Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsch-britisches Austauschprogramm auf dem Gebiet der sozialpolitischen Forschung

28.11.2003


VolkswagenStiftung richtet deutsch-britisches Austauschprogramm auf dem Gebiet der sozialpolitischen Forschung ein. Trägerorganisationen sind die London School of Economics, das Wissenschaftszentrum Berlin und das Zentrum für Sozialpolitik der Uni Bremen.



Auf europäischer Ebene voneinander lernen - so könnte das übergeordnete Ziel lauten, das die VolkswagenStiftung mit einem neuen Austauschprogramm für Wissenschaftler und Praktiker auf dem Gebiet der sozialpolitischen Forschung verfolgt. Das jetzt ausgeschriebene und auf die Länder Großbritannien und Deutschland fokussierte "TH Marshall Fellowship Programme in European Social Policy" soll der erste Faden eines gesamteuropäischen Netzwerks in diesem Bereich sein.



Konkret sieht es vor, dass sich in den kommenden drei Jahren jeweils sechs Personen aus Großbritannien und Deutschland mit einer sozialpolitischen Fragestellung ihrer Wahl als Gast an einer Einrichtung des anderen Landes aufhalten - mindestens drei, maximal zwölf Monate lang. In vergleichender und europäischer Perspektive sollen auf diesem Weg britische und deutsche Praktiker und Theoretiker der Sozialpolitik länderübergreifend voneinander lernen und so die mit Blick auf die Politik der sozialen Regulierung bestehenden herkömmlichen Barrieren zwischen Praxis und Theorie überwinden. "Zeitgleich erhalten die beteiligten Personen in der ersten Hälfte ihrer Karriere damit die Gelegenheit, ein bestimmtes Politikfeld vertiefend zu bearbeiten und ein kollegiales Netzwerk über Grenzen hinweg zu knüpfen", betont Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung.

Wer soll sich angesprochen fühlen? Zielgruppe für die Bewerbung um ein "TH Marshall Fellowship" in Großbritannien und Deutschland sind zum einen - in der Regel promovierte - Forscher (bis hin zum Professor). Desgleichen entsprechend qualifizierte Praktiker, insbesondere Angehörige des öffentlichen Dienstes, die in der ersten Hälfte ihrer Karriere stehen. Die Fellows sollen vergleichende und/oder supranationale Aspekte der Sozial- und Gesellschaftspolitik - einschließlich der Schnittstellen mit der Bildungs-, Finanz- und Wirtschaftspolitik - wissenschaftlich bearbeiten und sich zugleich mit der jeweiligen Praxis des anderen Landes vertraut machen.

Wo kann man sich bewerben? Zu den das Fellowship-Programm tragenden Personen und Einrichtungen zählen Professor Dr. Dr. h. c. mult. Jürgen Kocka vom Wissenschaftszentrum Berlin (Kontakt WZB siehe rechts) und Professor Dr. Stephan Leibfried vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen - sowie Professor Dr. Anthony Giddens von der London School of Economics. Diese Institutionen nehmen auch die Auswahl der Bewerber vor. Die aus Großbritannien stammenden Fellows werden dann bei ihrem Aufenthalt in Deutschland von Berlin oder Bremen aus betreut, jene aus Deutschland kommenden in Großbritannien von der London School of Economics.

Der explizit britisch-deutsche Vergleich ist dadurch motiviert, dass grundsätzlich derzeit die einzelnen Mitgliedstaaten bei ihren Bemühungen um sozialpolitische Reformen auf die Erfahrungen anderer EU-Mitglieder blicken. Damit entsteht ein Wettbewerb zwischen unterschiedlichen politisch-ökonomischen Modellen der Wohlfahrtsstaatlichkeit, die ihrerseits alle in verschiedener Weise von der Europäisierung und Internationalisierung betroffen sind. Im Spektrum dieser Regime gelten Deutschland und Großbritannien als "polare Typen".

So steht Deutschland beispielhaft für eine "koordinierte Marktwirtschaft", in der sich auf unterschiedlichen Ebenen nicht-marktliche Koordinationsmechanismen durchsetzen, die durch starke Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände aufrechterhalten werden. Hingegen ist in "unkoordinierten Marktwirtschaften" - hier gilt Großbritannien als Musterbeispiel - die Kooperation zwischen Unternehmen sowie organisierten Wirtschaftsinteressen und Gewerkschaften nur schwach entwickelt. Im Vergleich mit Deutschland sorgen dabei die vorherrschenden Steuerungsmechanismen des Marktes für eine größere Flexibilität, aber auch für eine geringere Absicherung gegen Risiken - und sie bieten geringere Anreize für langfristige Strategien, Qualitätsprodukte herzustellen.

Das Programm ist benannt nach Thomas Humphrey Marshall (1893 bis 1982), einem der führenden Theoretiker des Wohlfahrtsstaates in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie kaum ein anderer verkörpert er in seiner Person und in seinem Werk den doppelten Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis der Sozialpolitik und zwischen Großbritannien und Deutschland. 1914 kam er als Student der Geschichte nach Weimar, wurde während des Ersten Weltkriegs aber vier Jahre lang in Ruhleben bei Berlin interniert. Danach entdeckte er das Feld der Soziologie für sich. Nach der Promotion in Cambridge arbeitete Marshall bis 1956 an der London School of Economics, zunächst im Department of Social Policy and Social Administration. 1944 erhielt er im dortigen Department of Sociology den seinerzeit in Großbritannien einzigen Lehrstuhl für Soziologie. Nachdem Marshall 1947/48 im Auftrag der englischen Vereinigung für Universitätslehrer deutsche Universitäten besucht hatte, war er 1949/50 in der britischen Kontrollkommission für Deutschland für das Bildungswesen zuständig. Von 1956 bis 1960 leitete er die sozialwissenschaftliche Abteilung der UNESCO in Paris. Marshall zeichnete mit seinem unvoreingenommenen, keiner Schule verpflichteten Werk viele der heutigen Probleme des Sozialstaats frühzeitig vor.

Kontakt

Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
TH Marshall Fellowship, Presse- und Informationsreferat
Burckhard Wiebe, Reichpietschufer 50, 10785 Berlin
Telefon: 030-2549-1513, E-Mail: presse@wz-berlin.de

VolkswagenStiftung, Initiative Brückenprogramm
Dr. Alfred Schmidt, Telefon: 0511 - 8381-237
E-Mail: schmidt@volkswagenstiftung.de

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de

Weitere Berichte zu: Austauschprogramm School Sozialpolitik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Neues Computerprogramm hilft bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
13.11.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Schulraum in Stuttgart mit VLC-Technologie vom Fraunhofer HHI eröffnet
03.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte