Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

GanzOhrSein für ein besseres Schulklima. LMU-Projekt fördert das Hören und Zuhören in der Schule

09.01.2004


Chaos im Klassenzimmer, ein unerträglicher Lärmpegel - und sowohl Lehrer als auch Schüler sind genervt. Dass das nicht so sein muss, hat jetzt ein Modellversuch des Instituts für Schulpädagogik und Grundschulpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München gezeigt. Mit dem Projekt "GanzOhrsein" untersuchten die Wissenschaftler um Projektleiter Professor Joachim Kahlert, ob es gelingt, Kinder und Jugendliche für die Bedingungen gekonnten Hörens zu interessieren und ihre Fähigkeiten zu verbessern, gezielt zuzuhören. Die LMU-Forscher konnten im Laufe des auf drei Jahre angelegten Modellversuchs zeigen, dass sich das soziale Klima und damit auch die Lern- und Arbeitsatmosphäre im Klassenzimmer verbessert, wenn es eine gezielte Hör- und Zuhörförderung in der Schule gibt.



"GanzOhrSein" wurde als Modellversuch im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Kulturelle Bildung im Medienzeitalter" der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus sowie von der LMU gefördert.

... mehr zu:
»LMU »Schulpädagogik


Am Modellversuch waren 10 Grundschulen, zwei Hauptschulen und zwei Gymnasien beteiligt. In der Eingangsuntersuchung zeigte sich, dass die Kinder außerhalb der Schule nur selten Zuhörsituationen erleben, etwa beim Vorlesen oder Geschichtenerzählen. Danach gefragt, was sie im Unterricht am meisten störe, nannten die meisten Kinder, dass ihre Mitschüler oft nicht still seien.

In Zusammenarbeit mit Erzählern, Musikern, Komponisten und anderen Künstlern wurden Unterrichtsprojekte zu den Schwerpunkten Sprache und Sprechen, Musik, Kunst, Theater, Radio und Raumgestaltung angeboten. Zum Beispiel haben drei Grundschulen erste Formen von Pausenradio entwickelt. Verschiedene Klassen bereiten dabei kurze Beiträge vor, die dann einmal pro Woche vor oder in der Pause über die Sprechanlage der Schule gesendet werden.

Außerdem wurden mit Unterstützung der Stiftung Zuhören e.V. an mehreren Schulen Hörclubs eingerichtet, speziell eingerichtete Räume, in denen die Kinder freiwillig und außerhalb des Unterrichts Hörspiele und Hörgeschichten anhören oder auch selbst kleine Hörstücke herstellen können.

Mit Fragebögen, der Auswertung von Lehrertagebüchern sowie Einzel- und Gruppengesprächen haben die Wissenschaftler die Wirkung dieser vielfältigen Unterrichtsmaßnahmen erfasst. Sie untersuchten außerdem, wie sich die Wahrnehmung des sozialen Klimas in der Klasse entwickelt hat. Dabei stellten sie fest, dass die Kinder sich nach den drei Projektjahren weniger von anderen Schülern gestört fühlen. Schlägereien und Hänseleien seien seltener geworden. Auch gaben die Kinder am Ende des Modellversuchs an, in der Freizeit häufiger ein Musikinstrument zu spielen und Musik zu hören.

Auch die Lehrerinnen betonten, dass die Kinder höflicher zueinander seien und sich besser ausreden ließen. Sie selbst würden nun gezielter Zuhörsituationen schaffen und hätten einen bewussteren Umgang mit der eigenen Stimme entwickelt. Zudem müssten sie weniger oft schreien und seien gelassener gegenüber Störungen.

Professor Kahlert und seine Mitarbeiter fordern nun mehr Fortbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer in Hör- und Zuhör-förderung. Höratmosphäre und Zuhörfähigkeiten - wichtige Voraussetzun-gen für gelingenden Unterricht - lassen sich verbessern, wenn das Hören und Zuhören selbst zum Thema gemacht wird. Dabei sollte dieses Thema nicht auf ein Unterrichtsfach beschränkt bleiben. Das Leitbild "Wir wollen eine Schule sein, in der die Fähigkeit, einander zuzuhören, besonders gefördert wird" sollte im Rahmen der Schulentwicklung zu einem Anliegen der ganzen Schule werden. Laut Professor Kahlert braucht "ein anspruchsvoller anwendungs- und problemorientierter Unterricht, wie er gerade nach PISA mit Nachdruck gefordert wird, eine Atmosphäre, in der konzentriert miteinander gearbeitet und einander zugehört wird".

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Joachim Kahlert
Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik
Tel. 089-2180 5101
E-Mail: kahlert@lmu.de

Cornelia Glees-zur Bonsen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ganzohrsein.de

Weitere Berichte zu: LMU Schulpädagogik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften