Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Studiengang zu Südasien

25.07.2000


Alte Kulturen - neue Mächte

... mehr zu:
»Indologie »Südasien

Der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem modernen Südasien - insbesondere Indien - kommt immer größere Bedeutung zu. Das zeigt nicht zuletzt auch die gegenwärtige "Greencard"-Diskussion. Die sprachliche, kulturelle und religiöse Vielfalt dieser Region wie auch die Lebendigkeit von Tradition und Geschichte, die selbst aktuelle Prozesse massiv beeinflussen, erfordern jedoch einen neuartigen Ansatz, der verschiedene, bisher eher getrennte Disziplinen vereint. Diese Überlegungen haben zur Entwicklung des neuen Studiengangs "Sprachen und Kulturen des neuzeitlichen Südasiens" an der Martin-Luther-Universität geführt, der nach erfolgter Genehmigung durch das Kultusministerium zum Wintersemester 2000/2001 eingeführt werden soll.

Indien und Südasien
Vor allem die "regionale Großmacht" Indien ist für den Bedeutungszuwachs Südasiens verantwortlich. Die - bezogen auf die Binnenkaufkraft - hinter den USA, China, Japan und Deutschland inzwischen fünftgrößte Wirtschaftsmacht der Erde hat nicht nur einen bedeutenden Platz im Bereich der Softwareentwicklung inne, sondern auch eine eigene Produktion im Waffen-, Kernenergie- und Weltraumsektor. Neben den USA, Japan und Deutschland gehört Indien zu den wenigen Ländern, die selbstentwickelte Supercomputer herstellen können. Zudem sind Südasiaten, insbesondere Inder, eine bedeutsame "pressure group" in mehreren Industrieländern der Welt, beispielsweise in den USA, wo sie die erfolgreichste und wohlhabendste asiatische Einwanderergruppe bilden.

Kultur- und Gedankenwelt verstehen
Der Studiengang "Sprachen und Kulturen des neuzeitlichen Südasiens" geht davon aus, dass der erfolgreiche Zugang zu den Menschen einer bestimmten Region - auch als Absatzmarkt für Waren und Dienstleistungen - über die dortige Kultur und Gedankenwelt erfolgen muss. Das beinhaltet natürlich die sprachliche Erschließung. Bei einer derart heterogenen Region wie Südasien kann dieser Zugang niemals umfassend sein, doch es wird der Versuch unternommen, ein möglichst breites Fundament zu schaffen, auf dem dann weiter aufgebaut werden kann. Das belegen schon die für das Hauptfachstudium vorgeschriebenen Sprachkurse: Neben der Kenntnis zweier moderner südasiatischer Sprachen werden Grundkenntnisse sowohl des Sanskrit als auch des Persischen verlangt.

Interdisziplinäre Vernetzung


Angesichts der äußerst begrenzten Möglichkeiten für einschlägige Studien in Deutschland muss dieses Fach eine Weiterentwicklung in verschiedene Richtungen ermöglichen, von linguistischen, literatur- und religionskundlichen Studien bis hin zu gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunkten oder der Kombination mit wirtschaftswissenschaftlichen Fächern. Ermöglicht wird dies durch interdisziplinäre Vernetzung. Zu nennen sind hier einerseits Pflichtanteile, die auch von diversen Fächern wie Indologie, Islamwissenschaft, Sprachwissen-schaft und Medienwissenschaft abgedeckt werden. Andererseits sind möglichst wenige Lehrinhalte vorgeschrieben, so dass Relevantes aus einem breiten Spektrum von Fächern an der Martin-Luther-Universität sowie an anderen umliegenden Einrichtungen in das Studium integriert werden kann. Dabei handelt es sich vorerst um die Universitäten in Leipzig, Jena und Erfurt sowie die Fachhochschule Merseburg.

Keine zusätzlichen Gelder - keine neuen Stellen
Die Vernetzung ermöglicht es, das nicht unerhebliche einschlägige Potenzial in Mitteldeutschland anzuzapfen und gleichzeitig ohne zusätzliche neue Stellen für Lehrkräfte auszukommen! Ein Faktor, der angesichts der desolaten Lage der öffentlichen Finanzen Hervorhebung verdient.
Der Studiengang wird am derzeitigen Institut für Indologie beheimatet sein, das mit der Einführung seinen Namen in Institut für Indologie und Südasienwissenschaften ändert.

Ein Schwerpunkt: Bengalen
Einen Schwerpunkt ist die Beschäftigung mit dem zwischen Indien und Bangladesch aufgeteilten Bengalen, denn diese Region, deren Wichtigkeit bereits oben angedeutet wurde und die - über beide Länder verteilt - die größte Ansammlung von Muslimen in Südasien beherbergt, nimmt eine Sonderstellung ein.
Kalkutta, das geistige Zentrum Britisch-Indiens, war nach London die zweite Stadt des Empire. Auch im heutigen Indien gilt sie als die bedeutendste Kulturmetropole. Das moderne Zeitalter zog vor allem über Kalkutta und vornehmlich durch das Medium der bengalischen Sprache in Südasien ein, besonders durch das Wirken hinduistischer Bengalen.
Ein tieferes Verständnis aktueller Entwicklungen in Südasien bedarf daher zwingend der wissenschaftlichen interdisziplinären Durchdringung dieses Gebietes und seiner Kultur. Schon seit einigen Jahren gibt es hierzu an der Martin-Luther-Universität ein Postgraduiertenstudium: Die erste Dissertation erhielt 1998 den Forschungspreis der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft.

Prof. Dr. Rahul Peter Das / Dr. Monika Lindner

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Rahul Peter Das
Tel.: 0345/552 36 52
Fax: 0345/552 72 11
E-Mail: das@indologie.uni-halle.de

Ingrid Godenrath |

Weitere Berichte zu: Indologie Südasien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise