Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie die NRW-Hochschulen künftig ihre Studenten aussuchen und die neue Rolle der ZVS

04.08.2004


Studienplatzvergabe neu geregelt



Im Juli haben Bundestag und Bundesrat die 7. Novelle des Hochschulrahmengesetzes (HRG) zur Neuordnung der Hochschulzulassung beschlossen. Für die sechs bundesweit von der ZVS zu vergebenden sogenannten ’harten’ NC-Fächer führt dies zu zwei grundlegenden Veränderungen: Zum ersten Mal haben die Abiturbesten eines Jahrgangs die Möglichkeit, sich ihre Hochschule selbst auszusuchen - und zweitens erhalten die Hochschulen eine massive Stärkung ihres Auswahlrechts. Nordrhein-Westfalen wird die Neuregelung jedoch nicht nur auf die vom HRG vorgeschriebenen Studiengänge des bundesweit Allgemeinen Auswahlverfahrens - Biologie, Medizin, Pharmazie, Psychologie, Tiermedizin und Zahnmedizin - anwenden, sondern strebt die Regelung ab Wintersemester 2005/2006 auch für Studiengänge im landesweiten Auswahlverfahren und für diejenigen mit örtlichem Numerus Clausus (NC) an.



NRW-Wissenschaftsstaatssekretär Hartmut Krebs: "Nordrhein-Westfalen hat sich in der Diskussion um die Neuordnung der Hochschulzulassung mit seiner zentralen Forderung durchgesetzt: Junge hervorragend qualifizierte Menschen müssen sich ihre Hochschule selbst aussuchen können, der Respekt vor ihrer schulischen Leistung erfordert eine entsprechende Nachfragemacht. Aus diesem Grund und zu einer besseren Transparenz für die Studierenden streben wir im Einvernehmen mit den Hochschulen ein einheitliches Verfahren für alle zulassungsbeschränkten Studiengänge des Landes an - NRW wird seinen Studierenden ein einheitliches Verfahren zum Nulltarif und mit einem maßgeblichen Einfluss des Abiturdurchschnitts bieten."

Stärkeres Auswahlrecht: Erst die Abi-Besten, dann die Hochschulen

Während in den harten, bundesweit zentral über die ZVS verteilten NC-Fächern bisher die Studienplätze zu 51 Prozent nach der Durchschnittsnote, zu 25 Prozent nach der Wartezeit und zu 24 Prozent nach Auswahl der Hochschulen vergeben wurden, sieht das künftige Verfahren im Kern

·eine vorrangige Abiturbestenquote von 20 Prozent,
·eine Wartezeitquote von 20 Prozent und
·eine Hochschulauswahlquote von 60 Prozent vor.

Damit wird der Auswahl durch die Besten eines Abiturjahrgangs oberste Priorität eingeräumt und die Bedeutung des Abiturs nachhaltig gestärkt. Die Wartezeitquote berücksichtigt die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, nach der jedem Studierwilligen die Möglichkeit eröffnet werden muss, auch ohne herausragende schulische Leistungen den gewünschten Studienplatz zu erhalten - und sei es auch erst nach mehreren Semestern Wartezeit.

Nach dem Vorrang der Abiturbesten wurde in der Gesetzes-Novelle gleichzeitig dem Anliegen vieler Hochschulen entsprochen, auch ihre Auswahlmöglichkeit zu stärken: So kann das Hochschulauswahlverfahren jetzt zu 60 statt wie bislang zu 24 Prozent erfolgen und auch die hierzu im HRG festgelegten Auswahlkriterien ermöglichen den Hochschulen einen Gestaltungsspielraum nach Maßgabe des jeweiligen Landesrechts. Grundsätzlich herangezogen werden können:

·die Abiturdurchschnittsnote
·gewichtete Einzelnoten des Schulabschlusses, die über die fachspezifische Eignung Auskunft geben
·das Ergebnis eines fachspezifischen Studierfähigkeitstests
·eine Berufsausbildung oder -tätigkeit
·das Ergebnis eines Auswahlgesprächs, das über Motivation und Identifikation mit dem gewählten Studium und dem angestrebten Beruf Aufschluss geben sowie Fehlvorstellungen vermeiden soll

Den Hochschulen kommt mit der Neuregelung nun eine besondere Verantwortung zu: Sie können die Kriterien kombinieren, im Rahmen ihres Auswahlverfahrens Binnenquoten einrichten oder etwa außerschulische Aktivitäten berücksichtigen. In jedem Fall muss aber der Abiturdurchschnittsnote ein - so steht es ausdrücklich im Hochschulrahmengesetz - maßgeblicher Einfluss gegeben werden.

NRW bietet einheitliches Verfahren zum Nulltarif

Das neue Vergaberecht soll zum Wintersemester 2005/2006 zum ersten Mal angewendet werden: Wegen der Vorlauffristen für die Studienbewerber, die Hochschulen und die ZVS müssen die Länder die HRG-Bestimmungen deshalb jetzt zügig im jeweiligen Landesrecht konkretisieren. Staatssekretär Krebs: "Über die konkrete Ausgestaltung ihres 60-prozentigen Auswahlrechts werden wir mit den nordrhein-westfälischen Hochschulen jetzt erste Gespräche führen. Klar ist aber, dass dem Abiturdurchschnitt auch in der Binnenquote ein maßgeblicher Einfluss zukommen muss - und das bedeutet eine Berücksichtigung dieses Kriteriums von mindestens 50 Prozent."

Ebenfalls zum Wintersemester 2005/2006 will NRW auch Studiengänge in landesweiter Auswahl oder für die ein örtlicher NC besteht auf die selben Verfahren umstellen, die für die bundesweiten NC-Fächer gelten - das heißt: Alle Studienplätze in Nordrhein-Westfalen sollen dann nach einheitlichen Kriterien vergeben werden. Krebs: "Mit der Anpassung der Verfahren auf eine einheitliche Regelung schaffen wir mehr Transparenz und Gerechtigkeit für unsere Studierenden. Dabei werden wir darauf achten, dass die Mehrbelastung, die auf alle Beteiligten, insbesondere die Hochschulen, durch die Neugestaltung zukommt, nicht auf dem Rücken der Bewerber ausgetragen wird - sie dürfen in keinem Fall finanziell belangt werden, z.B. durch Gebührenerhebung bei Auswahlgesprächen. Überlegungen in diese Richtung, die in anderen Ländern teilweise angestellt werden, wird es in Nordrhein-Westfalen nicht geben."

Studenten Service Deutschland: Die neue Rolle der ZVS

Diese grundlegende Neuordnung der Hochschulzulassung bedeutet auch für die ZVS künftig eine neue Rolle: Ihre Dienstleistungsaufgaben werden in Zukunft - auch im Rahmen der Hochschulauswahlverfahren - noch wichtiger sein. Für diese neue Aufgabe muss sie sich neu aufstellen und einen Modernisierungsprozess durchlaufen. ZVS-Direktor Dr. Ulf Bade will dazu bis Ende September mögliche Aufgabenstellungen und Arbeitsabläufe einer Serviceeinrichtung für Studierende und Hochschulen prüfen. Hierzu gehört etwa der Ausbau und die Optimierung des Online-Angebotes, das die Bewerbungsmöglichkeiten für Studierende optimiert und ausbaut.

In einer so wichtigen Zeit, in der die Studienplatzvergabe derart grundlegend neu geregelt wird, ist es - so Staatssekretär Krebs - von besonderer Bedeutung, einen kompetenten Fachmann an der Spitze der ZVS zu haben: "Dr. Bade ist durch seine langjährige Erfahrung und unbestrittenen Fachkenntnisse genau der Richtige, um die ZVS zu einer nachfrageorientierten Service-Agentur für Studierwillige und Hochschulen zu führen. Mit der gemeinsam von Bund und Ländern erzielten Neuregelung der Hochschulzulassung wird die ZVS gleichwohl in ihrer elementaren Rolle bei der Vergabe von Studienplätzen bestärkt - wenn auch mit zeitgemäßer Ausrichtung."

Ralf-Michael Weimar | idw
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft.nrw.de

Weitere Berichte zu: Auswahlverfahren HRG Hochschulzulassung Studienplatz ZVS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

nachricht Internationaler Masterstudiengang: TU Kaiserslautern bildet Experten für die Quantentechnik aus
15.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen