Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher überwinden die Große Mauer

24.05.2004


Professor Reimar Lüst, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (1972-1984), im Gespräch mit Professor Wu Youxun, Vizepräsident der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (1950 - 1977), über die zukünftige Forschungszusammen-arbeit am 25. April 1974 in Peking
Bild: MPG/Gerwin


30 Jahre Zusammenarbeit zwischen der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Max-Planck-Gesellschaft / Festveranstaltung in Beijing

... mehr zu:
»Nachwuchsgruppe »Shanghai

In Europa ist die Max-Planck-Gesellschaft der wichtigste Kooperationspartner der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Am 24. Mai 2004 feiern die beiden Institutionen mit einer Festveranstaltung in Beijing das 30jährige Bestehen ihrer Forschungskooperation. Vorgesehen ist dabei die Unterzeichnung einer Absichtserklärung ("letter of intent") über die wissenschaftlich gemeinsam verantwortete Gründung eines Forschungsinstituts der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in China als ein "Partner-Institut" der Max-Planck-Gesellschaft.

Mitten im Kalten Krieg zwischen den Machtblöcken und der in China herrschenden "Kulturrevolution" hatte eine aus acht Mitgliedern bestehende Delegation der Max-Planck-Gesellschaft unter der Leitung ihres damaligen Präsidenten Reimar Lüst im April 1974 "eine Reise ins Unbekannte" gewagt. Zurückgekehrt war die deutsche Abordnung mit dem gegenseitigen Versprechen, Wissenschaftler auszutauschen - einer lediglich mündlich getroffenen Absprache. "Damals wie heute ist die deutsch-chinesische Zusammenarbeit für die Max-Planck-Gesellschaft von herausragender Bedeutung", betont der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Peter Gruss, "und die Chinesische Akademie der Wissenschaften spielt dabei eine zentrale Rolle". Als junger Wissenschaftler hat Gruss selbst zeitweise am Gästelabor des Instituts für Zellbiologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai gearbeitet.


Ungefähr zehn Prozent aller ausländischen Nachwuchs- und Gastwissenschaftler, die im vergangenen Jahr an Max-Planck-Instituten forschten, sind aus China gekommen, mit insgesamt 474 Personen hat sich ihre Anzahl seit 1998 mehr als verdoppelt. Bislang zehn so genannte Partnergruppen hat die Max-Planck-Gesellschaft gemeinsam mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in China eingerichtet. Sie arbeiten unter der Leitung hervorragender chinesischer Wissenschaftler auf modernen Gebieten wie der Kosmologie, der Material- und Pflanzenforschung, der Chemie und der Mathematik. Damit erhalten begabte junge chinesische Forscher Gelegenheit, ihre mit deutschen Partnern in Max-Planck-Instituten begonnenen Projekte in China fortzusetzen und sich für wissenschaftliche Leitungsfunktionen zu qualifizieren.

Als besonderer Erfolg haben sich die am Modell der Max-Planck-Gesellschaft orientierten Selbständigen Nachwuchsgruppen in China erwiesen. Damit erhalten ausgewählte chinesische Wissenschaftler die Möglichkeit, bis zu fünf Jahre lang unabhängig und eigenverantwortlich zu forschen und sich so für Führungspositionen in China zu qualifizieren. Der erste Leiter der in Shanghai eingerichteten Selbständigen Nachwuchsgruppe, Prof. Pei Gang, wurde als jüngstes Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gewählt und ist zudem zum Leiter des neuen biowissenschaftlichen Zentrums der Akademie, des Shanghai Institute for Biological Sciences, berufen worden. Auch der Leiter der zweiten Nachwuchsgruppe in Shanghai, Dr. Hu Gengxi, hat Karriere gemacht: Er finanziert seine Forschungsarbeiten inzwischen aus den Einnahmen mehrerer eigener Biotech-Unternehmen.

Dieses auf fünf Jahre begrenzte Programm der Nachwuchsförderung wurde in Shanghai mit zwei neuen Gruppen weitergeführt und wird in Kunming am Akademie-Institut für Zoologie auf einem neuen Forschungsschwerpunkt der Kooperation, der Biodiversitätsforschung, mit ebenfalls zwei Selbständigen Nachwuchsgruppen fortgesetzt.

Neben den unmittelbaren wissenschaftlichen Kooperationen stellt das von der Chinesischen Akademie mit Unterstützung der Max-Planck-Gesellschaft und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung errichtete Shanghai Institute for Advanced Studies eine "Drehscheibe" für die rasante Entwicklung sowohl in dem sich rasch verändernden chinesischen Forschungssystem als auch in den modernen Wissenschaften weltweit dar.

Die Finanzierung der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit erfolgt aus dem Haushalt der Max-Planck-Gesellschaft, die dafür jährlich über eine Million Euro aufwendet, und darüber hinaus in erheblichem Umfang aus Sondermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Diese Sondermittel kommen der Zusammenarbeit der deutschen Hochschulen mit Instituten der Chinesischen Akademie der Wissenschaften zugute, da in dem Kooperationsvertrag der Max-Planck-Gesellschaft mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften andere deutsche Wissenschaftsorganisationen, insbesondere die Deutsche Forschungsgemeinschaft und somit auch die Hochschulen mit einbezogen sind.

In den 30 Jahren der Zusammenarbeit haben über 1500 chinesische Wissenschaftler längere Zeit an Max-Planck-Instituten geforscht und ebenso viele deutsche Wissenschaftler in China gearbeitet. Wie erfolgreich die Partnerschaft gelungen ist, zeigt sich auch daran, dass etwa ein Drittel aller Leitungs- und Direktorenpositionen in der Chinesischen Akademie mit Wissenschaftlern besetzt ist, die in Deutschland ausgebildet worden sind.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Barbara Spielmann (zur Zeit in Peking)
, Generalverwaltung, München
Tel.: 089 2108-1365, Fax: -1451
E-Mail: spielmann@gv.mpg.de

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Nachwuchsgruppe Shanghai

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE