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FiBS zum Zusammenhang zwischen Bildungsrenditen und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands

20.07.2004


Aktuelle Analysen des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie zeigen, dass die Bildungsrenditen in Deutschland insgesamt relativ niedrig sind und fächerspezifisch insbesondere durch unterschiedlich lange Studienzeiten und unterschiedich hohe Abbrecherquoten beeinflusst werden. Hätten sie eine höhere private Bildungsrendite als andere Fächer, dann könnten leistungsfähigere Jugendliche zum Studium dieser Fächer motiviert werden.


Hätten sie eine höhere private Bildungsrendite als andere Fächer, dann könnten leistungsfähigere Jugendliche zum Studium dieser Fächer motiviert werden. Die höchsten privaten Renditen haben Zahnmedizin und Jura gefolgt von den Ingenieur- und Naturwissenschaften, die technologisch besonders wichtig sind. Deren Rendite liegt meist zwischen 6 und 8 Prozent und damit im oberen Bereich.

Generell würde eine Verkürzung der Studiendauer zur Erhöhung der privaten und sozialen Bildungsrenditen führen. Selbst moderate Studiengebühren, die zu diesem Ziel beitragen könnten, würden die private Bildungsrendite erhöhen. Im internationalen Vergleich weisen viele Länder, in denen Studiengebühren erhoben werden, höhere Bildungsrenditen aus als Deutschland. Darüber hinaus lassen sich keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen Bildungsrenditen und technologischer Leistungsfähigkeit herstellen. Hierzu sind die Einflussfaktoren auf Ausbildungskosten einerseits und Lohnstruktur andererseits zu unterschiedlich, um einen eindeutigen Trend feststellen zu können.


Die vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen aber in jedem Fall die dringende Notwendigkeit zur Verkürzung der Studiendauer und zur Verringerung der Abbrecherquoten, nicht nur im Hochschul-, sondern im gesamten Bildungssystem. Nach neuesten Berechnungen des FiBS schließen weniger als 60 Prozent der Studienanfänger innerhalb einer angemessenen Studienzeit das Studium erfolgreich ab. D.h. über 40 Prozent beenden ihr Studium nicht innerhalb von 6 oder 7 Jahren. Insgesamt beginnen jedes Jahr doppelt so viele Jugendliche einen neuen Ausbildungsabschnitt wie es eigentlich sein dürften, d.h. einem Altersjahrgang entspricht.

Das FiBS untersucht in der Studie den Zusammenhang zwischen privaten und öffentlichen Bildungsrenditen und der technologischen Leistungsfähigkeit. In diesem Fall müssten Studiengänge wie etwa Ingenieur- oder Naturwissenschaften oder Länder mit einer höheren technologischen Leistungsfähigkeit eine höhere Bildungsrendite ausweisen als andere Studiengänge bzw. Länder.

Die höchsten private Renditen haben Zahnmedizin und Jura. Die meisten ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächer haben private Renditen zwischen 6 und 8 Prozent. Deutlich niedriger sind die Renditen in den Sprach- und Kulturwissenschaften. Allerdings lässt sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Relevanz von bestimmten Fächern für die technologische Leistungsfähigkeit (Ingenieur- und Naturwissenschaften) und der privaten Bildungsrendite herstellen.

Betrachtet man unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Bildungsrendite, dann zeigt sich, dass einerseits Studiendauer und Abbrecherquoten hierauf rückwirken und andererseits die Lohnstruktur und das Arbeitslosigkeitsrisiko.

Werden die monetären Rückflüsse in die öffentlichen Haushalte, d.h. die so genannten fiskalischen (staatlichen) Renditen betrachtet, haben Physik, Chemie, Maschinenbau und Mathematik die höchsten Werte hinter Jura. Von den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern haben nur Informatik und Biologie negative fiskalische Renditen, während dies bei den Fächergruppen Medizin, Musik und Sprach- und Kulturwissenschaften überwiegend der Fall ist. Bei diesen Fächern sind also die staatlichen Ausgaben höher als die späteren Einnahmen. Bei der Betrachtung der fiskalischen Rendite bleiben jedoch andere Erträge, wie etwa externe Effekte unberücksichtigt.

Auch die sozialen Renditen sind für die meisten Studiengänge der relevanten Fächergruppen der Ingenieurs- und Naturwissenschaften überdurchschnittlich hoch. Einzig der Studiengang der Biologie führt zu negativen Renditen. Es kann gefolgert werden, dass die meisten Fächer der relevanten Gruppe zu hohen Renditen für das Individuum, den Staat und die Gesellschaft führen, selbst wenn ihre möglichen positiven externen Erträge nicht berücksichtigt würden.

Im Rahmen weiterer Arbeiten sollte daher ein besonderes Augenmerk auf die Erfassung von externen Effekten gelegt werden, um die Relevanz entsprechender Betrachtungen für politische Entscheidungen zu verbessern.

Im Vergleich zu zu anderen EU-Ländern sind die privaten Renditen in Deutschland über alle Bildungsbereiche hinweg überdurchschnittlich hoch, konzentriert man sich aber auf das Studium, das im Hinblick auf die technologische Leistungsfähigkeit bedeutsamer ist, sind die deutschen Bildungsrenditen unterdurchschnittlich gering und scheinen sich zwischen 1995 und 1999 sogar noch verringert zu haben.
Besonders in Großbritannien und den USA ist der private ökonomische Anreiz eines Studiums weitaus größer und das trotz teilweise erheblicher Studiengebühren. Bei der sozialen Rendite einer Tertiärausbildung liegt Deutschland innerhalb von 10 OECD-Ländern sogar an vorletzter Stelle.

"Fasst man die Ergebnisse zusammen, dann wird deutlich, dass die privaten und öffentlichen Bildungsrenditen maßgeblich durch lange Studienzeiten und weniger durch Lohndifferenzen beeinflusst werden. Eine vordringliche Aufgabe der Hochschulpolitik muss daher in einer Verkürzung der Studiendauer und Verringerung der Abbrecherzahlen bestehen. Hierbei können auch Studiengebühren einen Beitrag leisten, allerdings nur, wenn sie in moderater Größenordnung und eingebunden in ein durchdachtes Konzept erhoben werden. In diesem Fall würden sie die private Bildungsrendite sogar erhöhen", so Dr. Dieter Dohmen, Leiter des Kölner Forschungsinstituts. "Zur Verbesserung der Studien- und Bildungsbedingungen in Deutschland können auch die im gesamten Bildungssystem bestehenden Effizienzpotenziale von EUR 15 bis 20 Mrd. genutzt werden. Dies entspricht einem Anteil von rund 10 Prozent bezogen auf die gesamten Bildungsausgaben in Deutschland."

Die Studie kann ab sofort auf den Websites des Forschungsinstituts (FiBS-Forum Nr. 21 unter www.fibs-koeln.de) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung herun-tergeladen werden (Studie zur technologischen Leistungsfähigkeit Nr. 1 unter www.tech-nologische-leistungsfaehigkeit.de).

Birgitt A. Cleuvers | idw
Weitere Informationen:
http://www.fibs-koeln.de

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