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Physik-Studium hat Konjunktur

03.09.2004


Neueste Statistik jetzt erschienen / Aufwärtstrend bei Bachelor und Master



Physik ist ein gefragtes Studienfach: 60 Prozent mehr Anfänger als im Vorjahr gibt es in den neuen Studiengängen wie Physik-Bachelor und Master, Bio- oder Wirtschaftsphysik. Indes hat beim traditionellen Diplom und Lehramt die Zahl der Neueinschreibungen insgesamt betrachtet um 3,5 Prozent abgenommen - der erste Rückgang seit fünf Jahren. Wie die Mitgliederzeitschrift der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet (Physik Journal 3 (2004), 8/9), nahmen im Studienjahr 2004 bundesweit 7.647 Neulinge ein Diplom- oder Lehramtsstudium auf, 1.038 Studierende entschieden sich für nicht-klassische Curricula wie Physik-Bachelor oder Wirtschaftsphysik.



Die aktuelle Studienstatistik - sie umfasst das Wintersemester 2003/04 und das Sommersemester 2004 - wurde wie jedes Jahr von der Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) erhoben. Die Umfrage unter rund 60 Universitäten zeichnet ein bundesweites Bild der Studienanfänger, Zwischenprüfungen und Abschlüsse im Fach Physik. Demnach entfielen 1.470 Neulinge auf das Lehramt (plus 25,8 Prozent gegenüber 2003), 6.177 nahmen ein Diplomstudium auf (minus 8,5 Prozent relativ zu 2003). Die Zahl der Anfänger in den traditionellen Studiengängen Diplom und Lehramt ist somit etwas zurückgegangen, im Durchschnitt gesehen um 3,5 Prozent.

Auf wachsendes Interesse stoßen indes fachübergreifende Diplom-Studiengänge mit starkem Physik-Einschlag wie Nanostrukturtechnik, Geo-, Bio- oder Wirtschaftsphysik. Immer beliebter werden zudem die neuen Curricula Physik-Bachelor und Master. Der "Bachelor" gilt als erster Abschluss, der "Master" als weiterführendes Curriculum. Vom Studiengang Diplom-Geophysik bis zum Physik-Master gibt es inzwischen bundesweit 40 solcher Angebote, die sich vom traditionellen Physik-Diplom absetzen. Insgesamt 1.038 Studierende wählten einen dieser Studiengänge, das sind fast 60 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Nach Ansicht von Professor Axel Haase, DPG-Vorstandsmitglied für Bildung und Ausbildung und KFP-Vorsitzender, werden die Universitäten hierzulande immer häufiger Bachelor- und Masterstudiengänge anbieten. Die Entwicklung läuft auf eine Ablösung des klassischen Diplomstudiums hinaus. Eine Folge des genannten Bologna-Prozesses, der bis 2010 zu europaweit vergleichbaren Studienabschlüssen führen soll. Die DPG und die KFP begrüßen die Einführung von Bachelor und Master (s. DPG-PM 12/2004). "Wichtig ist allerdings, dass sich die bewährte Qualität des Physik-Diploms in den neuen Studiengängen wieder findet", sagt Haase. Demnach müsse das Masterstudium eine einjährige Forschungsphase beinhalten, an deren Ende stehe die Master-Arbeit. "In der Forschungsphase sehen wir ein zentrales Element der Physik-Ausbildung", betont Haase. "Während dieses Studienabschnittes festigen die angehenden Physiker jene Fähigkeiten, die von Wissenschaft und Industrie so geschätzt werden: selbständiges und methodisches Arbeiten." Und in der Tat sind Physikerinnen und Physiker gefragte Fachkräfte. "Physik ist kein einfaches Studium, zurzeit halten etwa 60 Prozent der Studierenden bis zum ersten Jahr durch", erläutert Haase. "Aber mit dem Abschluss in der Tasche hat man gute Voraussetzung für den Start ins Berufsleben. Unter Physikern liegt die Arbeitslosenquote unter 3,5 Prozent."

Schwierig hingegen war die Lage auf dem Arbeitsmarkt Mitte der 1990er. Infolgedessen sank die Zahl der Studienanfänger auf Rekordtiefe. Die Konsequenzen sind heute zu spüren: es gibt immer weniger Absolventen. Der Strahlenphysik und der Kerntechnik zum Beispiel fehlt inzwischen der Nachwuchs. Allerdings scheint die Talsohle erreicht. Wieder mehr Abschlüsse erwartet Haase im nächsten Jahr, denn seit 1999 ist das Physik-Studium wieder beliebter. Weil sich die damalige Trendwende - bedingt durch die mittlere Studiendauer von mehr als fünfeinhalb Jahren - mit einer gewissen Verzögerung auf die Zahl der Abschlüsse auswirkt, ist im Studienjahr 2005 mit einem leichten Anstieg zu rechnen.

Gute Jobaussichten sind für Haase nicht der einzige Grund, dass die Physik wieder mehr Zuspruch findet: "Diese Entwicklung verdanken wir auch den Werbemaßnahmen der Universitäten, der Forschungseinrichtungen und der DPG. Und diese Aktivitäten sollten nicht nachlassen, denn Physikabsolventen werden auch weiterhin auf dem Arbeitsmarkt gesucht."

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft e.V. (DPG) ist die älteste und mit mehr als 47.000 Mitgliedern die größte physikalische Fachgesellschaft weltweit. Als gemeinnütziger Verein verfolgt sie keine wirtschaftlichen Interessen. Die DPG fördert den Erfahrungsaustausch innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und widmet sich der Vermittlung von Physik in der Öffentlichkeit.

Dr. Marcus Neitzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dpg-physik.de

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