Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von den "Plasten und Elasten" zum Kunststoff - 40 Jahre Kunststoffingenieure von Chemnitzer Uni

04.10.2000


Vor genau 40 Jahren führte er die

Fachrichtung "Technologie der Plastverarbeitung" an der Chemnitzer

Uni ein: Prof. Ernst Möbius, hier in einer Vorlesung


Auch bei den Praktika legte Prof. Möbius

(rechts, hier mit Studenten an einem Versuchsstand) mit Hand an.

Links mit Kittel: Versuchsfeldleiter Günter

Keil


Seit 40 Jahren bildet die Chemnitzer Uni mit großem Erfolg Kunststoffingenieure aus

Irgendwie unterscheiden sie sich immer noch ein wenig, die Menschen aus der ehemaligen DDR und aus der alten Bundesrepublik, zumindest in der Sprache. "Warum sagen Westler immer Plastik, wenn sie Plaste meinen?", fragt zum Beispiel ein junger Mann mit Alias-Namen "Spider" im Internet. "Also zum Beispiel: Plastiktüte. Eine Plastik ist ein Produkt der bildenden Kunst und in Museen zu bewundern oder in Parks oder sonst wo. Das Zeug aus der Kaufhalle (Supermarkt) heißt Plaste.", Und tatsächlich: Wer in einem DDR-Wörterbuch unter "Plastik" nachschaut, findet dort die Erklärungen "Bildhauerkunst" und "Wiederherstellung von Organen und Gewebeteilen". Kunststoffe dagegen hießen hier (und heißen in den neuen Bundesländern meist noch immer) "Plaste" und "Elaste" (und der Supermarkt "Kaufhalle"). Hergestellt wurden die Plaste und Elaste meist in Schkopau im Volkseigenen Betrieb (VEB) Chemische Werke Buna. Und die Fachleute für die Verarbeitung der Plaste stammten oft aus der Chemnitzer Uni.

40 Jahre ist es in diesen Tagen her, seit an der damaligen Hochschule für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt die Fachrichtung "Technologie der Plastverarbeitung" eingerichtet wurde. Angesiedelt war sie an er Fakultät für Technologie, und sie schloss mit dem Titel "Diplom-Ingenieur" ab. Der Einführung war ein Beschluss des Staatssekretariats für das Hoch- und Fachschulwesen vom Januar 1959 vorausgegangen, denn auch in der DDR traten damals die Kunststoffe ihren Siegeszug an.

Damit begann eine Erfolggeschichte, die sich bis heute fortsetzt. Anlass genug für eine kleine Feier am 24. Oktober 2000, 18.00 Uhr im Zentralen Hörsaal- und Seminargebäude der Chemnitzer Uni, Reichenhainer Straße 70, N 113. Dann findet das Kunststofftechnische Kolloquium statt, und bei dieser Gelegenheit blicken die Wissenschaftler auf 40 Jahre Ausbildung Kunststofftechnik an der TU Chemnitz zurück. Dabei wird auch die Kunststoffsituation in der damaligen DDR beleuchtet. Und natürlich gibt es anschließend einen kleinen Empfang, bei dem auch alte Erinnerungen aufgefrischt werden können.

16 Studenten waren damals eingeschrieben, als die Vorlesungen am 1. September 1960 begannen - alle hatten schon ein Vordiplom einer anderen Fakultät in der Tasche. Unterrichtet wurde das Fach von dem Chemiker Dr. Ernst Möbius, der zuvor die Forschung und Entwicklung beim VEB Eilenburger Celluloidwerk geleitet hatte und am 1. Juli zum Professor ernannt worden war. Gleichzeitig leitete Möbius auch das Institut für Technologie der Plaste. Als 1968 die DDR-Hochschulen reformiert wurden, wurde daraus der "Lehr- und Wissenschaftsbereich Plast- und Elasttechnik", der in die Sektion Verarbeitungstechnik eingegliedert wurde.

Die Professoren und Dozenten des Fachgebietes mussten eine Lehrbefähigung, die Facultas docendi, besitzen. Die war an den Nachweis hoher wissenschaftlicher Leistungen gebunden. In der Regel setzte sie die "Promotion B" voraus, die der westdeutschen Habilitation entsprach. Wer sie schaffte, erhielt den Grad eines Doktors der Wissenschaften (Dr. sc.), der nach der Wende in Dr.-Ing. habil. umgewandelt werden konnte. Aber auch auf die pädagogischen Eignung und möglichst auch auf einen Studien- oder Forschungsaufenthalt im "sozialistischen Ausland" und auf Erfahrungen in Forschung und Lehre legte man Wert.

Mehr als 1.100 Diplom-Ingenieure bildeten die Chemnitzer Wissenschaftler in den vergangenen 40 Jahren aus, teils im Direkt-, teils im Fernstudium. Dazu kamen noch einmal 112 Vertreter aus der Industrie, die hier ein Aufbaustudium zum "Fachingenieur für Plastanwendung" absolvierten. 83 Diplom-Ingenieure qualifizierten sich zum Dr.-Ing. weiter, und zehn schafften gar die Promotion B zum Dr. sc. techn.

Natürlich ging auch die Wende nicht spurlos an der Plast- und Elasttechnik vorüber: 1994 wurde das "Institut für Allgemeinen Maschinenbau und Kunststofftechnik" gegründet. Bereits vorher waren die ehemaligen Sektionen aufgelöst worden - die Sektion Verarbeitungstechnik ist nun Teil der Fakultät für Maschinenbau und Verfahrentechnik. Die Professur Kunststoffverarbeitungstechnik wird jetzt von Prof. Günter Mennig geleitet, der die künftigen Diplom-Ingenieure im Haupt- und im Nebenfach "Kunststofftechnik" ausbildet.

Und noch etwas ist geblieben: Die erstklassige Forschung der Chemnitzer Wissenschaftler. So entwickelten sie vor einiger Zeit ein wegweisendes Recycling-Verfahren für Gummi, das endlich eine Lösung für das immer drängender werdende Altreifenproblem verspricht. Daneben erkunden sie neue Anwendungen für so genannte flüssigkristalline Kunststoffe (LCPs), die besonders stabil sind. Außerdem organisiert das Institut für Allgemeinen Maschinenbau und Kunststofftechnik nun schon seit 30 Jahren die TECHNOMER, eine international angesehene Fachtagung zur Verarbeitung und Anwendung von Polymeren.

 Hubert J. Gieß | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: First-Ever 3D Printed Excavator Project Advances Large-Scale Additive Manufacturing R&D

Heavy construction machinery is the focus of Oak Ridge National Laboratory’s latest advance in additive manufacturing research. With industry partners and university students, ORNL researchers are designing and producing the world’s first 3D printed excavator, a prototype that will leverage large-scale AM technologies and explore the feasibility of printing with metal alloys.

Increasing the size and speed of metal-based 3D printing techniques, using low-cost alloys like steel and aluminum, could create new industrial applications...

Im Focus: Zielsichere Roboter im Mikromaßstab

Dank einer halbseitigen Beschichtung mit Kohlenstoff lassen sich Mikroschwimmer durch Licht antreiben und steuern

Manche Bakterien zieht es zum Licht, andere in die Dunkelheit. Den einen ermöglicht dieses phototaktische Verhalten, die Sonnenenergie möglichst effizient für...

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungen

Einzug von Industrie 4.0 und Digitalisierung im Südwesten - Innovationstag der SmartFactoryKL

30.09.2016 | Veranstaltungen

"Physics of Cancer" - Forscher diskutieren über biomechanische Eigenschaften von Krebszellen

30.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Materialkompetenz für den Leichtbau: Fraunhofer IMWS präsentiert neue Lösungen auf der K-Messe

30.09.2016 | Messenachrichten

Vom Rollstuhl auf das Liegerad – Mit Funktioneller Elektrostimulation zum Cybathlon

30.09.2016 | Energie und Elektrotechnik