Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Positive Wirkung der Kasseler Uni auf die Region

17.08.2000


... mehr zu:
»GhK
Die Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) hat eine positive regionalwirtschaftliche Wirkung in Nordhessen. Dies ist das Ergebnis einer jetzt in Buchform erschienenen Studie, die unter der Leitung des kommenden
GhK-Präsidenten, Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep, erarbeitet wurde.

Kassel. Die Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) hat eine positive regionalwirtschaftliche Wirkung in Nordhessen. Trotz guter Ansätze wird die Universität von den nordhessischen Unternehmen aber noch nicht ausreichend als Innovationspotential genutzt. Wenn Uni und Unternehmen, also zwei Systeme mit äußerst unterschiedlichen Zielen, Planungshorizonten und Interessen, mehr miteinander kooperieren wollen, müssen Informationsdefizite über die Universität abgebaut und gemeinsame Strukturen für einen leichteren Wissenstransfer gestärkt werden. So einige Ergebnisse einer Studie zur regionalwirtschaftlichen Bedeutung der GhK, die Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep und seine Mitarbeiter Dipl.-Oec. Lorenz Blume, Dr. Oliver Fromm und die studentische Mitarbeiterin Maria Daskalakis im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Kasseler Universität 1999 erarbeiteten. "Es ist von herausragender Bedeutung für die Region ebenso wie für die Universität, dass die GhK ihre Wirkung in die Region optimal entfaltet - nicht nur als Wirtschafts-, sondern allgemein als kultureller Faktor", sagte Professor Postlep, der mittlerweile zum Präsidenten der GhK gewählt wurde und dies als eine seiner Aufgaben für seine Amtszeit fest in den Blick genommen hat.
Dazu fügt es sich glücklich, dass diese bedeutende Studie nun in gedruckter (Deutscher Universitätsverlag) und in elektronischer Form (Kassel University Press) als "Kasseler Semesterbuch" erschienen ist und heute der Presse vorgestellt wurde.
Finanziell gefördert wurde die Untersuchung durch die Kasseler Sparkasse und der Industrie- und Handelskammer Kassel; erstere hat auch die Veröffentlichung noch einmal maßgeblich unterstützt.

Finanzströme nach Nordhessen
Im einzelnen untersucht wurden in der Studie die Wirkung der durch die Universität nach Nordhessen gezogenen Finanzströme, aber auch die Bedeutung des Transfers von Wissen aus der GhK in die Unternehmen der Region.
Am leichtesten lässt sich die Wirkung einer Universität auf die regionale Wirtschaft an der Zahl der Beschäftigten ablesen, die direkt oder indirekt von ihr abhängen: Bei der Kasseler Universität sind dies 4121 Arbeitsplätze - und damit 1,23 Prozent des regio-nalen Arbeitsmarktes. Aber auch die finanzielle Wirkung der GhK ist erheblich: Die direkt durch die GhK ausgelöste regionale Nachfrage von 364,2 Millionen Mark (1997) führt über Multiplikatorenprozesse zu einer Erhöhung des nordhessischen Produktionswertes von rund 530 Millionen Mark - und macht damit 0,63 Prozent des gesamten regionalen Produktionswertes aus.

Innovationskraft durch Wissen
Sind die Finanzströme, die durch eine Universität mit ihren Einkommen, Baumaßnahmen, Forschungsaufträgen und Ausgaben der Studierenden in einen Standort wie Nordhessen gezogen und dort zu großen Teilen auch verausgabt werden, ein wichtiges Kriterium für eine Standortregion, so ist dies noch nicht die spezifische Wirkung einer Universität: Ein bedeutsamer strategischer Faktor der Standortentwicklung ist, wie die Innovationskraft einer Region durch Wissen gestärkt werden kann. Und das ist weit schwieriger zu messen und zu vergleichen. Denn der Wissenstransfer aus einer Hochschule bezieht sich auf den Personaltransfer ebenso wie auf die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse an Unternehmen. Dies haben die Mitarbeiter der Studie ebenfalls untersucht und dazu 2500 nordhessische Unternehmen befragt; der Rücklauf war in Anbetracht des Umfangs des Fragebogens zufriedenstellend (314 Unternehmen, 12,6 Prozent). Ein Teilergebnis der Studie: Je größer, je innovativer, je näher räumlich an der GhK gelegen und je mehr Akademiker im Unternehmen beschäftigt sind, um so intensiver sind die Kontakte zur GhK.

Die Autoren der Studie schlagen vor, durch weitere Information mögliche Kooperationshemmnisse abzubauen. Bei dieser Aufgabe sollten die Kammern helfen, Information in die Unternehmen zu bringen. Deutlich macht die Untersuchung aber auch, dass vor allem der persönliche Kontakt hilft, gemeinsame Beziehungen aufzubauen. Hier können informelle und themenspezifische Gesprächskreise helfen, solche persönlichen Kontakte anzubahnen.

Sehr deutlich arbeitet die Studie heraus, dass Universitäten und Unternehmen sehr unterschiedliche Organisationskulturen haben und am gegenseitigen Verständnis gearbeitet werden muss: Kooperation muss von beiden Seiten gewollt und entsprechende Strukturen weiterentwickelt werden. Sind für Unternehmen die Gewinnerzielung, Markt- und Kundennähe und rasche Umsetzbarkeit von Erkenntnissen von zentraler Bedeutung, so ist Aufgabe universitärer Forschung vorrangig ein Erkenntnisinteresse und die Anerkennung dieser Ergebnisse, die häufig im Grundlagenbereich liegen, in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Die Umsetzung in marktfähige Produkte ist somit keine originäre Aufgabe der Universität, sondern erfordert zusätzliche Unterstützung. Daher schlägt die Studie u.a. neben dem Abbau von Informationsdefiziten die Gründung von An-Instituten (Beispiel: ISET) und die Förderung der Ausgründung von Unternehmen aus der Universität durch Wissenschaftler als Kernpunkte des Wissenstransfers vor.

Die Studie schließt mit dem Fazit: Zum Nutzen der Region sollten beide Seiten weiter aufeinander zugehen. Die Existenz einer Universität ergibt Vorteile gegenüber Regionen ohne Uni. Die Unternehmen sollten sich, unterstützt durch ihre Organisationen, mehr Information zur Kasseler Uni erschließen. Und diese solle ihre wissenschaftliche Reputation weiter ausbauen und damit das Image in der Region und im Wettbewerb der Regionen noch stärken.
p./jb.
6.409 Zeichen
Lorenz Blume/Oliver Fromm: Regionalökonomische Bedeutung von Hochschulen. Eine empirische Untersuchung am Beispiel der Universität Gesamthochschule Kassel. Gabler Edition Wissenschaft. Deutscher Universitätsverlag. Wiesbaden 2000
Elektronisch unter http://www.upress.uni-kassel.de.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Ingrid Hildebrand |

Weitere Berichte zu: GhK

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Neues Computerprogramm hilft bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
13.11.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Schulraum in Stuttgart mit VLC-Technologie vom Fraunhofer HHI eröffnet
03.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften