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DFG richtet 14 neue Schwerpunktprogramme ein

14.05.2003


Scharfer Wettbewerb unter 58 vorgeschlagenen Projekten



Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird ab Anfang 2004 vierzehn neue Schwerpunktprogramme fördern. Das hat jetzt der Senat der DFG beschlossen. Die neuen Programme wurden unter 58 eingereichten Vorschlägen ausgewählt und werden in den ersten zwei Jahren mit einem Gesamtvolumen von 38 Millionen Euro gefördert. Die Zahl der insgesamt geförderten Schwerpunktprogramme wird damit im kommenden Jahr 112 betragen. Ziel des Förderinstruments "Schwerpunktprogramme" ist es, Wissenschaftler unterschiedlicher Forschungseinrichtungen und -felder im Rahmen eines thematisch definierten Projektes zusammenzuführen und zu unterstützen. Die Laufzeit von Schwerpunktprogrammen beträgt in der Regel sechs Jahre.



Die neuen Programme im Einzelnen:

Lebenswissenschaften

Das Schwerpunktprogramm "Kolonisation und Infektion durch humanpathogene Pilze" befasst sich mit der Rolle von Pilzinfektionen, die vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem lebensbedrohende Infektionen auslösen können. Im Mittelpunkt der Forschung stehen die Prozesse, die einen normalerweise harmlosen Pilz virulent werden lassen, seine Infektions- und Ausbreitungsmechanismen sowie die Wechselwirkung der Erreger mit dem Immunsystem des Patienten. Die bereits erfolgte Sequenzierung der Genome einiger für den Menschen gefährlicher Pilze bietet dabei eine hervorragende Ausgangsbasis, um über funktionelle Genomanalysen die aufgeworfenen Fragen zu untersuchen. (Koordinator: Prof. Dr. Axel Brakhage, Universität Hannover)


Das Schwerpunktprogramm "Die Bedeutung der Neuroglia für die Bildung, Funktion und Plastizität von Synapsen" beschäftigt sich mit Gliazellen, einem Zelltypus des menschlichen Nervensystems, dem in der Vergangenheit lediglich eine passive Rolle in der neuronalen Informationsverarbeitung zugesprochen wurde. Neuere Erkenntnisse belegen jedoch, dass Gliazellen nicht nur der "Klebstoff" des Nervensystems sind, sondern durch ihre aktive Wechselwirkung mit Neuronen wesentlich zur Verarbeitung von Information im Gehirn beitragen. Der Dialog zwischen Neuronen und Gliazellen steht im Mittelpunkt des Schwerpunktprogramms, das auch dazu beitragen soll, den Vorsprung der deutschen Forschung auf diesem Gebiet im internationalen Vergleich weiter auszubauen. (Koordinator: Prof. Dr. Joachim W. Deitmer, Universität Kaiserslautern)


Biochemische Reaktionen werden von speziellen Molekülen, den so genannten Biokatalysatoren, gesteuert. Im Schwerpunktprogramm "Directed evolution to optimise and understand molecular biocatalysts" sollen die molekularen Prinzipien der Biokatalyse untersucht werden. Im Zentrum der Forschung stehen simulierte Evolutionsprozesse, mit deren Hilfe gezeigt werden soll, wie sich die Biokatalysatoren im Laufe der Zeit entwickelt haben. Man erhofft sich durch diesen Ansatz ein Bild über die gemeinsamen und unterschiedlichen Eigenschaften und damit ein besseres Verständnis der Funktionsweise von Biokatalysatoren und der von ihnen gesteuerten Reaktionen. (Koordinator: Prof. Dr. Reinhard Sterner, Universität Köln)


Geistes- und Sozialwissenschaften

Das Schwerpunktprogramm "Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse nördlich der Alpen" befasst sich mit den keltischen Kulturen des 7. bis 5. Jahrhunderts vor Christus. Im Zentrum des Interesses steht dabei die Untersuchung der Fürstensitze, also der Siedlungszentren der keltischen Eliten, sowie ihres Umfeldes, durch die sich tiefgreifende Veränderungen innerhalb der Sozialstruktur rekonstruieren lassen. Zentrales Anliegen des Projektes ist es, jene sozialhistorischen Prozesse zu untersuchen, in deren Verlauf es zur Herausbildung dieser Zentren kam. Damit soll der Grundstein gelegt werden für ein besseres Verständnis der Zentralisierungsentwicklungen und der damit einhergehenden kulturellen und politischen Volksbildung. (Federführung: PD Dr. Dirk. L. Krause, Universität Kiel)


Eine der auffälligsten gesellschaftlichen Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten ist der Wandel in Paarbeziehungen und Familien. Dazu gehören die wachsende Instabilität von nichtehelichen und ehelichen Partnerschaften sowie der starke Rückgang der Kinderzahlen. Die Folgen dieser Entwicklung für die Familien-, Arbeits- und Sozialpolitik sind gravierend, die Gründe dafür jedoch immer noch nicht hinreichend gut verstanden, insbesondere weil es keine Langzeituntersuchungen zur Entwicklung von Partnerschaften und Familien gab. Ziel des Schwerpunktprogramms "Beziehungs- und Familienentwicklung" ist es, die Entstehung von Partnerschaften und Familien umfassend zu untersuchen und die Bedingungen zu erforschen, unter denen Partnerschaften sich stabilisieren oder zerfallen. (Koordinatoren: Prof. Dr. Johannes Huinink, Universität Bremen, Prof. Dr. Hartmut Esser, Universität Mannheim)


Neuere Arbeiten zur Erforschung von Arbeitsmärkten zeigen, dass diese nicht homogen strukturiert sind, sondern sich aus verschiedenen Teilarbeitsmärkten zusammensetzen. Ziel des Schwerpunktprogramms "Flexibilisierungspotenziale bei heterogenen Arbeitsmärkten" ist es, die Teilarbeitsmärkte zu untersuchen und Modelle zu entwickeln, die zeigen, wie diese auf wirtschaftliche und soziale Veränderungen reagieren. Besonders aktuell ist dabei die Frage, inwieweit eine Deregulierung des Arbeitsrechts zur Flexibilisierung der Arbeitsmärkte beitragen kann. Daneben gilt das Interesse der Wissenschaftler auch der Erforschung des Austauschs zwischen unterschiedlichen Teilarbeitsmärkten und seinen Auswirkungen auf bestimmte soziale Gruppen. (Koordinator: Prof. Dr. Bernd Fitzenberger, Universität Mannheim)


Ingenieurwissenschaften

Mit der steigenden Zahl von Internetnutzern und dem gleichzeitig wachsenden Bedarf an immer mehr Mobilität wird zukünftig die Nachfrage nach einem leistungsfähigen drahtlosen Internetzugang wachsen. Das Schwerpunktprogramm "Techniken, Algorithmen und Konzepte für zukünftige COFDM-Systeme (TakeOFDM)" beschäftigt sich mit der Übertragungstechnik COFDM (Coded Orthogonal Frequency Division Multiplexing), die diesen Anforderungen gerecht werden könnte. Es sollen im Schwerpunktprogramm sowohl das grundlegende Verständnis der COFDM-Technik weiter vertieft sowie Verfahren entworfen werden, die einen breitbandigen Zugang zu Netzen ermöglichen. (Koordinator: Prof. Dr. Hermann Rohling, TU Hamburg-Harburg)


Die industrielle Produktion von Mikrosystemen und Bauteilen mit Nanostrukturen ist auf verlässliche Mess- und Prüftechniken angewiesen. Die Entwicklung neuer und standardisierter Messverfahren ist das Ziel des Schwerpunktprogramms "Neue Strategien der Mess- und Prüftechnik für die Produktion von Mikrosystemen und Nanostrukturen (StraMNano)". Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten sollen dazu beitragen, dass im Bereich Mikro- und Nanotechnologie Fertigungsprozesse zuverlässiger gelenkt, Produkte funktionsorientiert geprüft und die Qualitätssicherung von Produkten verlässlich durchgeführt werden kann. (Koordinator: Prof. Dr.-Ing. Albert Weckenmann, Universität Erlangen-Nürnberg)


Die Erarbeitung eines Konzepts für die Entwicklung von Magnesiumwerkstoffen mit maßgeschneiderten Eigenschaften ist das Ziel des Schwerpunktprogramms "Erweiterung der Einsatzgrenzen von Magnesiumlegierungen (InnoMagTec)". Durch die Entwicklung neuer Modelle und Methoden, von der Erstellung der Legierung über die gezielte Manipulation der Mikrostruktur bis hin zur Kontrolle der Eigenschaften des Werkstoffes, soll das Einsatzfeld von Magnesiumlegierungen im Leichtbau erweitert werden. (Koordinator: Prof. Dr. Karl Ulrich Kainer, GKSS Geesthacht)


Naturwissenschaften

Wie wichtig eine verlässliche Vorhersage von Niederschlägen, ist haben die Überflutungen im Jahr 2002 erneut bestätigt. Das Schwerpunktprogramm "Quantitative Niederschlagsvorhersage: ein Anspruch der Gesellschaft an die Meteorologie" soll bestehende Vorhersagemodelle optimieren und neue Modelle für eine Verbesserung der Vorhersage entwickeln. Mit der Unterstützung des Schwerpunktprogramms durch den Deutschen Wetterdienst entstehen hervorragende Bedingungen für das Erreichen der Programmziele und damit auch die Möglichkeit für die deutsche Meteorologie, zu laufenden internationalen Forschungsprogrammen beizutragen. (Koordinator: Prof. Dr. Andreas Hense, Universität Bonn)


Was geschieht in aquatischen Ökosystemen - also in Seen, Flüssen und Meeren -, wenn sich das Klima verändert? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Schwerpunktprogramm "The impact of climate variability on aquatic ecosystems: Match and mismatch resulting from shifts in seasonality and distribution (AQUASHIFT)". Ziel der Forschung im Schwerpunktprogramm ist, durch die Analyse vorhandener Daten und experimentelle Untersuchungen (wie etwa Simulationen von Klimaveränderungen) zu einer Verbesserung der Vorhersage über die Wandlungsprozesse in aquatischen Ökosystemen zu gelangen. (Koordinator: Prof. Dr. Ulrich Sommer, Universität Kiel)


Bei der Verwendung von Fluiden in der Mikro- und Nanotechnik treten an der Grenze zwischen makroskopischen und molekularen Eigenschaften bisher nicht verstandene Veränderungen des Strömungsverhaltens auf. Das Schwerpunktprogramm "Nano- und Mikrofluidik: Von der molekularen Bewegung zur kontinuierlichen Strömung" will zur Klärung dieser Problematik neue Modelle und Methoden zur Erfassung und Beschreibung der auftretenden Phänomene erarbeiten. (Koordinatoren: Prof. Dr. Karin Jacobs, Universität des Saarlandes, PD Dr. Hendrik C. Kuhlmann, Universität Bremen)


Festkörperstrukturen zeigen bei nanoskopischen Abmessungen deutlich andere physikalische Eigenschaften als bei makroskopischen Systemen. Diese veränderten Eigenschaften will man sich in der Nanotechnologie zunutze machen. Das Ziel des Schwerpunktprogramms "Nanodrähte und Nanoröhren: von kontrollierter Synthese zur Funktion" liegt in der Erarbeitung neuer, nicht kohlenstoffbasierter Nanostrukturen, deren Anwendung in der Nanotechnologie neue Einsatzbereiche eröffnen könnte. (Koordinatoren: Prof. Dr. Andreas Greiner, Universität Marburg, PD Dr. Margit Zacharias, MPI für Mikrostrukturphysik Halle)


Das Schwerpunktprogramm "Lanthanoidspezifische Funktionalitäten in Molekül und Material" befasst sich mit der Erforschung der Eigenschaften und des Anwendungspotenzials der Elementgruppe der Lanthanoiden. Diese auch als "Seltene Erden" bezeichneten Metalle spielen unter anderem als Katalysatoren in der Kunststoffindustrie oder als lumineszente Materialien in Fernseh- und Computerbildschirmen eine Rolle. Im Schwerpunktprogramm soll das innovative Potenzial dieser chemischen Verbindungen bei der Konzeption neuer Materialien ausgelotet werden. (Koordinatoren: Prof. Dr. Rhett Kempe, Universität Bayreuth, Dr. Peter W. Roesky, FU Berlin)

Dr. Eva-Maria Streier | ide

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