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"Wir investieren viel zu wenig in unsere Zukunft"

08.08.2000


"Wir investieren viel zu wenig in unsere Zukunft"

TUD-Professor Ralf Steinmetz fordert Ausbau der

Informationstechnologien

Deutschland bildet viel zu wenige Ingenieure und Informatiker in den zukunftsträchtigen Bereichen der Informationstechnologien (IT) aus. Dieser - von der OECD kürzlich statistisch untermauerte - Befund war, so Prof. Dr.-Ing. Ralf Steinmetz vom Institut für Datentechnik der TU Darmstadt, längst absehbar. Während in 22 von 29 OECD-Ländern die Studierendenzahlen in den letzten Jahren deutlich nach oben gingen, bilden Deutschland und die USA das Schlusslicht. Wobei die Ausgangsbasis in Deutschland deutlich niedriger liegt als in den USA.
Wenn sich dies nicht rasch ändert, urteilt Steinmetz, werden wir bald um den Klassenerhalt in der ersten Liga kämpfen müssen. Widersinnig sei es, dass die steigende Nachfrage nach IT-Studienplätzen nicht mit einem entsprechenden Ausbau der Kapazitäten an unseren Hochschulen beantwortet werde, sondern mit einer Diskussion um Zulassungsbeschränkungen. Zu befürchten sei zudem, dass viele Professuren an der TU Darmstadt in Zukunft nicht wiederbesetzt werden können, weil das Geld fehle für attraktive Angebote an qualifizierte Nachwuchswissenschaftler.
Steinmetz geht davon aus, dass die rasante Entwicklung der Informationstechnologien das Lehren und Lernen im Hochschulbereich weltweit dramatisch verändern wird: "In spätestens zwei Jahren stehen den Universitäten Datenübertragungsraten im Gigabit-Bereich zur Verfügung. Spätestens dann werden Stanford, das MIT und andere amerikanische Top-Universitäten den hiesigen Anbietern per Internet massiv Konkurrenz machen. Wer da nicht mithalten kann, wird gnadenlos vom Markt bestraft. Das heißt: die besten Anbieter bekommen die besten Studenten". Studieneinheiten würden zudem zunehmend multimedial angeboten, das heißt dynamische Prozesse und Abläufe würden über Bild, Ton und Animation vermittelt werden. Auch hier sind erhebliche Investitionen erforderlich, wenn deutsche Hochschulen im internationalen Wettbewerb mithalten wollen.
In einem eindringlichen Appell an den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch haben Prof. Steinmetz und sein Kollege vom GMD-Forschungszentrum Informationstechnik GmbH, Prof. Dr. Erich Neuhold, kürzlich auf diese Zusammenhänge und den großen Nachholbedarf Deutschlands in Lehre und Forschung hingewiesen. Das für dieses Jahr von der Landesregierung beschlossene 25-Millionen-Programm zur Unterstützung der Informatik an den Fachhochschulen sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung; ihm müsse nun aber der konsequente Ausbau der Informationstechnologien an den Universitäten folgen.

Diplom-Volkswirtin Sabine Gerbaulet |

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