Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kommission will der Grundlagenforschung Auftrieb verleihen

15.01.2004


In Brüssel stellte heute das für Forschung zuständige Mitglied der Europäischen Kommission Philippe Busquin den Entwurf der EU über die Grundlagenforschung vor. Die Mitteilung „Europa und die Grundlagenforschung” gibt einen Überblick über die Grundlagenforschung in der EU im Vergleich zu anderen Teilen der Erde einschließlich der Vereinigten Staaten und Japans und fordert zu einer Debatte darüber auf, wie dieser Forschungsbereich gefördert werden kann. Die Grundlagenforschung ist ein wichtiger Bestandteil der europäischen Wissenschaftslandschaft und ein Bereich, in dem Europa immer an der Spitze gestanden hat. In den letzten beiden Jahrzehnten wurde sie jedoch durch andere Prioritäten in den Schatten gestellt – vor allem durch die angewandte, marktorientierte Forschung. Europa kann es sich jedoch nicht leisten, die Grundlagenforschung zu vernachlässigen. In den letzten Monaten hat die Wissenschaftsgemeinde eine intensive Debatte über bestehenden Handlungsbedarf eingeleitet. Durch die Annahme dieser Mitteilung möchte die Kommission einen Beitrag zu dieser Diskussion leisten.



“Anstatt die Frage zu stellen, wie die Zukunft der Grundlagenforschung in Europa aussieht, sollten wir uns eigentlich fragen, wie die Zukunft Europas ohne Grundlagenforschung aussähe”, sagt Kommissionsmitglied Philippe Busquin. „Unser ehrgeiziges Ziel des Aufbaus einer wissensgestützten Gesellschaft und eines Europäischen Forschungsraums erfordert eine breite wissenschaftliche Basis und hochqualifiziertes Humankapital. Die Grundlagenforschung ist die Antwort auf Beides. Die Grundlagenforschung von heute wird das Wachstum, die Wettbewerbsfähigkeit und die bessere Lebensqualität von morgen sein. Die Vereinigten Staaten haben das begriffen. Die EU hinkt immer noch hinterher. Mit unserem Aufruf möchten wir wachrütteln: wir müssen jetzt handeln, um diese Situation umzukehren und die Kluft zu schließen.”

... mehr zu:
»Grundlagenforschung


Was kann die Grundlagenforschung leisten?

Es gibt kaum eine Neuerung des 20. Jahrhunderts, die nicht auf grundlegendes wissenschaftliches Denken zurückgeht. Zwei der jüngsten Erfolge illustrieren dies:

- Die im heutigen Global Positioning System (GPS) verwendeten Atomuhren wurden in den 40er Jahren entwickelt, um Einsteins allgemeine Relativitätstheorie zu überprüfen.

- Der World Wide Web (WWW) wurde von der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN mit Sitz in Genf erfunden, um die Kommunikation mit ihren zahlreichen internationalen Partnern zu verbessern.

Beide Entdeckungen haben zu technologischen Schlüsselanwendungen und Märkten mit Umsätzen in Höhe von Milliarden Euros geführt, Millionen von Stellen geschaffen und unser tägliches Leben leichter und sicherer gemacht. Dies hat die Unterstützung durch den öffentlichen Sektor ermöglicht. Aber in der Grundlagenforschung geht es nicht nur um potenzielle Anwendungen. Auch bei der Ausbildung von Wissenschaftlern spielt sie eine wesentliche Rolle. Durch Arbeiten in Pionierbereichen erwerben die Wissenschaftler Fertigkeiten und Fähigkeiten, die sie während ihrer gesamten Laufbahn nutzen werden.

Wo steht Europa?

Gute Noten bei den Veröffentlichungen, nicht so gute bei den Zitierungen. Bei den weltweiten Veröffentlichungen liegt Europa mit 41,3 % an der Spitze, im Vergleich zu 31,4 % für die Vereinigten Staaten. Bei der Anzahl der Verweise, die als der beste Indikator für die Qualität der Forschung gilt, steht Europa in den meisten Disziplinen hinten an. Die Wissenschaftler der Vereinigten Staaten können rund ein Drittel mehr an Verweisen für sich verbuchen. Europa hat bei den Nobelpreisverleihungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts sehr gute Ergebnisse erzielt, aber seither gingen die Leistungen beständig zurück.

Die Fragmentierung der Forschungssysteme Europas aufgrund struktureller Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union hat sich in verschiedener Hinsicht ausgewirkt: fehlende Zusammenarbeit und Koordinierung, kein Erreichen der kritischen Masse und - wichtiger noch - fehlender Wettbewerb auf europäischer Ebene.

Aussichten für die Zukunft

Es ist Zeit für eine neue Definition des europäischen Mehrwerts, indem den einzelnen Wissenschaftlern in allen europäischen Ländern die Möglichkeit eröffnet wird, sich mit allen anderen Wissenschaftlern auf der Grundlage von Spitzenleistungen zu messen. Die Einzelstipendien („Individual grants“) der Nationalen Stiftung für Wissenschaft NSF (National Science Foundation) der Vereinigten Staaten werden nach einem solchen Konzept vergeben. Das NSF-Konzept hat sich als sehr wirksam zur Förderung der Grundlagenforschung erwiesen. Ein solches Konzept wäre eine sinnvolle Ergänzung zur derzeitigen Politik der Förderung von Zusammenarbeit und Verbundarbeit auf europäischer Ebene.

Innovative Konzepte

Eine hochrangige Sachverständigengruppe unter dem Vorsitz von Herrn Federico Mayor hat die Durchführbarkeit der Einrichtung eines “Europäischen Forschungsrates” für Grundlagenforschung untersucht und entsprechende Empfehlungen erarbeitet. Die Kommission, die mit den Schlussfolgerungen des Berichts übereinstimmt, wird Vorschläge für die Einführung derartiger Forschungsinstrumente entwickeln und dies und die verstärkte Unterstützung für Grundlagenforschung zu einem der Schwerpunkte der künftigen Forschungsmaßnahmen der Union machen. Die Einzelheiten dieser Maßnahmen einschließlich der möglichen Einrichtung eines „Europäischen Forschungsrates“ werden Gegenstand einer breiter angelegten politischen Diskussion in den kommenden Monaten sein.

Unmittelbarer Handlungsbedarf

Parallel zu diesem Versuch, Spitzenleistungen in der Grundlagenforschung durch den Wettbewerb zu fördern, werden eine stärkere europäische Unterstützung der Forschungsinfrastruktur und eine Förderung der Einrichtung von Leistungszentren in der erweiterten Union von grundlegender Bedeutung sein. Zu den weiteren Maßnahmen gehören eine stärkere Unterstützung der Weiterentwicklung der Humanressourcen, der Fortbildung der Wissenschaftler und der wissenschaftlichen Laufbahnentwicklung, die Förderung von Zusammenarbeit und Verbundarbeit sowie eine bessere Koordinierung der einzelstaatlichen Maßnahmen, Strategien und Programme auf dem Gebiet der Grundlagenforschung.



Fabio Fabbi: 02/2964174
Lone Mikkelsen: 02/2960567

Fabio Fabbi | Europäische Kommission
Weitere Informationen:
http://europa.eu.int/comm/research/press.cfm

Weitere Berichte zu: Grundlagenforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie