helfen beim Ausfüllen des Formulars (http://hss.ulb.uni-bonn.de/diss_online). Zur weiteren Beratung steht die Hochschulschriftenstelle der ULB (Frau Dyck, Tel. 73-7534) gern zur Verfügung. So gibt es eigentlich kaum noch ein Hindernis auf dem Weg zur elektronischen Publikation. Es sei denn, die Dissertation will erst einmal geschrieben werden.

Drei Fakultäten der Bonner Universität gestatten inzwischen ihren Doktoranden offiziell die Ablieferung einer "EDiss": die landwirtschaftliche, die mathematisch-naturwissenschaftliche und die philosophische. Aber auch bei den anderen wäre eine Online-Doktorarbeit durchaus nicht unmöglich. Nach einem Beschluss der Kulturministerkonferenz von 1997 muss dazu dann die Zustimmung der Fakultät im Einzelfall eingeholt werden.

Zweifellos sind nicht alle Fachgebiete und Themen gleich gut für eine elektronische Publikation geeignet. Prädestiniert sind Arbeiten, deren Ergebnisse aus der experimentellen Forschung vor allem aktuell von Interesse sind. Vorreiter bei den auf dem ULB-Server gespeicherten Dissertationen sind daher bisher die Naturwissenschaftler. Auch für viele medizinische Dissertationen würde sich eine Online-Veröffentlichung anbieten. In der Philosophischen Fakultät sind es wiederum häufig Arbeiten mit umfangreichem Abbildungsteil, bei denen die E-Version hohe Druckkosten spart. Im Übrigen kann und soll die elektronische Publikationsform die Veröffentlichung ambitionierter wissenschaftlicher Arbeiten über einen renommierten Verlag wohl niemals ersetzen.

Die Sorge, dass die so weltweit verfügbare Dissertation in zehn oder zwanzig Jahren als Datei unlesbar wird und für die Nachwelt verloren geht, ist inzwischen kaum noch begründet. Zum einen ist die Online-Fassung nicht nur bei der ULB, sondern zusätzlich auf einem Server der Deutschen Bibliothek in Frankfurt gespeichert, die sich als die deutsche Nationalbibliothek zur Langzeitarchivierung aller E-Dissertationen verpflichtet hat. Zum andern wird die Tradition, dass auch Papierausgaben in den Bibliotheksregalen stehen müssen, nicht ganz aufgegeben. Fünf gedruckte Exemplare der Arbeit (in der Regel reichen dazu Ausdrucke der PDF-Datei) sind ebenfalls an die ULB abzugeben; zwei davon werden dort archiviert, zwei an die Deutsche Bibliothek und eine weitere an die fachzuständige Sondersammelgebietsbibliothek abgegeben.

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

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