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Milliardengeschäft Forschung

26.05.2003


Unternehmen verlagern Forschung und Entwicklung auf externe Dienstleister / Bedeutung des Auslands wächst / Kritiker warnen vor Aushöhlung der Wettbewerbsfähigkeit


Auch bei Forschung und Entwicklung hinterlässt die Globalisierung Spuren: Deutsche Unternehmen entwickeln neue Technologien zunehmend nicht mehr selbst, sondern beauftragen externe Dienstleister damit - immer häufiger auch im Ausland. Zu diesem Ergebnis kommt das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, gemeinsam mit dem ifo Institut, München, und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Essen. Von den gut sechs Milliarden Euro, die allein das Verarbeitende Gewerbe im Jahr 2000 an ex-terne Forscher und Entwickler zahlte, flossen mehr als eine Milliarde Euro ins Ausland. Dennoch bleibt dieses Geld meistens "in der Familie": Über die Hälfte der ausländischen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten werden von konzerneigenen Unternehmensteilen erbracht.

Der Gesamtmarkt für Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen in Deutschland belief sich 2000 auf über 11 Milliarden Euro. Nach dem Verarbeitenden Gewerbe sind Dienstleistungsunternehmen zweitgrößter Auftraggeber für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten (2,7 Milliarden Euro), gefolgt vom Ausland (1,5 Milliarden Euro). Schlusslicht ist der Staat mit 1,2 Milliarden Euro. Bei den Auftragnehmern dominieren private Dienstleistungsunternehmen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie die Fraunhofer- oder die Helmholtz-Gesellschaft. Sie erzielten im Jahr 2000 einen Umsatz von über 5 Milliarden Euro. An zweiter Stelle lagen die Industrieunternehmen selbst (3,7 Milliarden Euro), gefolgt vom Ausland (1,9 Milliarden Euro) und den Hochschulen (0,8 Milliarden Euro).


Immer kürzere Innovationszyklen, Outsourcing und Unternehmenskonzentrationen begünstigen den Trend zur Vergabe von FuE-Aufträgen an andere Unternehmen und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. Vorreiter sind der Fahrzeugbau, der 22,4 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung an Dienstleister extern vergibt, und die chemische Industrie mit 15 Prozent. Schlusslicht sind Maschinenbau und Elektrotechnik mit rund 7 Prozent.

Doch nicht alle Unternehmen seien von den Vorteilen der technologischen Arbeitsteilung überzeugt, hat Projektleiter Knut Koschatzky vom Fraunhofer-ISI festgestellt. "In Großunternehmen mehren sich die Stimmen, die vor einem Aushöhlen der technologischen Wettbewerbsfähigkeit warnen." Grund sei die Angst vor einem Verlust von Kompetenzen und Ressourcen an externe Lieferanten. Laut Koschatzky holen deshalb einige technologieintensive Unternehmen Kompetenzen bereits wieder in ihr Unternehmen zurück.

Einzelheiten zur Struktur und Perspektiven dieses Wachstumsmarktes sind in einem 214-seitigen Buch mit dem Titel "Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen in Deutschland" zusammengefasst. Es ist im Fraunhofer IRB Verlag erschienen (ISBN 3-8167-6254-9) und kann über den Buchhandel oder das Fraunhofer-ISI bezogen werden.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

Bernd Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fhg.de/pr/2003de/pri09/pri09.htm

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