Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bericht hält Forschung und Innovation für den Schlüssel zum Wachstum in Europa

15.08.2003


Ein von Kommissionspräsident Romano Prodi in Auftrag gegebener Bericht einer unabhängigen hochrangigen Studiengruppe hat einen Weg zum Wachstum in Europa aufgezeigt, der vorwiegend auf Innovation, Forschung und Hochschulbildung ausgerichtet ist.



"Die Gruppe sieht das unbefriedigende Wachstum in Europa in den letzten Jahrzehnten als Symptom für die gescheiterte Umwandlung Europas in eine innovationsbasierte Wirtschaft", heißt es in dem Bericht.

... mehr zu:
»FuE »Hochschulbildung »Umwandlung


Diese Umwandlung, so der Bericht, sei sowohl im Kontext der Globalisierung als auch deshalb notwendig, weil sich Europa nicht mehr darauf konzentrieren muss, die USA nachzuahmen, sondern darauf, wie man es besser machen kann.

"Im Gegensatz zur Nachkriegszeit, in der das Wachstum und das Aufholen gegenüber den USA hauptsächlich durch Häufung von Faktoren und Nachahmung erreicht werden konnte, ist nun, nachdem die europäischen Länder näher an die technologische Spitze gerückt sind und auch neue technologische Revolutionen stattgefunden haben, [...] Innovation an vorderster Front zum wichtigsten Wachstumsmotor geworden."

Der Wettbewerb seinerseits schafft einen verstärkten Bedarf an Forschung und Entwicklung (FuE) und Hochschulbildung.

"Europa leidet unter dem Mangel an Investitionen des privaten Sektors in FuE, den sinkenden Niveaus öffentlicher FuE-Investitionen und einer wenig effizienten Verteilung der verfügbaren öffentlichen Mittel", so die hochrangige Sachverständigengruppe. Zur Behebung dieser Schwächen werden Steuererleichterungen für Investitionen in FuE und Innovation sowie zusätzliche öffentliche Mittel für die Forschung sowohl auf Ebene der Einzelstaaten als auch der EU vorgeschlagen.

Der Bericht stellt die Modelle für die Zuweisung von Forschungsmitteln in ganz Europa in Frage. Er kritisiert ihr Prinzip des "juste retour", bei dem jede Partei den Gegenwert ihrer Ausgaben zurückerstattet bekommt, da es Prioritäten und Spitzenleistungen nicht ausreichend berücksichtigt.

Auch zentral gesteuerte Forschungsprogramme wie z.B. die Rahmenprogramme für Forschung der Europäischen Kommission werden hinterfragt. Nach Ansicht der hochrangigen Sachverständigengruppe kann das Finanzierungsprogramm allgemein zu langwierig und bürokratisch sein, und die zur Finanzierung ausgewählten Projekte fallen eher groß aus und "können sich leicht als so genannte ’weiße Elefanten’ (d.h. nutzlos und teuer) erweisen".

Das nach Ansicht des Papiers schlimmste Förderszenario kommt dann zustande, "wenn die Elemente der beiden funktionsunfähigen Modelle kombiniert werden". Die EU wird dringend aufgefordert, die Forschungsbewertung effizienter zu organisieren, sodass sie "als Katalysator für die länderübergreifende Verbreitung besserer Praktiken fungiert". Der Bericht empfiehlt ferner, dass stets für Wettbewerb um die Förderung, gegenseitige Bewertung und Nachbewertung durch unabhängige und international anerkannte Forscher gesorgt sein sollte, um wiederholte Förderung schlechter Projekte und das Entstehen "weißer Elefanten" zu verhindern.

Die Gruppe empfiehlt ferner die Einrichtung einer unabhängigen europäischen Agentur für Wissenschaft und Forschung (EASR) nach dem Vorbild der US-amerikanischen National Science Foundation und der nordischen und britischen Forschungsräte. Die neue Einrichtung würde eher finanzielle Hilfe als Beratung anbieten, ein "Bottom-Up"-Konzept zur Förderung von Vorschlägen zur Finanzierung verfolgen, alle wissenschaftlichen Disziplinen abdecken, ihre Entscheidungen nach wissenschaftlichen Kriterien fällen, ein transparentes Verfahren zur gegenseitigen Bewertung anwenden, ihren Geldgebern gegenüber verantwortlich sein, aber selbstständig arbeiten und von hoch angesehenen Wissenschaftlern geleitet werden.

Innovation und Unternehmergeist in Europa könnten nach Ansicht der hochrangigen Sachverständigengruppe auch dadurch angeregt werden, dass der Kontinent eine positive Haltung gegenüber Einwanderern aus Drittländern entwickelt, was den bedeutenden Beitrag der Einwanderer hervorhebt.

Der Bericht unterstützt das Konzept des Europäischen Forschungsraums (EFR), obwohl dieser Gedanke in den Augen der Sachverständigengruppe "durch einige strukturelle Eigenschaften der europäischen Forschung konterkariert wird, insbesondere durch ihre zersplitterte Natur und die Schwierigkeit, das zweifellos vorhandene wissenschaftliche Potenzial Europas sowohl für die Schaffung neuen Wissens als auch für die Umsetzung dieses Wissens in kommerziell nutzbare Innovationen optimal zu nutzen".

Hinsichtlich der Bildung ist die hochrangige Sachverständigengruppe der Ansicht, dass die Anzahl der Schulabgänger, die eine abgeschlossene Hochschulbildung anstreben, für die wissensintensive Wirtschaft eindeutig unzureichend sei, und fordert die Schaffung der Gleichwertigkeit zwischen Studienabschlüssen und Lehrplänen in den Ländern der EU. Der Bericht empfiehlt weiter, durch finanzielle Anreize zur Gründung neuer Spitzenforschungszentren oder Forschergruppen anzuregen.

| cn
Weitere Informationen:
http://dbs.cordis.lu/cgi-bin/srchidadb?CALLER=NHP_DE_NEWS&ACTION=D&SESSION=&RCN=EN_RCN_ID:20716&TBL=DE_NEWS

Weitere Berichte zu: FuE Hochschulbildung Umwandlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE