Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Run auf das Informatikstudium sprengt die Hochschulen: GI fordert sofortiges Handeln

04.12.2000


... mehr zu:
»Informatikstudium
Der Run auf das Informatikstudium sprengt die Kapazitäten der Hochschulen. Von den Entscheidungsträgern in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft fordert der Präsident der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI)
jetzt schnelles Handeln.

"Sofortiges Handeln ist jetzt gefragt", kommentierte der Präsident der Gesellschaft für Informatik GI, Prof. Dr. Heinrich C. Mayr, die neuesten Zahlen zu Studienanfängern in der Informatik. Laut Statistischem Bundesamt haben zum Wintersemester 2000 knapp 24.000 Studierende ein Studium der Informatik an deutschen Hochschulen aufgenommen. Im Wintersemester 1997 waren es gerade 10.650 Interessierte.

"Den erfreulich gewachsenen Anfängerzahlen steht eine viel zu geringe Lehr- und Forschungskapazität gegenüber, wie sich jetzt dramatisch zeigt. An vielen Standorten ist deshalb eine geregelte Ausbildung trotz höchster Anstrengungen nicht mehr möglich", so Mayr.

Jetzt räche es sich, dass nicht bereits frühzeitig Maßnahmen ergriffen worden seien, um der boomenden Nachfrage nach akademisch ausgebildeten Informatik-Fachkräften auch die entsprechenden Ausbildungskapazitäten gegenüberzustellen. "Die jungen Leute haben reagiert und das Fach Informatik angenommen, Politik und Universitätsleitungen haben geschlafen", kritisierte Mayr.

Es sei nachgerade skandalös, dass bis heute der Curricularnormwert der Informatik (Anm.: Rechengröße zur Bestimmung der Personalintensität einer Disziplin) zwar seit Jahren allgemein als zu niedrig eingeschätzt werde, aber noch immer keine Anhebung erfolgt sei. Besonders fahrlässig sei es, dass die Universitätsleitungen noch immer nur sehr zögerlich dringend erforderliche Umschichtungen vornähmen, erläuterte Mayr.

"Es geht nicht an, dass bei anderen, zunehmend weniger nachgefragten Studiengängen mittlerweile das Zahlenverhältnis zwischen wissenschaftlichem Personal und Studierenden drei- bis viermal so hoch ist wie in der Informatik", betonte der Präsident. "Und dann werden noch die wenigen, teuer ausgebildeten Absolventen dieser Fachrichtungen mit großen Kosten auf die Informatik umgeschult, weil sie in ihrer Disziplin keinen adäquaten Arbeitsplatz finden."

Jede frei werdende Stelle, insbesondere auch im akademischen Mittelbau müsse eingehend darauf überprüft werden, ob sie wirklich im angestammten Bereich unabdingbar ist. Das althergebrachte Besitzstandsdenken sei hier nicht mehr zielführend, so Mayr: "Die hierfür an den Universitäten verantwortlichen Instanzen können oder wollen diese Aufgabe offensichtlich nicht wahrnehmen - somit ist Druck von außen erforderlich", kritisierte Mayr die aktuelle Politik an den Hochschulen.

Auch die Wirtschaft müsse ihren Teil zu Übergangslösungen beitragen, schließlich benötige und fordere sie ja gut ausgebildete Informatik-Fachkräfte. Mit kleinen Lösungen sei es jetzt nicht mehr getan, substanzielle und nachhaltige Investitionen seien gefordert.

Es wäre ein Armutszeugnis für den Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn - wie am Freitag vom Fakultätentag Informatik in Magdeburg empfohlen - die Informatik-Fachbereiche trotz des hohen Bedarfs an Fachkräften bundesweit einen Numerus Clausus einführen müssten. "Ich fordere die Entscheidungsträger auf, endlich ihre Verantwortung wahrzunehmen und zu handeln", so Mayr nachdrücklich.


Bei Abdruck Belegexemplar erbeten. Vielen Dank!

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Cornelia Winter | idw

Weitere Berichte zu: Informatikstudium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung