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Bayer-Innovationsperspektive 2004

01.07.2004


Das Erfinder-Unternehmen Bayer will auch in Zukunft Zeichen setzen. Über 4 Milliarden Euro für Forschung und Investitionen in Sachanlagen in 2004. Wenning: „Der Standort Deutschland muss nachhaltig konkurrenzfähig bleiben“


v.l.: Dr. Udo Oels, Prof. Dr. Henning Hopf (Praes. GDCh), Werner Wenning



„Als Erfinder-Unternehmen mit großer Vergangenheit wollen wir auch in Zukunft in forschungsintensiven Bereichen Zeichen setzen.“ Das betonte Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Wenning im Rahmen der Pressekonferenz „Die Bayer-Innovationsperspektive 2004“ in Leverkusen. Diesen Anspruch und die Ausrichtung auf Innovation unterstreiche der Konzern mit seinem neuen Slogan „Bayer: Science For A Better Life“. Auf den Erfindergeist, der die drei Teilkonzerne HealthCare, CropScience und MaterialScience präge, „wollen wir aufbauen und unser Unternehmen weiterentwickeln“, sagte Wenning. Um die notwendige Innovationskraft nachhaltig zu unterstützen, gibt Bayer in diesem Jahr 2,3 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Zusammen mit den Investitionen in Sachanlagen investiert das Unternehmen im Jahr 2004 mehr als 4 Milliarden Euro in die Zukunft.


Nach der Abtrennung der neuen Gesellschaft Lanxess, in der das klassische Chemiegeschäft und Teile der Polymer-Aktivitäten zusammengefasst worden sind, wird sich Bayer auf die Bereiche Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien konzentrieren. In diesen Feldern verfüge der Konzern, so Wenning, nicht nur über starke Marktpositionen, sondern auch über exzellente Technologien, die Innovation und Wachstum ermöglichten. „Nur durch das Bündeln aller Kräfte und die hundertprozentige Ausrichtung auf unsere drei künftigen Kerngebiete können wir deren gesamtes Potenzial ausschöpfen“, erklärte Wenning. „Schließlich erfordern Innovationen und Wachstum erhebliche Finanz- und Management-Ressorcen.“

Um die langfristige Zukunft von Bayer und seinen Beschäftigten sicher zu stellen, gehe es aber nicht nur darum, das Fundament für morgen zu bereiten, „sondern wir müssen schon heute über das Übermorgen nachdenken und die Weichen entsprechend stellen.“ Hier biete die Breite des Bayer-Portfolios eine hervorragende Ausgangsbasis zur Erschließung von attraktiven Zukunftsmärkten. „Wir haben gute Voraussetzungen, um am enormen Potenzial dieser Märkte zu partizipieren“, zeigte sich Wenning überzeugt. Bereits im vergangenen Jahr hätten allein die neuen Produkte im Life-Science-Bereich mit Umsätzen von nahezu 1,2 Milliarden Euro für ein weiteres Wachstum gesorgt.


Auch mittelfristig wolle Bayer sein hohes Forschungsbudget – von dem derzeit rund 85 Prozent in die Teilkonzerne HealthCare und CropScience fließen – beibehalten und werde damit weiterhin eine Spitzenposition in der chemisch-pharmazeutischen Industrie einnehmen. „Das setzt aber natürlich auch voraus, dass der Standort Deutschland nachhaltig konkurrenzfähig ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Die Auswanderung von Nachwuchswissenschaftlern müsse gestoppt werden, wenn man nicht den Anschluss an Staaten mit Spitzentechnologien verlieren wolle. Die Bevölkerung müsse verstehen, dass innovatives Wachstum unerlässlich sei, um bestehende Arbeitsplätze hierzulande zu sichern, neue zu schaffen und so zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen beizutragen. „Wir alle – auch die Politik – müssen dafür eintreten, dass unsere Gesellschaft nicht in erster Linie von Ängsten und Sorgen bestimmt wird, sondern dass Zukunftsoptimismus unser Denken prägt“, forderte Wenning. Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum müssten wieder als wichtige Werte geschätzt und anerkannt werden.

Besorgt und enttäuscht zeigte sich der Bayer-Chef über manche politische Entwicklung auf europäischer Ebene. Als Beispiele nannte er die dramatisch zunehmende Bürokratisierung der geplanten Chemikalienpolitik, den Emissionshandel mit klarer Benachteiligung der Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit die Ziele erfüllt haben, die integrierte Produktpolitik sowie die neuartige Gesundheitspolitik „SCALE“, die mehr auf Emotionen baue als auf wissenschaftliche Erkenntnisse.

Bayer wehre sich weder gegen gesetzliche Vorgaben noch gegen sinnvolle Regelungen und auch nicht gegen eine neue Chemikalienpolitik. Der Konzern habe sogar eine Novelle zur Anpassung an internationale Standards stets befürwortet. Zur Wehr setze sich man jedoch gegen die Überbürokratisierung, die Zeit und Geld koste, ohne der Sache, dem Schutz von Gesundheit und Umwelt, zu dienen.

Europas Industrie insgesamt und der Chemie im Besonderen werde ein Belastungspaket zugemutet, das in keinem Verhältnis zu den möglichen Verbesserungen im Umwelt- und Verbraucherschutz stehe, kritisierte Wenning. „Wir sind für Veränderungen – aber nicht um jeden Preis und unter Gefährdung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Standorte.“ Das Ziel von Lissabon, die EU zur wettbewerbsfähigsten Region der Welt zu machen, sei nicht erreichbar ohne eine innovative, auf Wachstum ausgerichtete Industrie. Nach vielen Gesprächen mit deutschen und EU-Politikern zeigte sich der Bayer-Vorstandsvorsitzende allerdings zuversichtlich, dass die geplanten Regelungen im neu gewählten Europaparlament noch einmal überarbeitet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken – ohne dabei die Interessen von Umwelt und Gesundheit zu vernachlässigen.

Dr. Oels: „Forschung lebt auch von Visionen“

„Forschung lebt nicht nur von aktuellen Ideen, sondern auch von Visionen“, sagte Dr. Udo Oels, im Bayer-Vorstand zuständig für Innovation, Technik und Umwelt. Er gab nicht nur einen Überblick über aktuelle Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie -planungen der Teilkonzerne, sondern warf auch einen Blick in die Zukunft. Unter anderem werde in der Nutzung von Pflanzen ein großes Potenzial gesehen: So diskutierten die Bereiche BioScience und Pharma bereits intensiv über die Herstellung komplexer Moleküle wie Proteinen für therapeutische Zwecke in transgenen Pflanzen.

Auch die Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe zu vollkommen neuen Materialien sei eines Tages denkbar. Große Chancen sehe Bayer in Produkten, bei denen der Konzern seine Expertise in den Bereichen Medizin und Materialforschung miteinander kombinieren und Synergien nutzen werde. Ein erster Ansatz dazu seien antibakterielle Kunststoff-Katheter, die bereits mit einem Antiinfektivum ausgestattet sind – um auf diese Weise bei der Anwendung die in den Krankenhäusern gefürchteten Infektionen zu verhindern. „Es gibt viele Überlegungen, an deren Umsetzung wir arbeiten. Nicht nur für morgen, sondern auch für übermorgen“, betonte Oels.

Mehr als die Hälfte des Bayer-Forschungsbudgets in diesem Jahr entfällt auf das Arbeitsgebiet Gesundheit mit den Divisionen Pharma, Diagnostics, Consumer Care, Animal Health und Biologische Produkte. Im Pharma-Bereich werde sich Bayer künftig auf die Therapiegebiete Antiinfektiva, Herz-Kreislauf-Risikomanagement, Krebs und Urologie konzentrieren. Derzeit verfüge die Division über eine starke frühe Pipeline mit 20 präklinischen Projekten und 11 in der Phase I. In bereits weit fortgeschrittenen Phasen befänden sich zwei viel versprechende Wirkstoffe: der Raf-Kinase-Inhibitor zur Behandlung verschiedener Krebsarten sowie der Faktor-Xa-Inhibitor zur Verhinderung von Thrombosen. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat bereits sehr positiv auf das Krebsmittel reagiert und den sogenannten „Fast-track-Status“ verliehen. Damit ist es möglich, Studienergebnisse fortlaufend einzureichen und so die Zulassung zu beschleunigen und die Entwicklung zu unterstützen. „Zurzeit befindet sich das Mittel in Phase III der klinischen Entwicklung. Erfüllen sich unsere Erwartungen beim Nierenkrebs, aber auch bei anderen Krebsarten, so könnte dieses Medikament sicherlich das Potenzial zu einem Blockbuster haben“, sagte Oels. Ähnliches gelte auch für den Thrombose-Hemmer Faktor-Xa-Inhibitor: Ein in Tablettenform einzunehmendes Mittel, das eine routinemäßige Überprüfung der Blutgerinnungs-Parameter überflüssig machen würde.

Die Forschung im Arbeitsgebiet Gesundheit, so Oels, diene aber nicht nur der Entwicklung neuer Produkte, sondern auch der Weiterentwicklung bewährter Medikamente. „Ein Beispiel für kontinuierliche Innovation des Bewährten ist unser Aspirin“, sagte der Forschungsvorstand. Weltweite Studien belegten immer neue Therapiemöglichkeiten, und die Bayer-Wissenschaftler entwickelten ständig weitere Darreichungsformen.

Eine Triebfeder für künftiges Wachstum sind auch die Neuentwicklungen im Bereich von Bayer CropScience. Bayer ist im chemischen Pflanzenschutz Marktführer und will durch innovative Produkte auch künftig überproportional wachsen. Im Jahr 2006 sollen zehn neue Produkte aus dem Zeitraum 2002 bis 2005 mit einem Umsatz von mehr als 800 Millionen Euro einen wesentlichen Teil zum Gesamtumsatz des Teilkonzerns beisteuern. Die frühe Pipeline sei zudem gut gefüllt mit Kandidaten aus allen Indikationsgebieten. Aber auch im Pflanzenschutz, so Oels, gehe es nicht nur um die Erforschung neuer Wirkstoffe mit neuartigen Wirkstoffmechanismen: „Wir konzentrieren uns auch auf Innovationen durch Life-Cycle-Management – also die ständige Verbesserung bereits eingeführter Produkte.“

Große Marktchancen erwartet Bayer zudem von einer Innovation zum Schutz der Kulturpflanzen: die Safener, eine weltweit führende Technologie, mit deren Hilfe die Unkräuter vernichtet, aber die Kulturpflanzen geschützt werden. In Kombination mit Herbiziden ergeben sich maßgeschneiderte Problemlösungen in zahlreichen Kulturen.

Zu den zukunftsträchtigsten Entwicklungen im Bereich Ernährung gehört die Pflanzen-Biotechnologie. Obwohl die „grüne Gentechnik“ noch nicht in allen Ländern akzeptiert sei, zeigte sich Oels optimistisch: „Wir sind sicher, dass sich die breite Zustimmung einstellen wird, sobald dem Verbraucher der Nutzen der Technologie in Form von wertvollen Produkten zugute kommt.“ Künftig würden die drei Säulen Pflanzenschutz, Saatgut und Pflanzen-Biotechnologie immer stärker zusammenwachsen und sich gegenseitig ergänzen. Mit Hilfe der Biotechnologie lasse sich nicht nur der landwirtschaftliche Ertrag für eine wachsende Weltbevölkerung steigern, sondern auch die Qualität der Pflanzen verbessern. So arbeitet man beim Raps an Pflanzen, deren Öl einen höheren Gehalt an ungesättigten Fettsäuren habe – und damit signifikant gesünder sei. Und Baumwollfasern sollen so modifiziert werden, dass sie leichter zu färben, weniger knitterungsanfällig und wasserabweisend sein könnten.

Faszinierend, so Oels, seien auch die Möglichkeiten, die Pflanzen als Bioreaktor bieten. Bayer forsche intensiv auf dem Gebiet maßgeschneiderter Kohlenhydrate für die verschiedensten Anwendungen des täglichen Lebens wie Klebstoffe und Nahrungsmittel, aber auch für industrielle Einsätze bei der Papierproduktion oder für Folien.

Im Rahmen der Materialforschung befasst sich der Teilkonzern Bayer MaterialScience neben umfangreichen Forschungsarbeiten bei Polymeren wie optischen Datenträgern und Autoverscheibungen oder bei Polyurethanen wie Rohstoffen für neue High-Performance-Lacksysteme auch mit der Nanotechnologie. Oels: „Das ist vielleicht der entscheidende Wachstumsträger. Denn diese Technologie gilt als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts und wird nicht nur bei der Entwicklung von Materialien eine bedeutende Rolle spielen, sondern auch in den Bereichen Medizin, Ernährung, Mikroelektronik und Biotechnologie.“ Der Vorstoß in den Kosmos der Atome und Moleküle ermögliche es, Werkstoffe mit neuen, hochinteressanten Eigenschaften und Funktionen auszustatten. „Wir bei Bayer sind im Bereich Nanotechnologie gut aufgestellt und werden unsere Position noch weiter verbessern, um künftige Marktchancen zu nutzen“, bekräftigte Oels.

Mit dem transparenten Kunststoff Makrolon war Bayer maßgeblich beteiligt am Durchbruch der CD als Speichermedium für Musik und digitale Daten. Derzeit arbeiten die Bayer-Forscher an der Entwicklung der Blu-Ray-Disc, die die derzeit bekannten DVDs in punkto Speicherkapazität um das Fünffache übertrifft. Aber die nächste Generation ist bereits ins Auge gefasst: Sogenannte dreidimensionale bzw. holografische Datenspeicher auf der Basis lichtbeschreibbarer Polymere ermöglichen den Vorstoß in den Terabyte-Bereich, so dass in absehbarer Zukunft der Inhalt einer kompletten Hausbibliothek auf einer kleinen Scheibe speicherbar sein wird. Oels: „Derartige Materialien testen wir derzeit auch zur Speicherung von Daten in fälschungssicheren Ausweissystemen, den sogenannten Smart Cards.“ Sogar Geldscheine aus dieser Spezialfolie, die dann absolut fälschungssicher wären, sind denkbar.

Als wichtiges Instrument zur zusätzlichen Stärkung der Innovationskraft wurde die „Bayer Innovation GmbH“ mit Sitz in Düsseldorf gegründet. Die eigenständig operierende Gesellschaft soll dazu beitragen, innovative Projektideen zu neuen, tragfähigen Konzepten zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um Produkte, sondern auch um vollkommen neue Geschäftsgebiete außerhalb des derzeitigen Bayer-Portfolios.

| Bayer AG
Weitere Informationen:
http://www.bayer.de

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